Neues Update steht zur Verfügung

Darum ist das neue Windows 11 für viele Menschen nicht kostenlos

8.10.2021, 12:52 Uhr
Eine der spannendsten Funktionen in Windows 11: Android-Apps vom Smartphone lassen sich nun auf dem PC installieren.

Eine der spannendsten Funktionen in Windows 11: Android-Apps vom Smartphone lassen sich nun auf dem PC installieren. © Microsoft/dpa-tmn

Bei Nummer 10 wollte Microsoft aufhören zu zählen: Bei der Vorstellung 2015 hatte es sich so angehört, als ob das Betriebssystem zwar stetig weiterentwickelt werden, der Name Windows 10 aber bleiben würde. Doch Microsoft zählt weiter, am Dienstag, den 5. Oktober wurde Windows 11 ausgerollt.

Fest steht: Windows-10-Nutzerinnen und -Nutzer werden nicht überfordert, müssen sich aber etwas umgewöhnen, wie unser Überblick zeigt:

Hat Windows 11 ein neues Design?

Ja. Microsoft hat die einst umstrittenen Kacheln verbannt, das neue Startmenü öffnet sich mittig, weil auch der Start-Button in die Mitte der Taskleiste gewandert ist. Abgerundete Ecken fallen vor allem bei den Fenstern auf, alles wirkt luftiger. Der Dateimanager Explorer wurde entschlackt, die Einstellungen aufgehübscht. Zudem meldet sich das System mit neuen Klängen, Symbolen und Hintergründen.

Wie auf dem Smartphone: Zum Desktop lassen sich Widgets hinzufügen, also kleine Info-Fenster. 

Wie auf dem Smartphone: Zum Desktop lassen sich Widgets hinzufügen, also kleine Info-Fenster.  © Microsoft/dpa-tmn

Und was ist mit neuen Funktionen?

Neu sind etwa Widgets, also Fensterchen mit News, dem Wetter oder anderen Infos. Auch den Fokus-Modus für ungestörtes Arbeiten ohne Ablenkungen, der sich in der Uhren-App aktivieren lässt, gab es in Windows 10 noch nicht.

Eingeführt werden zudem virtuelle Desktops, mit denen sich unterschiedliche Arbeitsumgebungen etwa für Arbeit und Freizeit selbst mit einem Monitor realisieren lassen, und das sogar mit unterschiedlichen Hintergründen.

War nicht auch von Android-Apps die Rede?

Tatsächlich sollen sich auch Android-Apps im generalüberholten Microsoft Store suchen, etwa über den Amazon-App-Store herunterladen und unter Windows 11 nutzen lassen. In Sachen Software-Verzahnung plant Microsoft unter anderem die Integration des Xbox-Abos Game Pass und der Teams-Tools in Windows 11.

Praktische Snap-Layouts: Geht man oben rechts in einem Fenster auf das Maximieren-Icon, bekommt man Vorschläge, wie man alles ideal anordnen kann.

Praktische Snap-Layouts: Geht man oben rechts in einem Fenster auf das Maximieren-Icon, bekommt man Vorschläge, wie man alles ideal anordnen kann. © Microsoft/dpa-tmn

Was sollen Snap-Layouts sein?

Es handelt sich dabei um eine neue Gruppierungsfunktion, die den Umgang mit vielen Fenstern und Programmen unter optimaler Ausnutzung der Displayfläche erleichtern soll. Es erscheinen Anordnungsvorschläge, sobald man bei einem Fenster rechts oben auf das Maximieren-Icon geht. Hat man sich für ein Layout entschieden und alle Fenster dementsprechend auf dem Bildschirm verteilt, ist eine Snap-Gruppe entstanden. Und die lässt sich praktischerweise in Gänze minimieren und maximieren.

Gibt es Windows 11 nur für neue Rechner?

Nein. Wenn die technischen Voraussetzungen erfüllt sind und die (letzte) Windows-10-Version installiert ist, wird Windows 11 angeboten. Allerdings nicht unbedingt sofort ab Starttermin 5. Oktober. Die Aktualisierung wird nach und nach verteilt. Das kann Wochen, wenn nicht Monate dauern.

Ungeduldige können dann und wann auch manuell prüfen, ob Windows 11 für sie schon bereitsteht, und zwar unter "Einstellungen/Windows Update/Nach Updates suchen".

Darum können doch Kosten entstehen

Microsoft bezeichnet das neue Paket selbst als "komplettes Erlebnispaket". Laut dem Experten-Blog Basic Thinking begründet Microsoft so seine hohen Anforderungen für Windows 11, die nach Einschätzung des Technik-Magazins Millionen Computer nicht erfüllen können.

Windows 10-PCs brauchen Intel-Prozessoren ab der 8. Generation, Zen-2-Chips von AMD, ARM-Chips der 7. und 8. Generation von Qualcomm und einen Sicherheitschip, der auf der Hauptplatine verbaut ist, der das Trusted Platform Module (TPM) 2.0 unterstützt.

Nach Expertenschätzungen existieren auf der ganzen Welt rund 1,3 Milliarden Computer auf denen Windows 10 installiert ist, wie Basic Thinking berichtet. Hunderte Millionen Benutzerinnen und Benutzer werden demnach nach einem "PC Health Check" (siehe im Artikel weiter unten) eine Warnung erhalten, dass sie Windows 11 nicht installieren können.

Das bedeutet im Umkehrschluss für viele Menschen, dass sich hunderte Millionen Menschen in den nächsten vier Jahren einen neuen PC kaufen müssen, wenn sie kein Sicherheitsrisiko eingehen wollen, berichtet der Blog weiter. Microsoft hat demnach bereits angekündigt, dass der offizielle Support für Windows 10 zum 14. Oktober 2025 eingestellt wird. Dann erhält das alte Betriebssystem keine relevanten Sicherheitsupdates mehr.

An sich ist es zwar kostenlos, dass neue Windows 11 zu installieren. Doch müssen in der Praxis viele Menschen sich einen neuen Laptop für mehrere hundert Euro kaufen.

Kostet Windows 11 Geld?

Umsteiger zahlen nichts, der Wechsel von Windows 10 auf Windows 11 ist kostenlos. Nur wer einen neuen Rechner mit Windows 11 anschafft, zahlt eine gewisse Summe des Kaufpreises für die Lizenz. Und wer einen neuen Rechner ohne Betriebssystem kauft und Windows 11 möchte, muss auch eine Lizenz kaufen.

Laufen ältere Windows-Programme auf Windows 11?

In aller Regel ja. Microsoft hält nach eigenen Angaben am "zentralen Design-Grundsatz der App-Kompatibilität" fest. Kurz: Was unter Windows 10, 8 oder 7 gelaufen ist, läuft auch unter Windows 11.

Bekommt mein Rechner denn nun Windows 11?

Das kommt darauf an. Microsoft hat technische Mindestanforderungen festgelegt, die ein System erfüllen muss - sonst bricht der Setup-Assistent die Installation ab. Im Vergleich zu Windows 10 sind die Anforderungen deutlich gestiegen. Insbesondere wird ein vergleichsweise neuer Prozessor verlangt.

Wichtig: Wer die Home-Version von Windows 11 installieren und einrichten will, kann dies laut Microsoft nur angemeldet mit einem Microsoft-Konto tun. Ohne Konto geht es offiziell nur in der Pro-Version.

Kann ich vor einem Installationsversuch prüfen, ob mein Rechner die Microsoft-Kriterien erfüllt?

Ja, dafür gibt es Testprogramme. Der "PC Health Check" von Windows selbst wird noch überarbeitet. Man kann aber auch die Freeware "WhyNotWin11" nutzen, die sehr übersichtlich darstellt, ob und warum eine Aktualisierung vielleicht nicht möglich ist.

Was ist, wenn mein Rechner nicht bereit ist oder ich Windows 11 gar nicht will?

Dann passiert erst einmal gar nichts. Automatisch installiert sich Windows 11 nicht. Und man kann Windows 10 wie gehabt weiter nutzen. Aber irgendwann wird auch der Support für Windows 10 auslaufen, nach derzeitigem Fahrplan im Oktober 2025.

Die Nutzung über diesen Zeitpunkt hinaus würde zum unkalkulierbaren Risiko, weil Microsoft dann keine Sicherheitsupdates mehr liefert – zumindest nicht gratis für Privatkunden.

Wann sind neue Geräte mit Windows 11 verfügbar?

Noch im Herbst. Lenovo hat etwa für November das 1,1 Kilogramm leichte 14-Zoll-Notebook Yoga Slim 7 Carbon mit OLED-Display (ab 1100 Euro) angekündigt. Und auch Asus‘ Zenbook 14X OLED mit 16:10-HDR-Display (ab 1300 Euro) soll noch 2021 erscheinen.

Der allererste Windows-11-Rechner, den man kaufen kann, kommt aber natürlich von Microsoft selbst: Das neue Surface-Tablet Go 3 (ab 440 Euro).

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