24°

Sonntag, 15.09.2019

|

zum Thema

Bundesregierung bestellt 190 Millionen Jodtabletten

Grund sind die Kernkraftwerke, von denen Deutschland umgeben ist - 22.08.2019 11:54 Uhr

Deutschland hat vorgesorgt: Für den Fall eines schweren Reaktorunfalls hat die Bundesrepublik ihren Vorrat an Jodtabletten vervierfacht. © dpa


Zur Vorsorge für einen schweren Reaktorunfall will Deutschland seinen Vorrat an Jodtabletten vervierfachen. Nach WDR-Recherchen hat das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter 190 Millionen Tabletten bestellt. Diese sollen im Fall eines Atomunfalls an die Bevölkerung verteilt werden.

Gegenüber dem Sender betonte der ehemalige Vorsitzende der Strahlenschutzkommission, Wolfgang Müller, dass die Gefahr eines Super-GAU trotz des für 2022 beschlossenen Atomausstiegs nach wie vor real sei. Schuld daran seien unter anderem die vielen Atomkraftwerke, von denen Deutschland umgeben ist.

Bilderstrecke zum Thema

Acht Jahre Fukushima: Die Chronik einer Katastrophe

Am 11. März 2011 ereignete sich vor der Küste Japans das schwerste Erdbeben seit Beginn der dortigen Aufzeichnungen: 9,0 betrug seine Stärke. Dann kam der Tsunami. Bis heute kämpft das High-Tech-Land mit den Folgen dieser beispiellosen Katastrophe. Die schlimmste dieser Folgen: Die Zerstörung des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi.


Die Entscheidung zur Aufstockung der Jodtabletten-Vorräte geht laut BfS auf eine Empfehlung der Strahlenschutzkommission (SSK) zurück. Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima hatte das Beratergremium der Bundesregierung vorgeschlagen, den Kreis der möglichen Empfänger von Jodtabletten nach Freisetzung von Radioaktivität erheblich auszuweiten. Die Städteregion Aachen hatte vor zwei Jahren wegen der Risiken des benachbarten belgischen AKW Tihange vorsorglich Jodtabletten an alle Bewohner unter 45 Jahre ausgeben lassen.

Die Kosten für die Aufstockung der bundesweiten Jodtabletten-Vorräte liegen laut dem Bundesamt für Strahlenschutz bei 8,4 Millionen Euro. Getragen werden die Kosten vom Bund.

Unsere Schilddrüse braucht Jod, um lebenswichtige Hormone zu produzieren. Im Falle eines Atomunfalls in einem Kernkraftwerk kann radioaktives Jod freigesetzt werden, das sich in der Schilddrüse ansammelt und so Schilddrüsenkrebs verursachen kann. Durch Jodtabletten ist die Schilddrüse so "voll" mit reinem, nicht radioaktivem Jod, dass sie kein gefährliches Jod mehr aufnehmen kann und dieses einfach wieder ausgeschieden wird. Das nennt man dann eine "Jodblockade".

 

smax

10

10 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Politik