-4°

Montag, 01.03.2021

|

zum Thema

Corona-Tote: 85 Prozent "an" statt nur "mit" Covid verstorben

Regensburger Studie und Kieler Pathologen mit ähnlichen Erkenntnissen - 07.02.2021 14:34 Uhr

Eine Regensburger Studie und die Erkenntnisse von Kieler Pathologen, die beide der Frage nachgehen, ob Menschen an oder mit dem Coronavirus verstorben sind, kommen zu ähnlichen Ergebnissen.

06.02.2021 © Christian Charisius, dpa


"Bei 85 Prozent der Fälle konnten wir wirklich bestätigen, dass sie an Covid-19 verstorben sind", sagte der Direktor des Instituts für Pathologie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH), Christoph Röcken. In Kiel wurden bislang mehr als 50 Menschen im Alter von 53 bis über 90 Jahre obduziert, die sich vor ihrem Tod mit Sars-CoV-2 angesteckt hatten. Nur ein kleiner Teil sei mit statt an Covid-19 gestorben, sagte Röcken.

Röcken und sein Team obduzieren aktuell zusätzlich zu ihren anderen Aufgaben täglich zwei Menschen, die an oder mit Covid-19 gestorben sind. Ihr Ziel: Wissen sammeln über einen Erreger und eine Krankheit, die derzeit überall auf der Welt wüten. Die Ergebnisse werden im Rahmen einer bundesweiten Initiative von 34 Unikliniken systematisch zusammengetragen. In einem Obduktionsregister werden die Daten aus ganz Deutschland gesammelt und ausgewertet sowie Gewebeproben von an Covid-19 Verstorbenen aufbewahrt.

RKI verzeichnete bisher mehr als 60.000 Corona-Tote

Bislang liegen bundesweite Daten aus dem Obduktionsregister noch nicht vor. Aber er höre von anderen Pathologen bundesweit, dass diese zu ähnlichen Ergebnissen kämen, sagte Röcken.

Bilderstrecke zum Thema

Von Biontech bis Valneva: Die Corona-Impfstoffe im Überblick

Im Namen der 27 Staaten hat die EU-Kommission bisher Verträge mit sechs Impfstoff-Herstellern abgeschlossen und so rund 2,3 Milliarden Dosen verschiedener Mittel gesichert. Weitere sollen folgen. Ein Überblick.


Das Robert Koch-Institut verzeichnete bislang mehr als 60.000 Corona-Todesfälle. In die Statistik gehen dabei sowohl Menschen ein, die unmittelbar an der Erkrankung verstorben sind, also auch solche mit Vorerkrankungen, bei denen sich nicht abschließend nachweisen lässt, was die Todesursache war.

Regensburger Studie liefert Anhaltspunkte

Eine kleine Studie vom Uniklinikum Regensburg liefert bei der Frage, ob die obduzierten Menschen an oder mit dem Coronavirus verstorben sind ebenfalls interessante Anhaltspunkte. Von acht obduzierten Corona-Toten starben demnach sieben an multiplem Organversagen, ausgelöst durch die Infektion mit dem Coronavirus. Dabei ist sich die Verantwortliche der Studie sicher, dass ohne die Corona-Infektion sieben Patienten wohl noch am Leben wären. Bei den acht Personen handelt es sich um Menschen, die in der ersten Infektionswelle an oder mit Corona verstorben waren. Darunter waren vier Männer und vier Frauen im Alter von 44 bis 73 Jahren. Alle waren zuvor am Uniklinikum beatmet worden, wie der BR bereits berichtete.

Bilderstrecke zum Thema

Studie zeigt: Das sind die sieben Corona-Symptome

Ein Forschungsteam der Medizinischen Universität Wien kam zu dem Ergebnis, dass es eine Covid-19-Infektion mit mildem Verlauf offenbar in verschiedenen Verlaufsformen gibt. Bei der Untersuchung von 200 Erkrankten im Rahmen der Studie konnten insgesamt sieben Gruppen mit unterschiedlichen Erkrankungsformen ermittelt werden. Lesen Sie in unserer Bildergalerie, welche Symptomgruppen ermittelt wurden.



Corona-Pandemie: Was die Übersterblichkeit aussagt - und was nicht


Die Ergebnisse zeigen auf, dass nur bei einer Patientin eine kritische Vorerkrankung zum Tod führte – die anderen Infizierten starben an multiplem Organversagen, ausgelöst durch eine Corona-Infektion. Bei den sieben Toten lagen leichte Vorerkrankungen vor.

Relativ große Stichprobe: Fast 50 Prozent obduziert

Insgesamt sind im Frühjahr 2020 17 Menschen mit oder an Corona an der Uniklinik in Regensburg verstorben. Acht davon wurden anschließend obduziert, das sind beinahe 50 Prozent der Verstorbenen. In Anbetracht dessen, dass es in Bayern sonst eine Obduktionsrate von nur etwa vier Prozent gibt, sei die Stichprobe also relativ groß, wie die Oberärztin und Studienverantwortliche Katja Evert betont. Angehörige müssen in Bayern einer Obduktion verpflichtend zustimmen. In anderen Bundesländer wie zum Beispiel in Hamburg war das anders - das Infektionsgesetz wurde hier angepasst.


Sie möchten täglich kompakt zur Corona-Pandemie informiert sein? In unserem Newsletter "Unter Quarantäne" erfahren Sie alles Wichtige dazu. Hier kostenlos bestellen. Montags bis freitags um 17 Uhr in Ihrem Mailpostfach.

Vielen Dank! Wir freuen uns, dass Sie sich für unseren Newsletter interessieren.

Jetzt fehlt nur noch ein kleiner Schritt: Aus Sicherheitsgründen bitten wir Sie, Ihre Anmeldung zum Newsletter zu bestätigen. So gehen wir sicher, dass Sie sich selbst angemeldet haben und schließen einen Missbrauch durch Dritte aus.

In Ihrem E-Mail-Postfach finden Sie eine E-Mail (an: ) von uns mit einem Link, den Sie am besten sofort mit einem Klick bestätigen. Bitte sehen Sie in Ihrem Spam-Ordner nach, falls Sie in Ihrem Posteingang keine Bestätigungsmail finden. Sollten Sie gar nichts von uns erhalten, melden Sie sich bitte am besten kurz per E-Mail bei uns: newsletter@nordbayern.de

Offenbar wurde der Newsletter bereits für diese Mailadresse bestellt. Falls Sie keine Bestätigungsmail erhalten haben, wenden Sie sich bitte an newsletter@nordbayern.de

Sie haben den Newsletter bereits erfolgreich für diese Mailadresse abonniert. Falls Sie diesen nicht erhalten sollten, wenden Sie sich bitte an newsletter@nordbayern.de.


Evert, die auch die Hauptverantwortliche der kleinen Studie ist, sagt, dass die sieben Patienten keine gravierenden Vorerkrankungen gehabt hätten. Leichte Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes oder vereinzelt Herzerkrankungen standen aber in den Krankenakten. Dennoch ist sie sich sicher: "Ich bin keine Hellseherin, aber es hat keiner eine Erkrankung gehabt, an der er ohne die Corona-Infektion verstorben wäre".

Studie und Erkenntnisse von Pathologen fast deckungsgleich

Außerdem stellt die Oberärztin in ihrer Studie fest, dass der Grund für das Organversagen bei vier Patienten eine vorangegangene Pilzinfektion war, deren Ursprung wiederum in der Corona-Infektion lag.


Corona-Tote: Darum sterben so viele außerhalb der Intensivstationen


Um also wirklich Klarheit über die Frage, wie viele Covid-Erkrankte an oder mit dem Virus versterben zu erlangen, müssten mehr Obduktionen und auch klinische Befunde im Einzelfall ausgewertet werden, sagt die Oberärztin.

Bilderstrecke zum Thema

Ausbruch, Lockdown, Impfstoff: Ein Jahr Corona in Deutschland

Das Coronavirus Sars-CoV-2 hat die Welt verändert wie wohl kein anderer Erreger vor ihm. Über zwei Millionen Menschen weltweit starben bisher an oder mit dem Virus. In Deutschland wurde die erste Infektion am 27. Januar 2020 bekannt. Wir blicken zurück auf ein Jahr Corona.


Somit sind die Erkenntnisse über die Anzahl an Menschen die "an" dem Virus verstorben sind statt "mit" von Christoph Röcken vom UKSH und der kleinen Studie des Regensburger Uniklinikum fast deckungsgleich. Während Röcken von einem bestätigten Tod aufgrund der Corona-Infektion von 85 Prozent spricht, entsprechen die sieben von acht Obduzierten aus Regensburg, die an dem Virus verstorben sind, einem Anteil von 87,5 Prozent.

dpa, vne, end

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus dem Ressort: Panorama