Stefanie Babst drängt zu mehr Waffenlieferungen

Nato-Expertin: Wir müssen Putins Regime zurückdrängen

Alexander Jungkunz
Alexander Jungkunz

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21.6.2022, 14:57 Uhr

© imago images/Jürgen Heinrich, NN

Sie gehörte bis zu ihrem Ruhestand 2020 zum Führungskreis der Nato - und ist eine gefragte Expertin in Sachen Krieg gegen die Ukraine: Stefanie Babst. Im Interview mit den "Nürnberger Nachrichten" zeigt sie sich pessimistisch, was den Verlauf des Krieges angeht. Und dröngt auf mehr deutsche Waffenlieferungen.

"Das kann richtig, richtig übel werden"

Sie "rechne damit, dass wir im Sommer und Herbst weitere Offensiven und Gegenoffensiven erleben", so Babst. "Die Ukrainer müssen eine Gegenoffensive versuchen, um Städte und Gebiete im Donbass und am Schwarzen Meer zu befreien. Russland dürfte versuchen, Odessa zu erobern – das kann richtig, richtig übel werden." Der Krieg werde sich also hinziehen, befürchtet Babst. "Mit den Folgen des Krieges – Inflation, erhöhte Energiepreise, Getreidemangel – werden wir lange leben müssen. Doch wir haben nur zwei Handlungsoptionen: entweder wir leben mit den Folgen einer strategischen Niederlage und dem Diktat Russlands in Europa, oder wir nehmen die Herausforderung Putins an und drängen Russlands politischen Einfluss so weit wie es geht hinter seine Grenzen zurück."

Sie fordert die Bundesregierung auf, endlich mehr Waffen zu liefern. Seit langem sei bekannt, was die Ukraine brauche. "Aber geliefert wurde wenig – und von Deutschland so gut wie nichts", beklagte sie. Es sei aber notwendig, Putins Regime zurückzudrängen - "militärisch, wirtschaftlich, politisch, wir müssen Russland international isolieren – und zwar so sehr, dass Putin spürt, dass sein Russland nicht akzeptabel für all diejenigen ist, die an Recht und Gesetz glauben."


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Vorschläge für einen Kompromiss mit Gebietsabtretungen der Ukraine an Russland, wie sie etwa der frühere US-Außenminister Henry Kissinger gemacht hat, weist sie entschieden zurück. Babst: "Das ist in meinen Augen ein Gedanke aus einem früheren Jahrhundert: dass es Großmächte gibt, die einen besonderen Status haben und die man letztlich nicht zurechtweisen darf – und kleinere Staaten müssen dann Konzessionen machen und sich unterwerfen."

"Es geht ihm um die Vernichtung des ukrainischen Staates"

"Davon abgesehen ist aber auch komplett unrealistisch, weil keine ukrainische Regierung es erlauben wird, auf ihrem Gebiet russische Streitkräfte zu belassen, die zu immer weiteren Kriegsrunden einladen würden. Man kann Putin auch nicht besänftigen, indem man 20 oder 25 Prozent des Territoriums abgibt. Er wird weitermachen, weil es ihm um die Vernichtung des ukrainischen Staates geht. Seiner enger Freund Dmitrij Medwedjew hat das noch einmal wiederholt."

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