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Digitaler Impfpass: Wie funktioniert er - und welche Vorteile bringt er?

Gültigkeit, Sicherheit und Kosten des geplanten Impfpasses - 14.05.2021 11:46 Uhr

Bis Ende Juni soll er kommen: der digitale Impfausweis. Er soll uns in die Lage versetzen, einen vollständigen Impfschutz mittels Smartphone-App nachzuweisen. Die digitale Bescheinigung soll sich schnell und bequem verwenden lassen und dabei fälschungssicher sein - anders als das gelbe Impfheft. Außerdem sollen hier auch negative Testergebnisse gespeichert werden können.

Wann kommt der digitale Impfpass?

Wann genau der digitale Impfpass in Deutschland eingeführt wird, ist noch nicht klar. Das Bundesgesundheitsministerium geht derzeit davon aus, dass er bis zum Ende des zweiten Quartals bereitgestellt werden kann.

In Thüringen begann bereits in dieser Woche ein Pilotprojekt für einen elektronischen Impfnachweis. Seit Mittwoch erhalten vorerst nur diejenigen, die in Impfzentren geimpft worden sind, ein elektronisches Zertifikat per Mail, berichtet der mdr. Wer beim Hausarzt geimpft wurde, muss noch warten.

Wie funktioniert der digitale Impfpass?

Der digitale Impfnachweis wird in der Arztpraxis oder im Impfzentrum erstellt. Der oder die Geimpfte erhält ihn als Barcode, der direkt mit dem Smartphone abgescannt werden kann. Die Impfbescheinigung wird dann lokal im Smartphone eingespeichert. Der dafür benutzte Barcode ist nur einmalig einlesbar, der Impfnachweis ist anschließend also an dieses Smartphone gebunden. Zusätzlich benötigt man die App "Covid-Pass", um den den digitalen Impfpass später zu steuern. Diese App wird derzeit programmiert und wird dem Vernehmen nach auch auf älteren Smartphones laufen.

Auch in der Corona-Warn-App soll der Nachweis hinterlegt werden können. Alternativ kann man einen Papierausdruck mitbekommen und später einscannen.

Wenn man später seine Impfung oder auch einen aktuellen negativen Corona-Test vorweisen will, generiert man über die App einen Prüfnachweis. Dieser Nachweis enthält nur die Information, ob der Status "grün" oder "rot" ist, dazu den Namen und gegebenenfalls das Geburtsdatum. Der Dienstleister, der den Impfstatus überprüfen möchte, hat hierfür eine Prüf-App und scannt damit den Prüfnachweis. Zusätzlich muss man gegebenenfalls seinen Ausweis vorlegen.

Was, wenn ich kein Smartphone habe?

Digitale Impfnachweise von Kindern oder Partnerinnen und Partnern können zusammen auf einem Smartphone gespeichert werden. Wenn in der Familie also eine andere Person ein Smartphone besitzt, kann sie den digitalen Impfpass für beide Familienmitglieder speichern.

Außerdem kann der Impfprüfnachweis als Barcode in Papierform dargestellt werden. Ebenso bleibt laut Gesundheitsministerium ein Nachweis auch künftig mit dem analogen Impfpass möglich - die digitale Version sei eine freiwillige Ergänzung.

Wer stellt den digitalen Impfpass aus - und wer kann ihn erhalten?

Die digitalen Impfbescheinigungen sollen in den Impfzentren und Arztpraxen ausgestellt werden. Derzeit sucht die Bundesregierung noch nach einem Verfahren, wie bereits vollständig Geimpfte ihre Bescheinigung nachträglich erhalten können.

Jeder, der Anspruch auf eine Impfung besitzt, kann sich künftig einen digitalen Impfausweis ausstellen lassen, teilt das Bundesgesundheitsministerium mit. Die Erleichterungen für vollständig Geimpfte erhält man am 15. Tag nach der letzten nötigen Impfung. Wie viele Impfungen je nach Impfstoff und Erkrankungsgeschichte nötig sind, lesen Sie hier.

Wie werden Fälschungen verhindert?

Der digitale Impfnachweis wird von entsprechend autorisierten Personen in Impfzentren, Arztpraxen und Krankenhäusern ausgestellt. Damit ein Zertifikat nicht vervielfältigt wird, ist der digitale Impfnachweis an ein Smartphone gebunden. Zusätzlich können die Nutzer dazu aufgefordert werden, ihren Ausweis vorzuzeigen.

Außerdem ist der digitale Impfnachweis kryptographisch vor Veränderungen geschützt, teilt das Bundesgesundheitsministerium mit.

Bekomme ich ein Zertifikat auch, wenn ich bereits Corona hatte?

Wer seine Erkrankung durch einen positiven PCR-Test nachweisen kann, erhält in Deutschland die gleichen Erleichterungen wie ein vollständig Geimpfter - allerdings erst 28 Tage nach dem Testtermin und nur bis der Test sechs Monate alt ist.

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Anschließend soll man sich einmalig impfen lassen, um einen vollständigen Corona-Schutz aufzubauen. Dann erhält man auch seinen digitalen Impfpass. Am 15. Tag nach der Einmalimpfung gelten dann wieder die gleichen Erleichterungen wie als Genesener.

Wer entwickelt den digitalen Impfpass?

Der digitale Impfpass entsteht in Deutschland unter der Führung des amerikanischen Technologiekonzerns IBM. Beteiligt sind auch das Kölner Start-up Ubirch, der schwäbische IT-Dienstleister Bechtle und Govdigital, ein genossenschaftlicher Zusammenschluss von zehn IT-Dienstleistern der öffentlichen Hand.


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Ähnlich wie bei der offiziellen Corona-Warn-App des Bundes soll die Entwicklung des Systems als Open-Source-Projekt programmiert und transparent gemacht werden. Der Impfnachweis soll dann entweder in der Corona-Warn-App oder einer separaten Anwendung hinterlegt werden, die von der IBM programmiert wird.

Entgegen den ursprünglich diskutierten Konzepten soll bei der Lösung nicht auf die Verschlüsselungstechnik von so genannten Blockchains gesetzt werden, sondern auf traditionelle Verschlüsselungstechnik.

Bei den iPhones wird das Betriebssystem iOS 12 oder ein neueres vorausgesetzt, so dass alle Apple-Smartphones ab dem iPhone 5s kompatibel sind. Bei den Android-Smartphones läuft die Anwendung ab Version 6 ("Marshmellow"), die im Herbst 2015 auf den Markt kam.

Gilt der digitale Impfpass dann EU-weit?

Der deutsche Impfpass soll kompatibel mit dem Covid-Zertifikat sein, an dem im Moment auf EU-Ebene gearbeitet wird. Das Dokument soll Impfungen, Ergebnisse zugelassener Tests und Informationen zu überstandenen Infektionen festhalten und EU-weit anerkannt werden. Vor allem Urlaubsländer wie Griechenland oder Spanien, deren Wirtschaft stark vom Tourismus abhängt, hatten sich dafür eingesetzt.


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Welche Vorteile - etwa Quarantäne-Befreiung - die EU-Staaten gewähren, ist noch nicht klar, zudem sollen die Länder dies selbst entscheiden können. Die jeweiligen Länder sollen zudem festlegen können, ob sie auch Impfungen mit Präparaten anerkennen, die nur in bestimmten Ländern, aber nicht in der gesamten EU zugelassen sind - beispielsweise das russische Sputnik V.

Die Einführung des sogenannten "Grünen Zertifikats" ist für Ende Juni geplant. Die Regeln sollen zunächst für zwölf Monate gelten.

Kostet der Impfpass etwas?

Das Zertifikat soll kostenfrei ausgestellt werden.


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dpa, sima

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