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Nach Goldraub von Neumarkter Schmuckhändler: Xatar sagt als Zeuge aus

Rapper saß für Coup bereits mehrere Jahre hinter Gittern - 02.03.2021 20:45 Uhr

Saß wegen des Raubs bereits mehrere Jahre hinter Gittern: Rapper Xatar.

02.03.2021 © Sebastian Gollnow, dpa


Der Rapper Xatar hat schon seit einiger Zeit einen ziemlichen Lauf. Seine Alben wie "Alles oder Nix" oder "Baba aller Babas" spielten bereits in den Charts ganz oben mit, sein Bonner Hip-Hop-Label "Alles oder Nix Records" wächst, er verdient sein Geld im Schmuckgeschäft, besitzt einen Döner-Imbiss und eine Shisha-Bar, den Köftespieß will er in die Tiefkühlfächer der Supermärkte bringen. Der gebürtige Iraner gilt als eine der mächtigsten und schillerndsten Figuren der deutschen Rap-Szene. So schillernd, dass der Regisseur Fatih Akin ("Der goldene Handschuh") seinen Werdegang unter dem Titel "Rheingold" verfilmen will.

Aussage gegen möglichen Komplizen

Hilfreich ist bei der Karriere zwischen Beats und Köfte natürlich auch der Ruf des Wahl-Kölners als Gangsta-Rapper mit einschlägiger Erfahrung. Denn den Erfolg hatte Xatar keineswegs von Beginn an, im Gegenteil. Der heute 39-Jährige saß jahrelang unter anderem in Stuttgart hinter Gittern für seinen Part beim Raub auf einen Goldtransporter im Jahr 2009. Auch den brutalen Gefängnisalltag im kurdischen Autonomiegebiet des Nordirak hatte er zuvor kennengelernt, als seine Flucht nach dem spektakulären Coup jäh gescheitert war.

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Xatar dürfte sich daher vorgekommen sein wie in einer Art Zeitmaschine, als er am Dienstag erneut Platz nahm in einem der Gerichtssäle des Stuttgarter Landgerichts. Dieses Mal allerdings nicht auf der Anklagebank, sondern als Zeuge in einem Prozess, der die Erinnerungen an den Raub nach mehr als elf Jahren wieder wecken soll.

Verschuldet und verzweifelt habe er sich damals überreden lassen, den Transporter mit der kostbaren Fracht auszurauben, schreibt Xatar im Jahr 2015 in seiner Autobiografie "Alles oder Nix". Beim filmreif inszenierten Überfall lotsen der Rapper und seine Komplizen Ende 2009 einen Werttransporter aus Nürnberg von der Autobahn 81 herunter und locken ihn geradewegs in die Falle. Die Männer sind als Polizisten der Steuerfahndung verkleidet, die Fahrer des Transporters schöpfen viel zu spät Verdacht.

120 Kilo Schmuck erbeutet

Bei dem Raub erbeutet die Bande nach Angaben der Staatsanwaltschaft 120 Kilo Schmuck und Zahngold im Wert von schätzungsweise rund 1,7 Millionen Euro. Bis heute fehlt davon jede Spur. Vor Gericht erklärte Xatar damals, er habe nur einen Bruchteil der Beute bekommen. "Donald, wo ist das Gold?", rappt er in einem seiner Songs. Es wird aber auch nicht ausgeschlossen, dass der Musiker die Antwort auf die Frage durchaus kennt.

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DNA-Spuren an einer Handschließe führen die Ermittler nach dem Raub auf die Spur von Rapper und Räubern. Sechs Männer werden zu Haftstrafen zwischen vier und neuneinhalb Jahren verurteilt. Xatar, angeblich Kopf der Bande, verlässt das Gefängnis nach insgesamt etwas mehr als fünf von eigentlich acht Jahren Ende 2014 wieder.

Nun aber steht ein siebter Mann vor Gericht. Mehr als elf Jahre nach dem Raub. Der 36-Jährige beteuert seine Unschuld. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm dagegen vor, beim Coup im Dezember 2009 einen der beteiligten Wagen gefahren und die Beute in Sicherheit gebracht zu haben.

Erinnerungslücken und eine entlastende Aussage

Dem widerspricht Xatar bei seinem kurzen Auftritt im Zeugenstand. "Nein, er war nicht dabei", antwortet er der Kammer auf die Frage, ob sein angeklagter Bekannter beim damaligen Beutezug Teil der Bande gewesen sei. Ansonsten macht er hier und da Erinnerungslücken geltend. Der Raub, über den er sich detailliert und seitenlang in seiner Autobiografie auslässt? Das sei schon arg lange her. "Ich weiß ja schon nicht mehr, was ich letzte Woche gegessen habe", meint er.

Kaum draußen, steht er dagegen durchaus Rede und Antwort. Wenngleich nur in eigener Sache. Ja, nach den Dutzenden Verhandlungstagen rund um das Urteil sei das nun "wie ein Klassentreffen", schmunzelt der Selbstvermarkter aus dem Rheinland. Und die verschollene Millionen-Beute? Tja, der neue Film über ihn, der werde die eine oder andere Frage sicher beantworten.

dpa

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