Bei Maybrit Illner

Lauterbach warnt vor vierter Welle: "Werden nicht zur Normalität zurückkehren"

25.6.2021, 12:07 Uhr
Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (Archivbild)

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (Archivbild) © Michael Kappeler, dpa

60.000 Zuschauer sollen beim Finale der EM in London am 11. Juli dabei sein - und das, obwohl die Inzidenz in Großbritannien, wo derzeit die Delta-Variante des Coronavirus massiv auf dem Vormarsch ist, bereits jetzt schon wieder bei 115 liegt. "Kickt Delta mit?", fragt daher Polit-Talkerin Maybrit Illner ihre Gäste in ihrer ZDF-Show am Donnerstagabend.

Der Austragungsmodus der EM in vielen verschiedenen Ländern Europas sei ein Unding - ebenso wie das Finale vor derart viel Publikum, meint dazu ZDF-Sportstudio-Moderator Jochen Breyer, und präzisiert: "Da hat die Uefa England wohl erpresst. (...) Die Gesundheit steht nicht im Vordergrund, sondern die Interessen der Geldgeber." Auch Karl Lauterbach hält das Finale für unverantwortlich, da viele Menschen in Großbritannien erst einmal geimpft sind, was gegen die zuerst in Indien aufgetretene Delta-Variante des Coronavirus kaum hilft.

Beim Blick in die nähere Zukunft zeigt sich der SPD-Gesundheitsexperte zwiegespalten: Zwar hat sich gezeigt, dass die Saisonalität tatsächlich eine große Rolle bei der Entwicklung der Pandemie spielt - während der warmen Jahreszeit verlangsamt sich also die Verbreitung des Virus deutlicher als zunächst angenommen. Doch nach dem Sommer kommt der Herbst - und der macht Lauterbach große Sorgen.

Er ist überzeugt, dass es eine vierte Welle in Deutschland geben wird und sagt voraus: "Wir werden nicht zur Normalität zurückkehren", denn andernfalls würde es "unsere Kinder erwischen". Schließlich zeigen Untersuchungen aus Großbritannien, dass sich Kinder im Vergleich zu Erwachsenen überdurchschnittlich oft mit der Delta-Variante des Virus infizieren.

Noch ist Delta zwar in Deutschland kaum vertreten, jedoch werde sie im Herbst für 80 bis 90 Prozent aller neuen Fälle verantwortlich sein, glaubt Lauterbach. Dann würde ein einziges Kind im Klassenraum ausreichen, um zehn andere Mitschüler anzustecken. Die Konsequenz ist für Lauterbach daher klar: "Wir müssen uns überlegen, ob wir den Kindern ein Impfangebot machen."

Auch dem Aerosol-Forscher Gerhard Scheuch, der der Ansicht ist, die Wissenschaft wisse nicht, ob und wie sehr Kinder ansteckend seien, widerspricht Lauterbach vehement: "Kinder können Superspreader sein. Was Sie sagen, ist nicht richtig!"