VroniPlag-Gründer Heidingsfelder: "Es ist wie eine Sucht"

10.9.2011, 20:36 Uhr
Aus der Anoymität aufgetaucht: Plagiatoren-Jäger Martin Heidingsfelder bei seinem Auftritt im Nürnberger Presseclub.

© Roland Fengler Aus der Anoymität aufgetaucht: Plagiatoren-Jäger Martin Heidingsfelder bei seinem Auftritt im Nürnberger Presseclub.

Ex-Verteidigungsminister zu Guttenberg, Stoiber-Tochter Veronika Saß und FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin sind nur drei Personen des öffentlichen Lebens, die eingestehen mussten, bei ihren Doktorarbeiten massiv abgeschrieben zu haben. Doch die Arbeit der beiden Wikis GuttenPlag und VroniPlag ist nicht unumstritten: Seit der Enttarnung des SPD-Mitglieds Heidingsfelder wird den Plattformen vorgeworfen, lediglich aus parteipolitischem Kalkül zu handeln und hauptsächlich Politiker aus dem gegnerischen Lager ins Visier zu nehmen.

Und auch hinter den Kulissen der Wikis knirschte es teilweise gewaltig - wegen diverser Alleingänge Heidingsfelders, die letztlich sogar zu seiner Degradierung beim von ihm gegründeten VroniPlag führten. Die Hoffnung allerdings, im Nürnberger Presseclub ein wenig mehr zu den Vorgängen bei Gutten- und VroniPlag zu erfahren, erfüllte sich nur teilweise.

Scherze mit den Fotografen

Heidingsfelder präsentierte sich lässig mit Jeans und Sakko, lächelte viel, scherzte mit den Fotografen. Vom Einzelgänger mit enormem Hang zur Selbstdarstellung, als den ihn manche seiner Mitstreiter bezeichneten, war nichts zu sehen. Auf den ersten Blick zumindest.

Denn auch wenn sich Heidingsfelder betont bescheiden gab und stets die Bedeutung des "Schwarms" bei Gutten- und VroniPlag betonte, so drehte sich der gesamte Abend weniger um die Geschehnisse hinter den Kulissen der beiden Plattformen. Vielmehr machte ein von Heidingsfelder erstellter Powerpoint-Vortrag über die bisherigen Wegpunkte seines Lebens gleich zu Beginn klar, was das eigentliche Thema sein würde.

Der 46-Jährige brachte seine Vergangenheit als Footballspieler bei den Ansbach Grizzlies (inklusive Foto) ebenso ins Spiel, wie seine Kampagne gegen Angela Merkel ("Angela? Nein danke") aus dem Jahr 2005. Auch eine Liste aktueller Presseberichte über VroniPlag und ihn selbst präsentierte er: Versehen mit meist schlechten Schulnoten - abhängig von ihrem "Wert" für VroniPlag, und von seiner Eigendarstellung.

Prüfung gegen Honorar

Heidingsfelders Degradierung bei VroniPlag geriet dabei eher zur Randnotiz - wie auch die Frage, was ihn bei der Jagd nach den Plagiatoren eigentlich antreibt. Er sei kein Streber, betonte er, dafür habe er selbst in der Schule zu oft abgeschrieben. Die Suche nach plagiierten Passagen in wissenschaftlichen Arbeiten mache ihm einfach Spaß: "Es ist wie eine Sucht". Eine Sucht, die bei bestimmten Gelegenheiten allerdings durchaus einträglich ist, denn Heidingsfelder prüft - wie er freimütig erzählte  - auch unabhängig von VroniPlag wissenschaftliche Arbeiten. Allerdings nicht im Namen der wissenschaftlichen Reinheit, sondern gegen Bezahlung.

Die vom teils sehr kritischen Publikum eingebrachten ethischen Bedenken brachten den 46-Jährigen nicht aus der Fassung. Er sei ein "sozialdemokratischer grüner Pirat", agiere also nicht im Namen oder Auftrag einer bestimmten Partei und sei darüber hinaus ohnehin nur ein kleiner Fisch im Schwarm. Auch wenn Heidingsfelder, offensichtlicher Anhänger von Anglizismen, das eher "downsizen" nennen würde. Darüber hinaus besitze ein sehr aktives Mitglied von VroniPlag sogar ein Parteibuch der FDP.

Auch zu einem Alleingang wie im Fall des des FDP-Politikers Jorgo Chatzimarkakis, dem VroniPlag einen großen Anteil von Plagiaten in seiner Doktorarbeit nachweisen konnte, würde er sich heute nicht mehr hinreißen lassen, signalisierte er. Als "Fehler" bezeichnete er es, dass er Chatzimarkakis entgegen des Beschlusses der VroniPlag-Gemeinschaft vorzeitig gegenüber den Medien outete. Ob das an seinem Rauswurf aus dem obersten Führungszirkel bei VroniPlag oder an der Erkenntnis lag, einen nicht unerheblichen Vertrauensbruch an der Wiki-Gemeinschaft begangen zu haben, das blieb allerdings offen.

So hinterließ der Abend den Eindruck, viele Fragen beantwortet zu haben, die gar nicht gestellt wurden, während die wirklich interessanten Fragen weiterhin unbeantwortet blieben.

Eine neue kam sogar dazu: Welche Note wird dieser Artikel wohl erhalten?

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