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Samstag, 20.07.2019

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Nase frei per Staubsauger: „Det Jehirn bleibt drinne“

Skurriles, Nützliches und Luxuriöses bei der zweiten „BabyZeit Messe“ in der Meistersingerhalle — 65 Aussteller warben - 13.11.2016 19:34 Uhr

Früh übt sich: Die Babyflasche in Form eines Maßkrugs kommt aus München. © Roland Fengler


Schon gewusst? Säuglinge sind Nasenatmer. Was nicht weiter schlimm wäre, hätten sie nicht dauernd Schnupfen und verstopfte Nasen. Genau deshalb läuft am Stand von Carola Schleiff ein stinknormaler Staubsauger, auf dem ein durchsichtiger Kolben steckt. Dieser „Nasenputzer“ sauge das Sekret ganz sanft ab, erklärt die muntere Berlinerin.

Dass da viele junge Eltern erst mal große Augen machen, das kennt sie schon. Deutschland sei, verglichen mit anderen europäischen Nationen, leider ein Nasenputzer-Entwicklungsland. „Die Leute haben Angst vorm Staubsauger.“ Dabei, das verspricht Carola Schleiff augenzwinkernd, entstünden nie mehr als 0,2 Bar Druck: „Da bleibt det Jehirn drinne“.

Umkämpfte Geldbeutel

Nasenputzer, Baby-Tiefkühlkost, Familotels, Windelhosen und Babyfotos, um die kleinen Hosenscheißer und die Geldbeutel ihrer Eltern kämpft ein riesiger Markt.

Test an der Puppe: Carola (li.) und Gabriele Schleiff zeigen, wie der vom Staubsauger getriebene „Nasenputzer“ funktioniert. © Roland Fengler


Dass vielen für den Nachwuchs nichts zu teuer ist, zeigen der Andrang zur „BabyZeit“ und die vielen Tüten, mit denen die Kundschaft die kleine Meistersingerhalle verlässt.

Hier werden Fragen gestellt, von denen man vorher nicht die mindeste Ahnung hatte. „Sie waschen Obst und Gemüse. Warum dann nicht die Luft in Ihren Räumen?“ Christine Langer, Vertrieblerin aus dem Allgäu, hält die Antwort in den Händen. Ein lila Luftbefeuchter in Vasenform, aus dem duftender Dampf entweicht. 50 Euro Messepreis, und das Kind braucht, siehe oben, womöglich gar keinen Nasensauger mehr.

Saubere Luft: Christine Langer mit ihrem schicken Befeuchter. © Roland Fengler


Stefanie Müllers Tochter Ella ist sozusagen ein hausgemachtes Ausstellungsstück. Das 17 Monate alte Mädchen steckt fest in einem Tragegeschirr, das ihre Mutter umgeschnallt hat. „Wie ein schwerer Rucksack“, so wirbt Müller für das Modell. Die 11,5 Kilo könne sie locker zwei bis drei Stunden auf dem Rücken tragen. Ella gefällt’s, ihre blauen Augen beobachten Väter und Mütter, die am Stand Kindersitze sondieren. Einer, quasi der Porsche der Branche, wächst und schrumpft auf Knopfdruck. 329 Euro, das muss es einem wert sein.

Eher esoterisch denn elektrisch geht es bei Silana E. Bayer zu, die „spirituelle Geburtsbegleitung“ anbietet. Sie helfe den Frauen, in Kontakt zu ihrem Kind zu kommen, sagt die zweifache Mutter; da warte Seelenarbeit, damit Energiefelder zugänglich und die Herzensbindung intensiv würden. Rund um die Frau aus Hallerndorf sind die Themen weltlicher. Am Makeup-Stand können sich Strapazierte schön machen, daneben sich und das Kind fürs Foto in Szene setzen. Aus München, woher sonst, kommt der „Nuckelkrug“, eine Babyflasche, die wie ein Maßkrug aussieht. Früh übt sich. . . 

CLAUDINE STAUBER

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