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Neue Coronavariante - wie gefährlich ist die Mutation?

Großbritannien meldete die Mutation - 21.12.2020 16:14 Uhr

Aufgrund einer Mutation des Corona-Viruses in Großbritannien wurden sämtliche Verkehrswege von Großbritannien aus untersagt.

21.12.2020 © Sem van der Wal, afp


Großbritannien meldet eine neue Virusvariante, die sich anscheinend rascher ausbreitet als das bekannte Coronavirus. Sie ist auch in anderen Ländern schon aufgetreten. Viele Experten gehen derzeit jedoch nicht davon aus, dass die Mutationen hochgefährlich sind.

MUTATIONEN: Viren vermehren sich in Zellen sehr schnell, dabei kann es zu Veränderungen im Erbgut und folglich in den Proteinen kommen, die auf Grundlage der Erbinformation gebildet werden. Mutationen sind bei Viren nicht ungewöhnlich. Manchmal verleihen sie den Erregern neue Eigenschaften, etwa sich nicht nur im Tier, sondern auch im Menschen vermehren zu können. Die neue Virusvariante B.1.1.7 hat gleich mehrere Mutationen, unter anderem im Spike-Protein, das dem Virus ermöglicht, in menschliche Zellen einzudringen. Mutationen sind nicht immer zum Vorteil der Viren.


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ÜBERTRAGBARKEIT: Die kürzlich entdeckte Variante sei um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form, hatte der Premierminister von Großbritannien, Boris Johnson, gesagt. Auch die Europäische Gesundheitsbehörde ECDC nennt diesen Wert aufgrund britischer Daten.

Der Berliner Virologe Christian Drosten von der Charité sieht diesen Wert dagegen noch nicht als sicher an: Die Frage sei, ob überhaupt die neue Virus-Variante an sich an der Ausbreitung Schuld sei, "oder ist das so, dass einfach lokal (...) Übertragungsmechanismen zum Tragen gekommen sind, die auch jedes andere Virus hochgespült hätten", sagte Drosten am Montag im Deutschlandfunk.

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SCHWERE DER KRANKHEIT: "Derzeit gibt es keine Hinweise auf eine erhöhte Infektionsschwere im Zusammenhang mit der neuen Variante", heißt es in einer ECDC- Mitteilung. Das hatte auch Boris Johnson betont.

IMPFSTOFF-WIRKSAMKEIT: Der Virologe Drosten sieht bisher keine Auswirkungen der neuen Virusvariante auf die Impfstoffwirkung: "Wir haben eine Riesenmischung von Antikörpern als Reaktion auf den Impfstoff und das wären hier nur ein oder ganz wenige Antikörper, die das betreffen würde", sagte Drosten. Zudem hätten die T-Zellen des Abwehrsystems, die ebenfalls durch Impfen induziert würden, ganz andere Erkennungsstellen. Die funktionierten genauso gut wie vorher. Auch nach Angaben von Boris Johnson gibt es keine Hinweise, dass der Impfstoff gegen die Mutation weniger effektiv sei.

DEUTSCHLAND UND ANDERE LÄNDER: In Deutschland war die neue Variante bis Montagmittag nicht registriert worden. Das kann aber auch an der Laborsituation liegen. Der Virologe Drosten geht davon aus, dass die Virusvariante Deutschland bereits erreicht hat. "Ich denke, dass das schon in Deutschland ist", sagte er dem Deutschlandfunk. "Dieses Virus ist ja jetzt gar nicht so neu."

Das Virus komme seit Ende September in England vor und sei im Oktober noch überhaupt nicht im Fokus gewesen, sagte Drosten. "Ich bin alles andere als beunruhigt." Fälle mit der bereits seit Wochen umlaufenden neuen Variante sind laut ECDC auch in mehreren Staaten außerhalb Großbritanniens etwa in Dänemark und den Niederlanden gemeldet worden.

"In Deutschland sind die Bemühungen bei den Sars-CoV-2-Sequenzierungen in meinen Augen nicht ausreichend", kritisierte Jörg Timm, Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Düsseldorf. "Großbritannien hat vorgemacht, wie man entsprechende Strukturen aufbauen kann."

Zwischen den Corona-Mutationen in England und Südafrika gibt es sehr wahrscheinlich keine direkte Verbindung. Die Europäische Gesundheitsbehörde ECDC teilte mit, die Variante in Südafrika habe "keine enge evolutionäre Beziehung" zu jener in Großbritannien. Sie zeige aber, dass die Entstehung erfolgreicher Varianten mit ähnlichen Eigenschaften womöglich nicht selten sei.


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Ist die Lage beängstigend?

"Ich bin darüber nicht so sehr besorgt im Moment", sagte Drosten. Ich bin allerdings auch - genau wie jeder andere - in einer etwas unklaren Informationslage." Die öffentlich bekannten Dokumente seien noch lückenhaft, das würden britische Wissenschaftler genauso sehen. "Die sagen auch, sie müssen zumindest mal noch bis diese Woche warten, bis ein paar vorläufige Datenanalysen abgeschlossen sind, um überhaupt zu sagen, dass der Verdacht, den sie da äußern stimmt."

dpa

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