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Freischuss für Abschlussprüfungen? Elternverband erhebt Forderungen

Eltern wollen weniger Unsicherheit für die Schüler - 19.01.2021 17:08 Uhr

Der bayerische Kultusminister Michael Piazolo sieht sich mit zahlreichen Forderungen von Eltern konfrontiert.

07.01.2021 © Sven Hoppe, dpa


Seit beinahe einem Jahr findet der Schulunterricht in Deutschland nur noch unter Pandemiebedingungen statt. Je länger Distanz- und Wechselunterricht mit allen verbundenen Schwierigkeiten anhalten, desto mehr kritische Forderungen werden an die Bildungspolitiker gerichtet. Nun hat sich auch der Bayerische Elternverband (BEV) zu Wort gemeldet. In einem Offenen Brief verlangt er, die üblichen Regeln für Noten und Übertritte den Umständen anzupassen.

Insbesondere kritisieren die Elternvertreter, dass angesichts unterschiedlicher technischer Ausstattung von Schulen und Haushalten und besonderen familiären und sozialen Bedingungen nicht alle Schülerinnen und Schüler die gleichen Bildungschancen haben. "Unter solchen Unterschieden erhobene Leistungsnachweise und Noten sind in keiner Weise vergleichbar", schreiben sie im Offenen Brief. Auch die Vielzahl der vorgenommenen Anpassungen durch das Ministerium hätten an diesem Grundproblem nichts geändert.

Vorrücken nicht nach Noten

Um Chancengleichheit herzustellen, sollten daher nach Ansicht des Elternverbandes für alle Schulübergänge, Klassenübertritte und Abschlüsse, bei denen Noten entscheidend sind, andere Verfahren angewandt werden. So fordert der BEV, dass die Schulnoten nicht mehr als Kriterium für Vorrücken und Übertritt herangezogen werden sollten. Stattdessen solle in einem individuellen Gespräch zwischen Lehrkraft und Eltern die grundsätzliche Eignung des Kindes besprochen werden.


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Weiterhin verlangt der Verband einen Fehlversuch für alle Abschlussprüfungen und ein "neutrales" Schuljahr. Wenn ein Schüler eine Klassenstufe wiederholt, solle dieses Jahr nicht auf die Gesamtdauer der Ausbildung oder Höchstdauer der Schulzeit angerechnet werden.

Dies kann sich auch die Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands, Simone Fleischmann, vorstellen, um wieder Ruhe ins System zu bringen. "Wir geben einfach allen Kindern ein Jahr", schlug sie in "17:30 SAT.1 Bayern" vor. "Und diejenigen, die schon weitergehen können jetzt, die können weitergehen, derjenige, der sagt, ich brauche das Jahr, dem schenken wir dieses Jahr."

Kritik auch von Lehrern

Der BLLV hatte schon zuvor die späten und oft schwer umsetzbaren Vorgaben aus München und die mangelnde technische Ausstattung an Schulen kritisiert. Diese erschwerten es zusätzlich, Distanzunterricht abzuhalten.

Zuletzt treten die Eltern dafür ein, dass nach Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts erst nach einer Übergangsfrist von zwei Wochen wieder Leistungserhebungen durchgeführt werden. Es solle nicht mehr als zwei Prüfungen pro Woche geben, und die eigentlich vorgeschriebene Zahl von Leistungsnachweisen solle zum Richtwert herabgestuft werden.

Abschlussprüfungen verschoben

Auf diese Weise glaubt der Bayerische Elternverband, die bestehende Unsicherheit bei Eltern, Schülern, und Lehrern reduzieren zu können. Statt Druck und Eile fordern sie, dass für den Rest des Schuljahres Motivation und gründlicher Unterricht im Vordergrund stehen sollten.

Als erste Maßnahme hat das Kultusministerium bereits die Termine für alle Schulabschlussprüfungen um zwei, teilweise sogar drei, Wochen nach hinten verschoben. Dies soll zu faireren Chancen für die Schüler beitragen,

jvo, dpa

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