Mittwoch, 21.04.2021

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Pubertär, narzisstisch und voll schuldfähig

Gutachter sagt, dass bei Reemtsma-Entführer Drach keine psychische Krankheit vorliegt - 24.10.2011 16:51 Uhr

Ein Fotograf nimmt den Eingang zum Saal 288 des Strafjustitzgebäudes des Landgerichtes Hamburg auf, in dem die Verhandlung gegen Thomas Drach stattfindet.

24.10.2011 © dpa


Der psychiatrische Gutachter Norbert Leygraf hält den Reemtsma-Entführer Thomas Drach für voll schuldfähig. «Es gibt nichts, was für eine Beeinträchtigung oder Aufhebung der Schuldfähigkeit sprechen würde», sagte Leygraf im Prozess gegen Drach am Montag vor dem Hamburger Landgericht. Eine psychische Erkrankung liege nicht vor. Drach zeige ein unreif-pubertäres Verhalten gepaart mit einer gewissen Impulsivität und einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Drach hatte sich vorab geweigert, mit dem Psychiater zu sprechen.

Drach ist wegen versuchter räuberischer Erpressung angeklagt. Er soll im Gefängnis versucht haben, einen Freund zur Erpressung seines Bruders anzustiften. Drach hatte 1996 mit Komplizen den Hamburger Millionenerben Jan Philipp Reemtsma entführt. Reemtsma kam nach 33 Tagen Gefangenschaft gegen ein Millionen-Lösegeld frei. Drachs Haft endet im Juli 2012. Wird er zu mindestens zwei Jahren Haft verurteilt, könnte er danach in Sicherungsverwahrung kommen.

Seine Taten habe Drach nicht im Affekt begangen, sondern akribisch geplant. Dabei sei er nicht vor Gewalt zurückgeschreckt. Drach habe die Tendenz, sein Leben ohne Rücksicht auf die Rechte anderer Menschen mit Straftaten zu finanzieren. Der Angeklagte sei auch heute noch der Meinung, dass es richtig gewesen sei, den Millionär Jan Philipp Reemtsma zu entführen. Wahrscheinlich werde Drach sein kriminelles Verhalten in Freiheit weiter fortführen.

«In seinem Bewusstsein steht ihm das Geld zu»

Vor Gericht verhalte der Entführer sich betont selbstsicher und genieße die Aufmerksamkeit, analysierter Leygraf. «Er sieht sich selbst als einen ganz besonderen Gefangenen», sagte der Gutachter. Drach betrachte sich als erfolgreichen Berufskriminellen, der den Verbleib des Lösegelds nicht preisgebe. Er genieße es, dass die Welt auf seinen Mund starre und sich frage, ob er sich doch noch verrate.

«In seinem Bewusstsein steht ihm das Geld zu», sagte Leygraf. Drach habe schon in früher Jugend den gehobenen Lebensstil als den einzig richtigen angesehen. Schon mit 17 Jahren habe er auf Bestellung Autos gestohlen, um sich «ein flottes Leben» leisten zu können.

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Am Vormittag hatte Drach betont, sein Bruder sei schuld daran, dass er im Gefängnis sitze. «Hätten die nicht gequatscht, wäre ich jetzt noch in Uruguay», sagte er über seinen Bruder und einen anderen Bekannten, der ebenfalls einen Teil des Reemtsma-Lösegeldes gewaschen haben soll. Deshalb schulde ihm sein Bruder Geld: «Ich verlange 15 Millionen Euro Schmerzensgeld für die 14 Jahre Gefängnis und 15 Millionen Euro Verdienstausfall», sagte der Angeklagte.

Von Miriam Schmidt und Vanessa Steinmetz (beide dpa)

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