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400 Boote und kein Abstand: Berliner Veranstalter erklären Riesen-Party

Die Ansammlung sorgte deutschlandweit für Empörung - 02.06.2020 12:23 Uhr

Insgesamt rund 3000 Menschen tummelten sich am Landwehrkanal, um zu den Beats zu feiern. © Vincent Bruckmann, dpa


Für viele Außenstehende aus ganz Deutschland waren die Szenen wohl unbegreiflich, die sich am Pfingstsonntag auf dem Berliner Landwehrkanal abspielten: Insgesamt feierten knapp 3000 Menschen einen Rave. Scheinbar unbekümmert, Boot an Boot, schipperten sie über den Landwehrkanal in Berlin. Das eigentliche Ziel war es dabei, auf die existenzbedrohende Situation der städtischen Club- und Kulturszene in der aktuellen Corona-Pandemie aufmerksam zu machen. An Land erfreuten sich ebenfalls etwa 1500 Personen zu den Beats, schätzungsweise 400 Bote trieben im Wasser. Die Polizei hatte alle Mühe, die Ansammlung aufzulösen. Erst gegen 21 Uhr war die Riesen-Party endgültig beendet.

Die Riesen-Schlauchboot-Party artete aus und konnte erst gegen 21 Uhr vollständig aufgelöst werden. © imago images/ZUMA Wire


Es sollte "kein Superspreader-Event" werden

Lanciert wurde das eigentümliche Treffen der Feierwütigen auf der Facebook-Seite "Rebellion der Träumer". Dort fühlten sich offenbar hunderte Berliner von der Aussicht auf eine Schlauchboot-Demonstration angesprochen. Im zweiten Absatz gingen die Veranstalter durchaus auf Sicherheitsbedenken ein: "Damit es kein Superspreader Event" werde, solle man bitte Mundschutz mitbringen und unbedingt Abstand zueinander halten, heißt es dort. Außerdem baten sie darum "in jedem Boot maximal Mitglieder von zwei Haus- und Knutschgemeinschaften an Board zu nehmen! Bitte geht respektvoll miteinander um und lasst allen Leuten ihren Space!"

Niemand ließ dem Anderen Raum

Anderen den Space zu lassen, daran dachte dann leider doch keiner mehr. Die schwimmende Demonstration traf sich um die Mittagszeit am Treptower Park: Zunächst waren das nur neun Boote verschiedener Clubs (u.a. Kater, Sage Club, Rummelsburger Bucht, Remise) mit jeweils rund zehn Gästen an Bord, dazu ein paar mächtige Soundanlagen und DJ-Kanzeln. Unter dem Motto "Für die Kultur – Alle in einem Boot" schipperten sie los - und blieben nicht lange allein.

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"Unsere Idee war es eigentlich, eine Alternative zum Karneval der Kulturen zu organisieren, die die Abstandsregeln gewährleistet", erklärte nun einer der Veranstalter gegenüber der Berliner Zeitung. "Eine Parade auf dem Wasser, eine musikalische Demo mit Redebeiträgen für die Kultur in unserer Stadt und eine sichere Veranstaltung für alle Beteiligten."

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Aus der ursprünglichen Idee wurde nichts, die Veranstaltung ging allerdings trotzdem weiter. An die DJ-Boote hefteten sich zahlreiche bunt dekorierte Schlauchboote an, dazu Segeljollen, Motorboote und Partyflöße. Auf dem Höhepunkt der Veranstaltung, gegen 16.30 Uhr, umfasste die Party zu Land und zu Wasser etwa 3000 Personen. Die meisten hielten nicht den verordneten Abstand.

Schlusspunkt war ein Corona-Krankenhaus

Die Bootstour endete dann auch noch ausgerechnet vor einem Krankenhaus am Urbanhafen, in dem Covid-19-Patienten behandelt werden. Für den "symbolisch völlig unangemessenen Endpunkt" entschuldigten sich die Veranstalter am Montag ausdrücklich: "Das hätten wir und die anderen beteiligten Akteure besser machen müssen." Als Gesamtfazit ließ der Veranstalter verlauten: "Das war die Geburt einer neuen Loveparade auf dem Wasser! Das machen wir nächstes Jahr wieder."

lid

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