Mittwochsinterview: Beratung ist wichtiger als das Preisgeld

24.3.2020, 16:57 Uhr
Mittwochsinterview: Beratung ist wichtiger als das Preisgeld

© Foto: Max Lautenschläger/PR

Herr Schubert, Herr Wild, Sie sind das Leitungsduo des "Regionalbüros Nürnberg des Deutschen Schulpreises und der Deutschen Schulakademie". Was genau ist das?

Klaus Wild: Die Deutsche Schulakademie entstand aus dem Deutschen Schulpreis. Dieser wurde 2006 von der Robert-Bosch-Stiftung und der Heidehof-Stiftung ins Leben gerufen und wird seitdem jährlich den besten Schulen Deutschlands verliehen. Als Deutsche Schulakademie wollen wir das Know-how der Preisträger an andere Schulen weitergeben. Das Regionalbüro Nürnberg koordiniert dieses Anliegen für Bayern.

Ihr Slogan heißt "Für mehr gute Schulen". Woran erkennt man, ob eine Schule gut ist?

Wild: Die Jury des Deutschen Schulpreises schaut sich verschiedene Kriterien an: Leistung – Umgang mit Vielfalt – Unterrichtsqualität – Verantwortung – Schulklima, Schulleben und außerschulische Partner – Schule als lernende Institution. Das bedeutet: Wir nehmen dabei wahr, wie die Beteiligten die eigene Schule von innen heraus gestalten.

Diese Kriterien klingen etwas allgemein.

Johannes Schubert: Sie sind bewusst sehr weit gefasst, um allen Schularten gerecht zu werden. Eine kleine Grundschule in Bayern kann genauso erfolgreich teilnehmen wie ein berufliches Schulzentrum in Berlin oder eine große Gemeinschaftsschule in NRW. Wir machen auch keinen Unterschied zwischen staatlichen und privaten Schulen.

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Gibt es da keine Berührungsängste? Ein Waldorf-Pädagoge hat doch womöglich ganz andere Schwerpunkte als eine Lehrkraft an beruflichen Schulen . . .

Wild: Natürlich gibt es Unterschiede, die wir auch bewusst wahrnehmen und respektieren. Aber die meisten Themen sind über Bundesländer und Schularten hinweg sehr ähnlich: Es geht immer um gelingende Lehr- und Lernprozesse.

Wie geben Sie dieses Wissen dann weiter?

Schubert: Die Deutsche Schulakademie hat hierfür mehrere Formate im Programm. Neben bundesweiten Foren und Regionalen Lernforen gibt es etwa ein Hospitationsprogramm, bei dem zwei bis drei Lehrpersonen einer Schule für eine Woche an einer Preisträgerschule hospitieren – dafür kann man sich übrigens im April wieder bewerben. Darüber hinaus bieten wir tiefer gehende Werkstatt-Programme, bei denen Schulen über eineinhalb bis zwei Jahre gemeinsam mit anderen Schulen zu einem Thema arbeiten, etwa zum Thema "Schule leiten" oder "Lernbegleitung und Leistungsbeurteilung".

Wild: Es ist uns wichtig, dabei keine Konkurrenz zu anderen Fortbildungsangeboten zu sein, sondern eine Ergänzung. Darüber hinaus möchten wir auch für die Schulpolitik sichtbar machen, wie gute Schulen arbeiten und wie sie gefördert werden müssen.

Durch das Coronavirus stehen viele Lehrpersonen nun vor der Aufgabe, digital zu unterrichten. Sind unsere Pädagogen dafür bereit?

Wild: Das können wir aus Sicht der Deutschen Schulakademie nicht beurteilen. Alle Schulen sind durch die Krise jetzt in einen unfreiwilligen Praxistest hineingeraten. Wir können nur hoffen, dass es gelingt, gute Angebote zu gestalten. Aus diesen aktuellen Erfahrungen müssen dann Schlüsse für die Zukunft gezogen werden.

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Schubert: Digitales Lernen ist jedoch ein wichtiges Thema, an dem wir schon lange dran sind. In diesem Jahr ist es auch unser Schwerpunktthema. Am 17. und 18. September 2020 veranstalten wir in Berlin, dem Sitz der Deutschen Schulakademie, auch ein großes Forum zum Thema "Digitale Schule? Auf den Kulturwandel kommt es an!". Darüber hinaus planen wir ein Werkstatt-Angebot zum Thema.

Haben Sie denn Tipps für Lehrer, wie sie mit dem virtuellen Unterricht umgehen sollen?

Wild: Da würden wir uns überschätzen – das ist vor allem jetzt Aufgabe der entsprechenden Schulministerien, der Aufsichtsbehörden und der Schulen vor Ort.

Schubert: Wir betreiben das Deutsche Schulportal, auf dem sich Lehrer zu dem Thema informieren, vernetzen und austauschen können. Dort bieten wir auch Konzeptfilme, die unsere Preisträger-Schulen vorstellen – eine virtuelle Version der Hospitation.

Noch einmal zurück zum Deutschen Schulpreis. Wird er dieses Jahr auch wieder vergeben?

Schubert: Ja, dieser wird jährlich vergeben. Man kann sich seit Anfang des Jahres online unter www.deutscher-schulpreis.de bewerben. Viele Schulen zögern, weil sie unsicher sind, wie gut ihre Projekte im deutschlandweiten Vergleich sind. Denen möchten wir Mut machen: Alle Teilnehmer erhalten Beratung und individuelles Feedback, was in der Praxis oft noch wichtiger ist als das Preisgeld. Es geht ja nicht nur ums Gewinnen, sondern besonders darum, mit- und voneinander zu lernen – und Schulen bei deren Qualitätsentwicklung zu unterstützen.

 

www.deutsche-schulakademie.de