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Was ist ein Dé­jà-vu und wie kommt es dazu?

Simone Madre

SEO-Redakteurin

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13.1.2023, 08:52 Uhr
Denzel Washington im bekannten Film "DEJA VU" (2006). Doch was heißt eigentlich Deja-vu?

© Touchstone Pictures/Courtesy Everett Collection via www.imago-images.de Denzel Washington im bekannten Film "DEJA VU" (2006). Doch was heißt eigentlich Deja-vu?

In diesem Artikel:

"Genau das habe ich schon mal erlebt!", "An diesem Ort war ich doch schon einmal?" oder "Ich wusste, dass du das sagst!". Dé­jà-vus können spontan auftreten und kommen häufiger im erschöpften Zustand und bei Krankheiten vor. Aber auch durch Träume entstehen immer wieder Dé­jà-vu-Erlebnisse. Nach einem Dé­jà-vu sind Menschen oftmals verwirrt und irritiert. Hier erfahren Sie endlich, was hinter dem Phänomen steckt.

Als Dé­jà-vu wird eine Erinnerungstäuschung bezeichnet. Bei diesem Phänomen glaubt ein Mensch, ein gegenwärtig stattfindendes Ereignis in der Vergangenheit schon einmal erlebt zu haben.

Was bedeutet Dé­jà-vu auf Deutsch?

Der Begriff "Dé­jà-vu" stammt aus dem Französischen und wird übersetzt mit "schon mal gesehen". Im Französischen wird das Phänomen in verschiedene Formen unterteilt:

  • Dé­jà-entendu beziehungsweise Dé­jà-écouté ("schon gehört")
  • Dé­jà-vécu ("schon erlebt")
  • Dé­jà-rêvé ("schon geträumt" oder "schon vorgestellt")
  • Déjà-senti ("schon gefühlt")
  • Déjà-visité ("schon besucht")
  • Déjà-èprouvé ("schon durchgemacht")

Weitere Begriffe für Dé­jà-vus sind "Erinnerungstäuschung", "Bekanntheitstäuschung", "Erinnerungsillusion", "identifizierende Erinnerungsfälschung" oder "Fausse reconnaissance" (französisch für "falsches Wiedererkennen").

Umgangssprachlich sagt man manchmal, "Ich glaube, ich habe gerade ein Dé­jà-vu", wenn man beispielsweise einem Freund am gleichen Tag zweimal über den Weg läuft. Dabei handelt es sich allerdings nicht um ein tatsächliches Dé­jà-vu.

Diese Merkmale müssen auftreten, um von einem Dé­jà-vu sprechen zu können:

  1. Momentaufnahme: Das Dé­jà-vu umfasst nur einen kleinen Moment. Man kann sich nicht daran erinnern, was vor und nach der (vermeintlichen) Erinnerung passiert ist.
  2. Ungewissheit: Betroffene können nicht exakt benennen, woran sie das Dé­jà-vu erinnert. Das Gefühl ist stark, aber der Kontext - wie beispielsweise der Ort oder die Zeit - fehlt.
  3. Zweifel: Trotz der Vertrautheit der Situation zweifelt man kurz daran, dass diese real ist.
  4. Flüchtigkeit: Das vertraute Gefühl ist in nur wenigen Sekunden verflogen.

Das Gegenteil von Dé­jà-vu ist das sogenannte "Jamais-vu". Dies kommt ebenfalls aus der französischen Sprache und bedeutet übersetzt "noch nie da gewesen" oder "noch nie gesehen". Damit bezeichnet man das seltsame Gefühl, sich an einem Ort völlig fremd zu fühlen, obwohl man diesen eigentlich kennt. Genauso kann sich eine vertraute Person oder Situation auf einmal fremd und neu anfühlen.

Beispiel: Jemand möchte seinem Freund den Weg zur Schule erklären, den er jeden Tag geht. Auf einmal kann er sich nicht daran erinnern, wie die Straße heißt, in die er immer abbiegt.

Das Phänomen wird von ähnlichen Emotionen (Irritation oder Überraschung) wie bei einem Dé­jà-vu begleitet. Bei gesunden Menschen kann das Phänomen plötzlich oder bei Erschöpfung auftreten.

Achtung: Wenn "Jamais-vu" gehäuft auftreten, ohne dass sie auf Ursachen wie Schlafmangel, Erschöpfung oder Drogenkonsum zurückzuführen sind, sollte ein Arzt konsultiert werden. Erinnerungslücken können ein frühes Warnzeichen für neurologische oder psychologische Erkrankungen sein.

Bis heute sind sich Wissenschaftler nicht einig darüber, wie Dé­jà-vus eigentlich entstehen. Die Studienlage ist relativ dünn. Der Psychoanalytiker Sigmund Freud ging davon aus, dass verborgene Wünsche der Auslöser für Dé­jà-vus sind. Die moderne Forschung zeigt jedoch, dass vor allem Stress, Schlafmangel oder Substanzen wie Alkohol und Drogen zu Dé­jà-vu-Erfahrungen führen können.

Darüber hinaus gibt es einige Ansätze, die versuchen, das Phänomen zu erklären:

  1. Vergessene Erinnerung: Dé­jà-vu-Erlebnisse zeichnen sich dadurch aus, dass sich Betroffene sicher sind, dass sie den Moment schon einmal erlebt haben (auch wenn sie weder Kontext noch Zeitpunkt kennen). Das spricht dafür, dass sie das Ereignis wirklich schon einmal erlebt, aber einfach nur vergessen haben.
  2. Falsche Assoziation: Andere Erklärungsansätze sind der Auffassung, dass sich Menschen bei einem Dé­jà-vu nur an ein kleines Fragment der Situation erinnern, das beim ersten Mal nicht vollständig erfasst wurde. Demnach können Bruchstücke aus der Vergangenheit mit der Vergangenheit falsch verknüpft und infolgedessen als Wiederholung interpretiert werden.
  3. Neurologische Prozesse: Wiederum andere Ansätze gehen davon aus, dass das Gefühl eines Dé­jà-vus von einem neurochemischen Vorgang im Gehirn ausgelöst wird. Diese "Fehlschaltung" führt dazu, dass aktuelle Sinneseindrücke mit einer alten Erinnerung verknüpft werden. Somit erkennen Betroffene die Erinnerung als etwas wieder, was sie vermeintlich schon erlebt haben.
  4. Spirituelle Vorahnung: Spirituell oder esoterisch veranlagte Menschen denken, dass das Dé­jà-vu ein "Zeichen" sei. Einige Menschen führen ihre Dé­jà-vu-Erlebnisse auf Übersinnliches zurück. Dies können beispielsweise Erfahrungen aus einem früheren Leben sein, die hin und wieder auftreten. Ein Dé­jà-vu kann aber auch eine spirituelle Vorahnung, ähnlich wie eine Traumdeutung, sein.
  5. Wunschvorstellung: Dé­jà-vu-Erfahrungen können auch als Wahrnehmungsfehler erklärt werden. Oftmals suchen sich Menschen bestimmte Informationen, die zu ihren Erwartungen passen. Damit können sie ihre eigene Meinung bestätigen. Demnach kann ein Dé­jà-vu auch eine Wunschvorstellung sein.
  6. Sicherheit: Dé­jà-vu-Erfahrungen können Menschen auch das Gefühl von Sicherheit vermitteln: Wenn sich tiefgreifende Veränderungen im Leben ankündigen, fallen einige Menschen trotzdem in bestimmte alte Muster zurück. Ein Dé­jà-vu-Erlebnis stellt demnach einen Schutzmechanismus dar, der das eigene Handeln bestätigt.

Dé­jà-vu-Erlebnisse sind faszinierend, gerade weil sie nicht erklärt werden können. Daher haben sie es auch längst in Hollywood-Filme und beliebte Popsongs geschafft.

Beliebte Filme sind:

  • "Dé­jà-vu". Der Action-Thriller "Dé­jà-vu" handelt von einer Zeitmaschine, mit der man vier Tage und sechs Stunden in die Vergangenheit sehen kann – obwohl sich die Perspektive ändern lässt und das Geschehene aufgezeichnet wird, kann in der Zeit weder vor- noch zurückgespult werden. Mit der Zeitmaschine wollen die Protagonisten einen terroristischen Anschlag vereiteln.
  • "Und täglich grüßt das Murmeltier". Im Film "Und täglich grüßt das Murmeltier" erlebt der Zuschauer mit der Hauptfigur ein sehr reales Dé­jà-vu. Der zynische Wettermoderator muss erst sein Verhalten und seine Einstellung ändern, um die gleichen Erlebnisse nicht mehr in Zeitschleife erleben zu müssen.
  • "The Infinite Man": Der Film handelt von einem Mann und seinen Versuchen, das perfekte romantische Wochenende zu gestalten. Jedoch führt sein Perfektionismus dazu, dass seine Freundin in eine Zeitschleife gerät.
  • "Repeaters": Der kanadische Film spielt sich in einer Rehabilitationseinrichtung für Suchtkranke ab und zeigt eine eher düstere Seite des Dé­jà-vus. Die drei Protagonisten müssen sich bei jedem entschuldigen, denen sie mit ihrem Verhalten Schmerzen zugefügt haben. Dieser emotional belastende Tag beginnt immer wieder von neuem.
  • "Triangle – Die Angst kommt in Wellen": Der Horrorfilm "Triangle" beschreibt eine gruselige Form des Dé­jà-vus. Einige Freunde kentern mit ihrer Yacht, können sich aber auf ein verlassenes Kreuzfahrtschiff retten. Die Protagonistin hat ein ungutes Gefühl. Schon bald sterben die ersten Freunde und sie erlebt die Ankunft von sich und ihren Freunden immer wieder. Mit der Zeit sieht sie immer mehr Versionen ihrer Selbst. In einer Szene steigt sie sogar über die Leichen all ihrer Vorgängerinnen.
  • "Timecrimes". Der spanische Film "Timecrimes" hat eine komplexe Handlung. Ein Mann stößt auf ein gerade verübtes Verbrechen und nutzt eine Zeitmaschine, um wenige Stunden in die Vergangenheit zu reisen. Somit sind nun zwei Versionen des Protagonisten unterwegs. Der Film lässt den Zuschauer lange rätseln, bis die Zusammenhänge zwischen den Zeitebenen aufgelöst werden.
  • "Edge of Tomorrow”. Der beeindruckende Film "Edge of Tomorrow" mit Tom Cruise handelt von einem Soldaten, der in einer Zeitschleife gefangen ist, die er immer nur dann beenden kann, wenn er stirbt. Daher lautet der Alternativtitel des Films auch "Live. Die. Repeat."

    Bekannte Songs mit dem Titel "Dé­jà-vu" gibt es unter anderem von:

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