82-Jährige wartet vergeblich

Nürnbergerin verärgert: Trotz Abos blieb der Briefkasten leer

Johannes Handl
Johannes Handl

Lokalredaktion

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14.10.2021, 08:40 Uhr
Die Nürnbergerin Renate Böhm bezieht mehrere Abos. Zuletzt war ihr Briefkasten jedoch leer geblieben.

Die Nürnbergerin Renate Böhm bezieht mehrere Abos. Zuletzt war ihr Briefkasten jedoch leer geblieben. © Monika Skolimowska, dpa

Abos können etwas Tolles sein. Vorausgesetzt der Lesestoff kommt rechtzeitig an. Genau in diesem Punkt aber hakte es bei Renate Böhm zuletzt. Die Nürnberger Nachrichten erhält die Neunhoferin zuverlässig von eigenen Zustellern: "Das klappt wunderbar." Neben den NN bezieht die lesebegeisterte 82-Jährige seit Jahrzehnten aber auch die Wochenzeitung Die Zeit und die Fernsehzeitschrift Gong. Beide werden ihr donnerstags und freitags von der Deutschen Post gebracht. Zuletzt lag jedoch weder die Zeitung noch die Zeitschrift im Briefkasten.

Wenn die Wochenzeitung ein paar Tage später kommt, sei das nicht so schlimm, erklärt Böhm. Die könne sie nachlesen. Es gab allerdings schon einen Fall, als sie die Fernsehzeitschrift erst 16 Tage später als vorgesehen erhielt. Durchblättern, welche Sendungen sie verpasst hat, war natürlich keine Option.


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Böhm blieb aber keineswegs untätig: "Bei der Zeit habe ich angerufen." Spätestens zwei Tage später, so das von mehreren Seiten gegebene Versprechen des Wochenblatts, sollte ihr die Ersatzzeitung zugestellt werden - doch auch diesmal: nichts. Der Briefkasten blieb leer. Also versuchte die Neunhoferin, mit der Post Kontakt aufzunehmen und sich bei der Service-Hotline zu beschweren.

Niemand ging ans Telefon

So oft sie die Nummer 0228-4333112 aber auch wählte - sie bekam niemanden ans Telefon. "Seit vier Tagen habe ich die Beschwerdestelle nicht erreicht", ärgert sich Böhm. "Was nützt eine Beschwerdestelle, wenn nie jemand hingeht?"

Jasmin Derflinger ist die Sprecherin der Deutschen Post.

Jasmin Derflinger ist die Sprecherin der Deutschen Post. © Deutsche Post

Warum der Briefkasten leer blieb, kann Post-Sprecherin Jasmin Derflinger nicht sagen: "Der genaue Sachverhalt lässt sich nicht nachvollziehen. Für die der Kundin entstandenen Unannehmlichkeiten bitten wir um Entschuldigung." Als flächendeckender Postdienstleister ließen sich Unregelmäßigkeiten nicht gänzlich ausschließen, erklärt Derflinger. So gebe es immer wieder Fälle, in denen es aus unterschiedlichsten Gründen zu betrieblichen Störungen kommen kann - zum Beispiel kurzfristige Erkrankungen von Mitarbeitern oder auch widrige Wetterbedingungen. Dass Renate Böhm niemanden bei der Hotline erreicht hat, bedauert Derflinger ebenfalls: "Dies entspricht nicht den Leistungen und der Qualität, die unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kundenservice täglich für unsere Kundinnen und Kunden erbringen."

49 Millionen Briefe am Tag

Derflinger bittet aber auch um Verständnis: "Unsere Briefzusteller liefern jeden Werktag rund 49 Millionen Briefe. 89 Prozent der Briefe erreichen ihre Empfänger bereits am nächsten Werktag. Das schafft kein anderes Postunternehmen in Europa." Die Laufzeiten werden laut der Sprecherin von einer externen und unabhängigen Firma gemessen: "Der TÜV bestätigt regelmäßig, dass das Messverfahren beziehungsweise die Ergebnisse korrekt sind."

Mit den beiden Abos war es aber nicht getan. Böhm wundert sich, warum eine ganze Woche lang keine Post gekommen sei. Immerhin lagen sieben Tage später zwei Ausgaben des Gong in Böhms Briefkasten. Der erste gerade noch rechtzeitig, um das aktuelle Fernsehprogramm zu studieren, der zweite zum gewohnten Zeitpunkt acht Tage im Voraus. "Ich hoffe, dass sich jetzt alles wieder normalisiert", sagt Böhm.

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