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Brachte ein Kontaktmann die Bekenner-DVD nach Nürnberg?

Das bei den NN eingegangene Terror-Video nährt den Verdacht auf Verbindungen in die Region - 19.11.2011 11:32 Uhr

Pinkfarbene Plastikhülle mit Paul-Panther-Aufdruck und dem NSU-Kürzel der Terror-Zelle: die in der Redaktion gelandete Bekenner-DVD. © Isabelle Matejka


Ein Indiz dafür, dass es möglicherweise doch enge Verbindungen der braunen Terrorzelle in die hiesige Region gibt?

Auf dem Cover des Bekenner-Films salutiert die Trickfilmfigur „Paulchen Panther“. Darunter steht „Nationalsozialistischer Untergrund“, „DVD 1“, als hätte die Mörderbande eine Fortsetzung geplant. „Frühling“ ist der knapp 15 Minuten lange Film betitelt. Die Scheibe war in einem unscheinbaren Umschlag verpackt, auf dem die Verlagsadresse aufgedruckt war.

Der Datenträger, auf dem sich die Verbrecherbande zweier Anschläge rühmt und sich auf zynische Weise zu den neun Morden an türkischen und griechischen Geschäftsleuten und der Polizistin Michele Kiesewetter in Heilbronn bekennt, lag — noch bevor die Polizei das Zwickauer Terror-Trio mit der bisher ungeklärten Mord-Serie in Verbindung brachte — im Briefkasten der Nürnberger Nachrichten. Bei anderen Adressaten kam die DVD offenbar erst zu einem späteren Zeitpunkt an.

Die Nürnberger Kripo interessiert sich brennend dafür, wie die Scheibe in den Verlags-Briefkasten kam. Wer hat sie eingeworfen? Warum gerade hier? Wurde die DVD gar von einem in die Taten eingeweihten Unterstützer des Zwickauer Trios gebracht? Oder von einem Boten, der keine Ahnung hatte von der Brisanz seiner Fracht?

Ortskenntnisse vorhanden?

Vonseiten des Innenministeriums hieß es bislang, es gebe keine Erkenntnisse über Verbindungen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ nach Bayern. Die Zweifel daran werden größer. Immerhin wurden fünf von neun Morden in Bayern verübt. Allein drei Opfer wurden in Nürnberg erschossen. Zwei Tatorte, Ismail Yasars Dönerbude und Enver Simseks Blumenstand, lagen an einer Durchgangsstraße beziehungsweise an einer vielbefahrenen Ausfallstraße. Doch bei der Ermordung des Schneiders Abdurrahim Özüdogru setzten die Ermittler früher eine gewisse Ortskenntnis voraus. Er wurde in seiner Schneiderei in einem Wohngebiet in der Südstadt erschossen. Unwahrscheinlich, dass die Täter dort zufällig landeten.

Im Bekenner-Film gibt es immer wieder Nürnberg-Bezüge. Die Täter, die die DVD aus Trickfilm-Ausschnitten und Tatortbildern zusammenschnitten, blendeten neben TV-Berichten mehrere Ausrisse von Artikeln der Nürnberger Nachrichten über die Bluttaten ein. Schwer vorstellbar, dass die Täter nach den Morden noch in der Stadt blieben, um am nächsten Morgen in aller Seelenruhe die Schlagzeilen der örtlichen Tageszeitung zu lesen, während um sie herum die Fahndung lief. Aber wie gelangten sie am Ende an die Zeitungsexemplare? Über Kontaktleute in die hiesige rechtsextreme Szene, die die Artikel über die Bluttaten wie Trophäen sammelten?

Die Polizei hofft, dass eine Analyse der DVD Rückschlüsse auf die Person erlaubt, die den Umschlag eingeworfen hat. Die Scheibe wird kriminaltechnisch auf Fingerspuren und genetisches Material hin untersucht.

Zur genauen Zahl der verschickten Bekenner-Videos gibt es unterschiedliche Angaben. Während an manchen Stellen von acht bis zehn Exemplaren die Rede ist, weiß man im Bayerischen Innenministerium nur von je einem Exemplar, das an zwei Büros der Linken in Sachsen-Anhalt beziehungsweise Sachsen ging, von einer DVD, die ein Regional-Radiosender in Thüringen erhielt, und von dem direkt bei den Nürnberger Nachrichten eingegangenen Video.

Ein Sprecher der Generalbundesanwaltschaft, die Behörde leitet die Ermittlungen zur Terrorserie, will keine Angaben zur Zahl der versandten DVDs machen. Große Bedeutung räumt man auch in Karlsruhe der Tatsache ein, dass die bei den Nürnberger Nachrichten eingegangene DVD nicht mit der Post verschickt worden war. 

VON SABINE STOLL UND HANS-PETER KASTENHUBER

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