Weihnachtszeit

Der böse Gegenspieler des Nikolaus: Wer ist Knecht Ruprecht?

Simone Madre
Simone Madre

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11.11.2022, 08:07 Uhr
Zusammen mit Sankt Nikolaus besucht Knecht Ruprecht die Familie und die Kinder.

© IMAGO/H.Tschanz-Hofmann Zusammen mit Sankt Nikolaus besucht Knecht Ruprecht die Familie und die Kinder.

Der Nikolaus und Knecht Ruprecht gehörten früher zusammen wie Kaffee und Kuchen oder Kino und Popcorn. Die dunkle und böse Gestalt soll der Gehilfe des heiligen Nikolaus sein. Nikolaus wiederum soll in Deutschland am Vorabend des 6. Dezembers mit seinem Gehilfen um die Häuser ziehen und Kinder besuchen. Während sich die Kinder auf den Mann mit dem weißen Bart, der roten Mütze und den Geschenken freuen, fürchteten sich Kinder früher vor der dunklen Kapuzengestalt mit Rute.

Wer ist Knecht Ruprecht?

Traditionell gilt Knecht Ruprecht als Begleiter des barmherzigen Nikolaus und stellt den bösen Gegenspieler dar. Aber was macht Knecht Ruprecht und wie sieht Knecht Ruprecht aus?

Knecht Ruprecht hat die Aufgabe, die unartigen Kinder zu bestrafen und nicht zu beschenken. Somit ermahnt er die Kinder zusätzlich zu den Eltern zu Frömmigkeit und Fleiß. Den Legenden zufolge hat er dabei eine Rute im Gepäck, mit der er bei einem Fehlverhalten der Kinder Schläge verteilt. Knecht Ruprecht verfolgt demnach das Ziel, die Kinder einzuschüchtern und so den Eltern bei der Erziehung zu helfen. Heute hat sich das Bild von Knecht Ruprecht glücklicherweise gewandelt und Kinder müssen sich nicht mehr vor der finsteren Gestalt fürchten. Meist kommt der Nikolaus alleine - oder Knecht Ruprecht ermahnt, trägt aber auch den Sack mit den Süßigkeiten.

Herkunft und Bedeutung

Knecht Ruprecht mit seiner Rute soll das Böse in der Welt verkörpern. Ursprünglich war Knecht Ruprecht nur Menschen in Thüringen und dem Alpenvorland bekannt, bis sich der Bekanntheitsgrad im Mittelalter weiter ausbreitete. Bis heute sind die Herkunft und Bedeutung allerdings nicht eindeutig geklärt.

Der Name "Knecht Ruprecht" soll angeblich vom "Knecht der Frau Perchta" abgeleitet sein. Frau Perchta war in der Mythologie germanischer und slawischer Volksstämme eine Richterin. Diese entschied über Menschen, ob sie faul oder fleißig waren, sich an religiöse Regeln zum Zusammenleben hielten oder dagegen verstießen. Knecht Ruprecht galt möglicherweise als ein Diener von Frau Perchta, der in den Wintermonaten losgeschickt wurde, um die unartigen und faulen Menschen zu bestrafen.

Eine andere Theorie besagt, dass Knecht Ruprecht ein Überrest aus der vergangenen heidnisch-germanischen Zeit ist und mit seiner düsteren Verkleidung böse Geister vertreiben wollte.

Knecht Ruprecht: Gedichte

Rund um den Gegenspieler vom Nikolaus gibt es diverse Gedichte. Das bekannteste Gedicht ist von Theodor Storm.

Knecht Ruprecht - Gedicht von Theodor Storm

Von draußen, vom Walde komm ich her;
ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Überall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein blitzen,
und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor.
Und wie ich strolch’ durch des finstern Tann,
da rief’s mich mit heller Stimme an:
"Knecht Ruprecht", rief es, "alter Gesell’,
heb deine Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan,
Alt und Jung sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn,
und morgen flieg ich hinab zur Erden;
denn es soll wieder Weihnachten werden!"
Ich sprach: "Oh lieber Herre Christ,
meine Reise fast zu Ende ist;
ich soll nur noch in diese Stadt,
wo’s eitel gute Kinder hat.
"Hast denn das Säcklein auch bei dir?"
Ich sprach: "Das Säcklein, das ist hier;
denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
essen fromme Kinder gern."
"Hast denn die Rute auch bei dir?"
Ich sprach: "Die Rute, die ist hier;
doch für die Kinder nur, die schlechten,
die trifft sie auf den Teil den rechten!"
Christkindlein sprach: "So ist es recht;
so geh mit Gott, mein treuer Knecht!"
Von draußen, vom Walde komm ich her;
ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich’s hier innen find!
sind’s gute Kind, sind’s böse Kind?

Knecht Ruprecht – Martin Boelitz

Draußen weht es bitterkalt,
Wer kommt da durch den Winterwald?
Stipp-stapp, stipp-stapp und huckepack,
Knecht Ruprecht ist’s mit seinem Sack.

Was steckt denn in dem Sacke drin?
Äpfel, Mandel und Rosin
Und schöne Zuckerrosen,
Auch Pfeffernüss' fürs gute Kind,
Die andern, die nicht artig sind,
die klopft er auf die Hosen.

Knecht Ruprecht in Nöten – Paula Dehmel

Knecht Ruprecht kratzt sich seinen Bart
Und rückt zurecht die Brille:
Ihr Engelskinder, lärmt nicht so,
seid mal ein bisschen stille!
Kommt, rückt hübsch artig zu mir ran,
seht euch mal das Bestellbuch an!

Was steht hier auf dem ersten Blatt?
was auf dem zweiten, dritten?
was steht am Ende von dem Buch?
was steht hier in der Mitten?
Ach Weihnachtsmann, wir bitten sehr,
schick uns doch mal das Luftschiff her!

Hans möchte nach Amerika,
und Fritz zu Tante Lotte,
Kurt durch die Luft zu Großpapa,
Marie zum lieben Gotte;
Georg will bloß nach Neuruppin
Mit Zeppelin, mit Zeppelin.

Ach Zeppelin, du Zaubermann,
's ist aus der Haut zu fahren,
das ganz liebe kleine Pack
will bloß noch Luftschiff fahren;
dein Fahrzeug ist ja viel zu klein,
da gehn nicht alle Kinder 'rein.

Ihr Engelskinder, helft mir doch
in meinen Weihnachtsnöten,
baut mir ein Luftschiff riesengroß
mit hunderttausend Böten,
lasst lustig die Propeller gehn,
da sollt ihr mal die Freude sehn!

Hurra, schreit da die Engelschar,
wir helfen alle, alle.
Nach dreien Tagen, blitzeblank,
stehts Luftschiff in der Halle.
Dankeschön, sagt Ruprecht, fährt hinab,
holt alle Jungs und Mädels ab
zur Flugfahrt durch die Welten.
Ob sie sich nicht erkälten?

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