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Freitag, 19.04.2019

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Nürnberger Muslime fordern Polizeischutz für Moschee

Immer wieder erhält Islamische Gemeinde in Nürnberg Drohungen - 18.03.2019 11:48 Uhr

Die Islamische Gemeinde Nürnberg fordert Polizeischutz für ihre Moschee. (Im Bild zu sehen ist die Ditib-Moschee in der Kurfürstenstraße) © Roland Fengler


NZ: Herr Eljojo, was waren Ihre ersten Gedanken, als sie von dem Terroranschlag erfahren haben?

Mostafa Eljojo: Zunächst war in den Medien nur die Rede von einem Anschlag; später las ich, dass die neuseeländische Ministerpräsidentin diesen barbarischen Akt auf Gläubige, die beim Gebet waren, offiziell als Terrorakt bezeichnet hat. Das Erschütterndste daran sind nicht nur die bisher 49 Opfer, deren Angehörigen das tiefste Mitgefühl unserer Gemeinde gilt. Es ist die Tatsache, dass der Täter die Tat gefilmt und live im Internet übertragen hat. Ich habe mir dieses schreckliche Video selbst angesehen. Das war ein präzise geplanter, zutiefst rassistischer Terroranschlag eines Täters aus dem rechtsradikalen Milieu, ein Hassverbrechen.

NZ: Haben Sie nun Angst um die Gemeinde in Nürnberg?

Eljojo: Ich hoffe sehr, dass es in Deutschland niemals ein solches Verbrechen geben wird. Aber Anschläge auf Moscheen gab es auch hierzulande immer wieder. Zum Glück noch nicht in Nürnberg. Aber wir bekommen immer wieder Drohungen. Das hat damit zu tun, dass von rechtsradikalen Parteien und Menschen in den vergangenen sechs Jahren in ganz Europa, ja weltweit gezielt Stimmung gegen Muslime gemacht wird, wir werden unter Generalverdacht gestellt. Dieser Terrorakt hat einmal mehr gezeigt, wozu rassistisches Denken, wozu diese Hetze, die immer mit Worten beginnt, führen können.

Mostafa Eljojo, Vorsitzender der Islamischen Gemeinde Nürnberg, ist bestürzt. © Foto: Ralf Rödel


NZ: Was wünschen Sie sich von der Gesellschaft - auch hier in Nürnberg?

Eljojo: Muslime brauchen Sicherheit. Wir wollen in Deutschland und auf der ganzen Welt in Frieden leben. Für unsere Moschee in Nürnberg wünschen wir uns Polizeischutz. Zumindest beim Freitagsgebet sollte immer eine Streife mit zwei, drei Polizisten vor der Tür stehen. Denn auch wir Muslime sind Menschen, wir haben Rechte, wir bezahlen Steuern. Wir sind Teil der Nürnberger Stadtgesellschaft. Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass wir weiter in Ruhe zur Moschee gehen und in Frieden beten können. Wir dürfen Verrückten keine Chance geben, unsere Gesellschaft weiter zu spalten. Alle sind aufgefordert, Parteien, die zu Rassismus anstacheln, nicht zu unterstützen und dem Hass etwas entgegenzusetzen. Nachbarn in der Hessestraße haben uns ihr Beileid ausgesprochen - ein starkes Zeichen.

NZ: Wie hat Ihr Imam beim Freitagsgebet reagiert?

Eljojo: Das Thema der Predigt war angesichts der internationalen Woche gegen Rassismus der zunehmende Rassismus. Aus aktuellem Anlass hat der Imam erneut jeden Terror aufs Schärfste verurteilt, egal von wem und gegen wen. Unsere Trauer sei umso größer weil dieses Attentat in einem Haus verübt wurde, das als Plattform für interkulturellen Austausch dienen und eine Quelle für Frieden im Herzen sein soll. 

Fragen: Stephanie Rupp

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