Preise ab 35.200 Euro

Renault Mégane E-Tech Electric: Alles über den neuen Kompakt-Stromer

Ulla Ellmer

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7.3.2022, 13:16 Uhr

© Hersteller

Wenn von Pionierleistung in Sachen Elektromobilität die Rede ist, dann fällt stets ein Name: Tesla. Vergessen wird dabei, dass bereits vor zehn Jahren ein europäischer Hersteller seine elektrischen Visionen in einem Serienfahrzeug umgesetzt hat. Fluence Z.E. hieß die stromernde Stufenhecklimousine von Renault, die allerdings schon 2014 wieder ausgemustert wurde. Die Kunden waren noch nicht bereit, damals.

Bis heute ein Erfolg ist hingegen Renaults elektrischer Kleinwagen Zoe. Und dank der Mitwirkung des elektrischen Twingo und des Quads Twizy kann Renault auf die Expertise von 400.000 verkauften E-Autos und einen europaweiten E-Marktanteil von respektablen 8,2 Prozent verweisen.

Nur der Anfang

Inzwischen gilt es aber, sich mit einem immer breiter aufgestellten Wettbewerbsfeld auseinanderzusetzen. Dazu musste eine ganz neue Elektro-Architektur her. Die entsprechende Plattform heißt CMF-EV und soll in den kommenden Jahren ein umfangreiches Sortiment an Stromern tragen, die dann auch das Label des Allianz-Partners Nissan tragen.

Nur der Name eint

Erster Vertreter ist der Renault Mègane E-Tech Electric, der im Mai/Juni dieses Jahres zum Händler fährt. Mègane – Moment mal, den kennen wir doch? Stimmt. Mit dem seit Herbst 1995 in verschiedenen Generationen verkauften Kompakten hat das neue und unter Strom gesetzte Modell aber nur den Namen gemeinsam. Keine bloße E-Adaption fährt da im Frühsommer vor, sondern ein völlig anderes Auto.

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Der Tendenz zum SUV wollten die Franzosen beim elektrischen Mégane nicht folgen, wenn überhaupt, dann haftet der 4,20 Meter langen, 1,77 breiten und 1,50 Meter hohen Karosserie nur eine leichte Idee von Crossover an. Am ehesten trifft das muskulöse Outfit das, was man im angelsächsischen Sprachgebrauch einen sportlichen „Hatch“ nennt. Kurz die Überhänge, knackig das Heck, prägnant die geschlossene Front, an der schmale LED-Scheinwerfer einen prominenten Renault-Rhombus in die Mitte nehmen. Ähnlich schnittig sieht im Segment nur der Cupra Born aus.

Google an Bord

Die vorderen Türgriffe trägt der elektrische Mégane strömungsgünstig versenkt, die hinteren verbergen sich in den C-Säulen. Wir steigen ein und treffen auf ein sehr wertiges Interieur mit stilsicher getroffener Materialauswahl, vor allem aber auf das spektakulär großflächige Duo zweier Bildschirme, die Renault zu einem „liegenden L“ zusammengefügt hat. Hinter dem Android-basierten Infotainment steckt Google mit seinen erprobten Diensten wie Maps oder Assistant, via Sprachbefehl „Hey Google“ lässt sich beispielsweise die Temperatur einstellen oder das Navi programmieren. Das funktioniert ähnlich perfekt wie bei Volvo, wo man sich ebenfalls des Google-Ökosystems bedient.

Auch das Ergebnis der Sitzprobe fällt gut aus für den Mégane Electric, vor allem die bemerkenswerte Kniefreiheit im Fond registrieren wir als Positivum, nicht ganz so gut ist es um den Abstand zum Dachhimmel bestellt. Beim Blick nach hinten sehen wir allerdings erst mal – nichts. Oder zumindest kaum etwas. Denn das Heckfenster hat Renault zu einer ultraschmalen Guckleiste geschrumpft. Das Bewusstsein um deren Defizite hat zu zweierlei geführt: Erstens einer serienmäßigen Rückfahrkamera. Und zweitens dem Angebot eines digitalen Rückspiegels (1500 Euro), an den man sich aber erst gewöhnen muss und mit dem speziell die Träger von Gleitsichtbrillen nicht besonders gut zurechtkommen. Ein Head-up-Display gibt es übrigens nicht.

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Anders als viele andere Elektroautos setzt der Mégane auf Frontantrieb und einen vorne verbauten Motor. Deshalb gibt es unter der Fronthaube auch keinen „Frunk“, wie das E-Auto-Vokabular das zusätzliche Staufach nennt. Ein Schaden ist das nicht, denn mit 440 bis 1339 Litern ist das eigentliche Gepäckabteil umfassend dimensioniert, ein Extrafach unterm Ladeboden nimmt die Ladekabel auf. Allerdings fällt die Ladekante verhältnismäßig hoch aus.

Zwei Leistungsstufen, zwei Akkugrößen

Renault bietet den Mégane E-Tech Electric in zwei Leistungsstufen an. Das Basismodell bietet 96 kW/130 PS und lässt sich entweder mit dem kleineren 40-kWh- oder dem größeren 60-kWh-Akku kombinieren. Erstere Zusammenstellung ermöglicht bis zu 300 Kilometer Reichweite, letztere maximal 470 Kilometer. Die stärkere Variante mit 160 kW/218 PS kooperiert ausschließlich mit dem 60-kWh-Akku, 450 Kilometer Strecke sind möglich.

Aufpassen sollte man bei der Bestellung, was das Lademanagement betrifft. Das Basismodell EV40 130 standard charge kann nämlich nur Wechselstrom „tanken“, dies lediglich einphasig und mit bis zu 7 kW. Weil „einphasig“ im deutschen Stromnetz bestenfalls 4,6 kW bedeutet, nimmt die Vollladung an der Wallbox somit 10 Stunden und 40 Minuten in Anspruch. Das Update auf „boost charge“ erweitert die Möglichkeiten auf Dreiphasigkeit und bis zu 22 kW, die Ladezeit lässt sich so auf 2 Stunden und 10 Minuten verkürzen. Gleichzeitig ist die wichtige Kompetenz zum Schnellladen von Gleichstrom gegeben, allerdings nur bis zu 85 kW. Die Lösung „optimum charge“ (Serie im 218-PS-Topmodell) setzt das auf bis zu 130 kW herauf.

Vierstufig rekuperieren

Wer sich schon mit Elektroautos beschäftigt hat, wird die angebotenen Akkugrößen als verhältnismäßig klein einordnen können. Der VW ID.3 beispielsweise lässt die Wahl zwischen 58 und 77 kWh. Renault argumentiert mit Nachhaltigkeit und Gewichtsersparnis, der ungewöhnlich flach bauende Akku wiegt nur 395 Kilogramm, mit 1642 Kilogramm kann der Mégane Electric nach E-Auto-Maßstäben als Leichtgewicht durchgehen. Effizienzsteigernd wirken eine Wärmepumpe, die allerdings 1100 Euro Aufpreis kostet, sowie die vierstufige Rekuperation, anzusteuern über Schaltpaddles am Lenkrad.

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Eine erste Ausfahrt absolvierten wir mit dem 218 PS starken Topmodell. Dass der Mégane Electric auf der Straße Freude bereitet, liegt zum einen an der ansatzlos einsetzenden Beschleunigung; in 7,4 Sekunden ist der Sprint von 0 auf 100 km/h erledigt, bei 160 km/h regelt die Elektronik ab. Zum anderen befördert die direkte Lenkung die Agilität ebenso wie das sauber abgestimmte Fahrwerk, bei dem Renault gut die Balance aus absorbtionsfähigem Komfort und kurvenfester Stabilität hinbekommen hat. Zu den teilautomatisierten Kompetenzen gehört, dass der Mégane Electric Tempolimits automatisch beachtet, den Abstand zum Vordermann ebenso hält wie die Spur und Kurven oder Kreisverkehre mit vorausschauend angepasster Geschwindigkeit ansteuert.

Preislich startet der Mégane E-Tech Electric bei 35.200 Euro. Mit empfehlenswerter „boost charge“-Option kommt er auf mindestens 37.100 Euro. Und die starke 218-PS-Variante ist ab 41.700 Euro erhältlich. Abzugsfähig ist in allen Fällen der Umweltbonus in Höhe von 9570 Euro brutto.

Dem konventionellen Mégane mit Verbrennermotor bläst der E-Tech Electric übrigens nicht das Lebenslicht aus. Noch nicht – vorerst darf er bis 2024 im Programm bleiben.

Renault Mégane E-Tech Electric:

Wann er kommt: Ist bereits bestellbar, ab Mai/Juni beim Händler

Wen er ins Visier nimmt: VW ID.3 und ID.4, Skoda Enyaq, Cupra Born

Was ihn antreibt: Elektromotor mit 96 kW/130 PS oder 160 kW/218 PS. Akkugrößen 40 und 60 kWh.

Was er kostet: Ab 35.200 Euro

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