Kampf gegen die Glatze: So verdecken Sie kahle Stellen

23.5.2017, 07:28 Uhr
Sau Yin Tang-Schuster untersucht den Kopf des Redakteurs. Viel Haarpracht ist ihm leider nicht geblieben.

Sau Yin Tang-Schuster untersucht den Kopf des Redakteurs. Viel Haarpracht ist ihm leider nicht geblieben. © Edgar Pfrogner

Wer nur noch wenig Haare auf dem Kopf hat, hat ein Problem. So suggeriert es jedenfalls die Werbung, die mitunter sogar von einem "ernsten Problem" spricht, als hätte man eine lebensbedrohliche Krankheit. Kahle Stellen am Kopf werden gleichgesetzt mit mangelnder Attraktivität und verflossener Jugend, von beängstigenden Geheimratsecken ist die Rede.

Dieses ständig wiederholte Mantra verfehlt seine Wirkung nicht. Jeder zweite Mann "leidet" unter Haarausfall und jede dritte Frau. Vor allem für Letztere kann die Situation tatsächlich sehr belastend sein. Man ist eben nicht nur betroffen, sondern leidet. Und wer leidet, sucht Linderung.

Es ist ein lukratives Geschäft mit der verletzten Eitelkeit. Etwa jeder Sechste von Haarausfall Betroffene greift zu Zweithaar, schätzt Olaf Krauslach vom Zentralverband des Deutschen Friseurhandwerks. Mittlerweile seien Haarteile oder Perücken von derart guter Qualität, dass nicht einmal mehr ein Profi den Unterschied zum natürlich gewachsenen Haar erkennt. Doch Haartransplantationen für mehrere Tausend Euro oder auch hochwertige und entsprechend teure Haarteile, die mit dem Resthaar verwoben werden, kann sich nicht jeder leisten. Deshalb suchen manche nach preiswerteren Alternativen.

Kahle Stellen abdecken

Ich selbst empfinde mein schütteres Haupthaar zum Glück als nicht sonderlich schlimm. Es gibt schließlich auch coole Vorbilder. Pep Guardiola ist auch ohne volle Mähne ein äußerst gut aussehender Mann. Dennoch bin ich neugierig, ob man meine kahlen Stellen abdecken kann und wie das mein Aussehen verändert.

Ich möchte es mit Streuhaar versuchen, winzige Fasern aus Keratin, die sich wie die Nadeln eines Fichtenzweiges um die verbliebenen Haare legen und so Volumen und Dichte vortäuschen sollen. Sau Yin Tang-Schuster betreibt eine "Haarausfall-Praxis" in der Klaragasse in der Innenstadt. Die aus Malaysia stammende studierte Betriebswirtin importiert seit fünf Jahren Streuhaare der Marke "Biothik" aus ihrer asiatischen Heimat und vertreibt diese in Deutschland.

In Asien häufig praktiziert

Kürzlich war sie mit "Biothik Haarpflege" auf der Messe Top Hair in Düsseldorf. Die Nachfrage danach sei "sehr gut" gewesen. In Deutschland spielen die auch als Schütthaare bekannten Fasern bis dato eine eher untergeordnete Rolle. In Asien sei der Einsatz von Streuhaar eine häufig praktizierte Methode, berichtet Tang-Schuster.

Die Tonsur am Hinterkopf ist zwar nicht mehr sichtbar, aber besonders natürlich sieht das Ergebnis nicht aus.

Die Tonsur am Hinterkopf ist zwar nicht mehr sichtbar, aber besonders natürlich sieht das Ergebnis nicht aus. © Edgar Pfrogner

Unter elf verschiedenen Farbtönen wählt Tang-Schuster für meinen Kopf das Dunkelbraun aus. Auf die Handfläche gestreut, sieht das Streuhaar aus wie farbiges Puder und fühlt sich auch so an. Wie mit einem Pfefferstreuer pudert mir Tang-Schuster das Haupt ein und streicht mir mit der Hand über den Kopf. Durch die Reibung laden sich die Haare ein wenig elektrostatisch auf; die 0,3 bis 0,5 Millimeter kurzen Keratinfasern legen sich um die einzelnen Haare. Anschließend wird mit einem speziellen Haarspray das Aufgestreute fixiert, so dass es auch einem leichten Regen oder Schweiß standhält.

Gesamten Kopf zudecken

Zugegebenermaßen bin ich nicht der ideale Proband, weil bei mir die komplett kahlen Stellen einfach schon zu groß sind. Da finden die Streuhaarfasern zu wenig Möglichkeiten zum Andocken. Nach dem ersten Auftragen ist der Eindruck am Oberkopf, wo noch ein paar einzelne Haare wachsen, schon relativ dicht, am Hinterkopf ist aber immer noch eine handtellergroße Tonsur sichtbar, und auch die hohe Stirn bleibt hoch. In einer zweiten Runde möchte Tang-Schuster auch die kahle Stelle hinten zuschütten. Tatsächlich gelingt es, den gesamten Kopf zuzudecken.

Aber das Ergebnis kann mich nicht überzeugen. Aus der Ferne betrachtet, mag mein neugestalteter Kopf vielleicht unauffällig wirken (auch wenn ich den Eindruck habe, dass ich auf dem Rückweg in die Redaktion von allen Leuten angestarrt werde). Von nahem aber sieht man einfach sofort, dass das, was sich auf meinem Kopf befindet, nicht natürlich gewachsen sein kann. Hinzu kommt, dass sich der Streuhaarteppich nicht gut anfühlt; er ist hart und wenn ich mich kratze, rieselt es von meinem Kopf herunter.

Mein Fazit: Wer nur leicht ausgedünntes Haar hat, kann mit Streuhaar tatsächlich unmittelbar den Eindruck dichteren Haarwuchses erzeugen. Das Produkt ist leicht anzuwenden, aber der Erfolg ist nicht von Dauer. Mit der nächsten Haarwäsche wird die Pracht schon wieder herausgespült. Für Leute wie mich ist das Verfahren ungeeignet. Hier hilft nur ein Haarteil – oder gesundes Selbstbewusstsein.

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