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Gefahr auf der Alm: Immer wieder greifen Kühe Wanderer an

Frau aus Nürnberg wurde zuletzt Opfer einer Tierattacke - 02.07.2020 20:31 Uhr

Wanderer gehen an weidenden Kühen im Alpsteingebiet im Kanton Appenzell vorbei. Normalerweise stellen die friedlichen Tiere keine Gefahr dar, doch es gibt Ausnahmen.

© Foto: Manuel Geisser/imago-images.de


In der Regel sind Rinder friedliche Zeitgenossen, wenn sie auf der Weide liegen oder stehen, Gras fressen oder wiederkäuen. Doch immer wieder werden Wanderer oder Radfahrer von Kühen attackiert. Vor Kurzem kam es zum Beispiel auf einem Weidegebiet in Tirol innerhalb kurzer Zeit zu zwei Angriffen auf Wandergruppen aus Deutschland. Eines der Opfer war eine 37-jährige Frau aus Nürnberg, die Verletzungen am Oberkörper und an der Hüfte davontrug und mit dem Rettungshubschrauber in die Klinik geflogen werden musste.

Vierjähriges Mädchen umgestoßen

Die fränkische Touristin hatte zusammen mit ihrer Familie ein Weidegebiet mit 44 Rindern in Mutterkuhhaltung passiert. Als die Gruppe schon fast an der Kuhherde vorbei war, nahm ein Tier plötzlich Anlauf, stieß die 37-Jährige mit dem Kopf zu Boden und verletzte sie mit ihren Hufen.

So schilderte ihr Ehemann den Vorfall der österreichischen Polizei, die sich knapp zwei Stunden mit einem weiteren Vorfall auf diesem Areal in der Nähe des Vilsalpsees befassen musste. Dabei wurden zwei weitere Familien aus Bayern attackiert, ein vierjähriges Mädchen und ein 48-jähriger Mann wurden umgestoßen. Das erwachsene Opfer zog sich leichte Verletzungen zu, das Mädchen kam zur Beobachtung in ein Krankenhaus.

Vorsicht bei Tieren mit Kälbern

Dem Halter der Kühe kann man wohl keinen Vorwurf machen, denn das Weidegebiet war eingezäunt und mit Warnschildern bezüglich der Gefahr von Mutterkühen versehen. Gerade bei Tieren mit Kälbern sollte man Vorsicht walten lassen, denn die haben in dieser Phase einen ausgeprägten Schutzinstinkt.

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Fachleute wie Christian Habel vom bayerischen Fachzentrum für Fleischrinderzucht und Mutterkuhhaltung ist sich bei seiner Arbeit dieses Risikos stets bewusst: Beruflich bedingt ist der Landwirtschaftsrat immer wieder auf Weiden mit Mutterkühen unterwegs, "und ich gehe nie ohne den Landwirt oder eine andere Vertrauensperson in eine Herde, die mich nicht kennt". Er wisse um die Unberechenbarkeit von Tieren, die ihre Kälber bei sich haben und vielleicht erst vor wenigen Tagen gekalbt haben.


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"Sie schützen den Nachwuchs – was ja auch richtig ist", erklärt Habel, der den Leichtsinn mancher Wanderer nicht nachvollziehen kann. Man sollte die Kraft einer Kuh mit einem Gewicht von einer halben Tonne oder mehr nicht unterschätzen. Zudem könnten die Tiere erheblich schneller laufen, als man es ihnen angesichts ihres wuchtigen Körperbaus zutraut.

Angesichts des gestiegenen Freizeitdrucks werden Kühe in manchen touristischen Hochburgen öfter als früher von Touristen und Ausflüglern aufgeschreckt, was zu einer steigenden Zahl von gefährlichen Begegnungen zwischen Mensch und Tier geführt hat. Vor den erwähnten Vorfällen nahe des Vilsalpsees waren nach Aussage des zuständigen Alpmeisters Hunderte von Wanderern an diesem Tag an den Kühen vorbeigegangen. Viele hätten sich mit den Rindern fotografieren lassen, andere hätten trotz der Warnschilder die Kälber gestreichelt, "obwohl das keine Kuscheltiere sind". Irgendwann habe es den gestressten Mutterkühen eben gereicht.

Auch Todesopfer gab es bereits

Manche solcher Vorfälle in den vergangenen Jahren endeten sogar tödlich. So wurde 2014 eine deutsche Urlauberin auf einer Alm im Tiroler Stubaital von 20 Kühen zu Tode getrampelt; 2017 waren zwei Frauen bei Erl in Tirol auf einem Wanderweg über eine eingezäunte Weide mit Mutterkühen unterwegs und wurden angegriffen. Eine der Frau überlebte die Attacke nicht.

Der Auslöser für diese beiden tragischen Vorfälle war mit großer Wahrscheinlichkeit der Umstand, dass die Opfer mit Hunden unterwegs waren. Die Angst vor den domestizierten Nachkommen des Wolfs steckt den Kühen nach wie vor in den Genen, deshalb sollten Hunde bei einem Angriff von der Leine gelassen werden. Die Angriffslust der Kühe wird sich dann mit großer Wahrscheinlichkeit auf den Hund konzentrieren, der sich aber angesichts seiner Überlegenheit in Sachen Lauftempo und Wendigkeit normalerweise in Sicherheit bringen kann.


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Die tödliche Attacke im Stubaital hatte übrigens ein juristisches Nachspiel: Der Landwirt, dem die Kühe gehörten, wurde zu Schadensersatz an die Hinterbliebenen verurteilt. 180.000 Euro plus eine monatliche Rente in vierstelliger Höhe sollte er den Angehörigen des Opfers zahlen, doch inzwischen wurde das Urteil revidiert. Die Richter gingen von einer Teilschuld der Verstorbenen aus, die Zahlungen des Kuhhalters wurden um die Hälfte reduziert.

"Die Alm ist kein Streichelzoo"

Den Fall nahmen Vertreter der österreichischen Landwirtschaftskammer und des Tierschutzvereins zum Anlass "Verhaltensregeln im Umgang mit Rindern auf Almen" zu veröffentlichen. Außerdem gab es eine Info-Kampagne mit dem Motto: "Die Alm ist kein Streichelzoo". Videoclips im Fernsehen und auf YouTube sowie Broschüren in mehreren Sprachen sollen zu einer friedlichen Koexistenz von Wanderern und Weidevieh auf der Alm beitragen. "Es geht um das gute Miteinander von Landwirtschaft und Tourismus auf Österreichs Almen", erklärte Kanzler Sebastian Kurz bei der Präsentation des Verhaltenskodex.


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André Ammer Region und Bayern E-Mail

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