540 Kilometer Maximal-Reichweite

Elektrischer Cupra Born: Spanier aus Sachsen

7.10.2021, 21:43 Uhr
Auch der Born schmückt sich mit Details in Cupras Signaturfarbe Kupfer.

Auch der Born schmückt sich mit Details in Cupras Signaturfarbe Kupfer. © Hersteller

Cupra geht es bestens. Mit dem Markennamen, weiß Sprecherin Melanie Stöckl zu berichten, können inzwischen erstaunlich viele Mitmenschen etwas anfangen. Allein vom Crossover Formentor werden inzwischen mehr Exemplare verkauft, als Seat und Cupra zusammen vom kompakten Golf-Cousin Leon an den Mann respektive an die Frau bringen. Und Entwicklungsvorstand Werner Tietz erklärt mit zufriedener Miene, dass man „alle Planzahlen nach oben korrigieren“ müsse. Im kommenden Jahr soll der Umsatz sogar verdoppelt werden, auf dann 1,2 Milliarden Euro.

Geschehen soll dies mit freundlicher Unterstützung des Born. So heißt das erste vollelektrische Modell der Spanier, das aus der einstigen Studie El Born hervorgegangen ist und nach dem gleichnamigen barcelonischen Stadtteil benannt wurde. Born in Barcelona, schön hätte es geklungen, das Wortspiel. Aber es trifft die Sachlage nicht: Geboren wird der Stromer nämlich in Sachsen. Die Produktion erfolgt in Zwickau, dort, wo auch der deutsche Bruder VW ID.3 vom Band läuft.

Sportlicher Auftrag

Cupra – für die, unter denen es sich noch nicht herumgesprochen hat - firmiert als Seats Submarke mit dem sportlichen Auftrag. Dafür kann sie den Kunden auch etwas mehr Geld abverlangen. Und das ist wiederum der Grund, weshalb der Born nicht das Seat-, sondern das kupferfarbene Cupra-Logo am Leib trägt. Denn E-Mobilität hat noch immer ihren Preis, auch wenn der Born (ab 37.220 Euro) abzüglich der Subventionen auf 27.650 Euro kommt.

Reichweitenkönig ist mit 540 Kilometern die ab Anfang 2022 erhältliche E-Boost-Version mit 77-kWh-Akku.

Reichweitenkönig ist mit 540 Kilometern die ab Anfang 2022 erhältliche E-Boost-Version mit 77-kWh-Akku. © Hersteller

Gemäß des höheren Anspruchs konnten es sich die Spanier zudem erlauben, den 4,32 Meter langen Fünftürer als das optisch wohl coolste Mitglied jener Familie zu positionieren, die der Modulare Elektro-Baukasten (MEB) von Volkswagen hervorgebracht hat und zu der auch die verhältnismäßig braven VW ID.3/ID.4 sowie der vernünftig-solide Skoda Enyaq gehören. Scharfe Linienführung, Seitenschweller, Diffusor und Spoiler, dazu die durchgehende „Coast-to-Coast“-Beleuchtung am Heck, leichte Tieferlegung und optional 235 Millimeter breite Reifen auf 20-Zoll-Alurädern – all diese Zutaten sollen signalisieren, dass „Elektroautos auch sexy sein können“, wie Cupra findet.

Der Einsteiger kommt später

Analog zum ID.3 geht der Born seine Karriere mit Heckantrieb, in drei Leistungsstufen und mit drei Akkugrößen an. Den Marktstart im November absolviert er – zum vorgenannten Preis - mit 150 kW/204 PS Leistung, 310 Newtonmetern Drehmoment und 58 kWh Batteriekapazität, die WLTP-Reichweite beträgt 424 Kilometer. Anfang nächsten Jahres gesellt sich der eigentliche Einsteiger mit 110 kW/150 PS und 45 kWh (340 Kilometer) hinzu. Und es kommen zwei sogennnte E-Boost-Versionen hinzu, die per Druck auf den „Cupra“-Knopf am Lenkrad oder Kickdown zusätzliche 20 kW mobilisieren und es so auf 170 kW/231 PS bringen. Das Leistungs-Plus wirkt zwar nur eine halbe Minute lang, ist aber in bestimmten Situationen – etwa, wenn es beim Überholen mal extraschnell gehen soll – dennoch sinnvoll; der Sprint von 0 auf 100 km/h erfolgt dann in 6,6 Sekunden. Wie weit der Akku die beiden E-Booster bringt, hängt von der gewählten Kapazität ab, 420 Kilometer sind es bei 58 kWh, stattliche 540 Kilometer bei 77 kWh.

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Der "Cupra"-Knopf links am Lenkrad aktiviert den sportlichen Cupra-Modus, der rechte dient der Anwahl der übrigen Fahrprogramme. © Hersteller

Man habe „Respekt für die Umwelt“, sagt Juan Melenchon vom Designteam artig. Zum Öko-Gesamtpaket gehört auch, dass der Born CO2-neutral ausgeliefert wird, was unter anderem bedeutet, dass entlang der Lieferkette Energie aus erneuerbaren Quellen zum Einsatz gelangt, aber auch, dass die serienmäßigen und im Übrigen hervorragenden Sportschalensitze mit Seaqual bezogen sind, einem Material aus recyceltem Meeresplastik. Optional verarbeitet Cupra Dimamica, ein ebenfalls aus Recyclingmaterialien gewonnener Mikrofaserstoff. Leder ist zunehmend verpönt in der neuen Auto-Welt, auch der Born trägt es nur noch am Lenkrad. „Cupra ist eine junge Marke“, sagt Innenraumdesignerin Francesca Sangalli, „und junge Kunden haben einen anderen Zugang zum Auto, Leder ist für sie kein Code mehr für Sportlichkeit“.

Das Head-up-Display zaubert

Das Cockpit-Layout entspricht im Prinzip dem des ID.3, radikale Volldigitalisierung also, neben dem Fahrerdisplay vermittelt ein 12-Zoll-Touchscreen die Infotainment-Botschaften, die Fahrstufen der Eingang-Automatik werden – einschließlich der einzigen Rekuperationsstufe „B“ – über einen Dreh-Satelliten am Lenkrad angewählt, das optionale Head-up-Display zaubert per Augmented-Reality-Technologie dreidimensionale Richtungspfeile auf die Fahrbahn. Geerbt hat der Born leider auch die unerfreulichen Touch-Schieberegler für Temperatur- und Lautstärke.

Die serienmäßigen Sportschalensitze sind mit den Recyclingmaterialien Seaqual oder Dinamica bezogen, nie aber mit Leder.

Die serienmäßigen Sportschalensitze sind mit den Recyclingmaterialien Seaqual oder Dinamica bezogen, nie aber mit Leder. © Hersteller

Immerhin aber ist es Cupra erfolgreich gelungen, im Gegensatz zur vielkritisierten Plastik-Ödnis des ID.3 ein hochwertigeres Ambiente mit sportlichem Touch zu schaffen. Und auch beim Fahrverhalten setzt sich der maximal 160 km/h schnelle Born ab. Das Sportfahrwerk nähert sich dem Asphalt an der Vorderachse um 15, hinten um 10 Millimeter mehr an, außerdem unterstützen eine adaptive Fahrwerksregelung sowie die Progressivlenkung. Unter Mitwirkung des niedrigen Schwerpunkts, der gleichmäßigen ausbalancierten 50:50-Gewichtsverteilung und dem gar nicht synthetischen Lenk-Feeling sind knackig-sportliche Aktivitäten möglich, auch der Federungskomfort hat uns überzeugt.

Sieben Minuten für 100 Kilometer

Wechselstrom (AC) aus der Wallbox holt sich der Born mit bis zu 11 kW, die auf der Langstrecke gefragte Disziplin des Schnellladens (DC) beherrscht er modellabhängig mit maximal 110, 120 oder 170 kW. Im Idealfall, sagt Cupra, reichen dann sieben Minuten, um Energie für 100 Kilometer Strecke nachzufassen.

Die Sprachassistenz meldet sich auf den Zuruf „Hola Hola“ zum Dienst. Und bevor es zur Produktion nach Zwickau ging, sind Entwurf und Entwicklung des neuen Stromers im katalanischen Stammwerk Martorell erfolgt. So ganz verkehrt ist die Sache mit „Born in Barcelona“ also doch nicht.

Cupra Born in Kürze:

Wann er kommt: Marktstart im November

Wen er ins Visier nimmt: VW ID.3, Skoda Enyaq, Hyundai Ioniq 5, Kia EV6, Renault Mégane E-Tech

Was ihn antreibt: Elektromotor mit 150 kW/204 PS

Was er kostet: Ab 37.220 Euro

Was noch folgt: Anfang 2022 das Basismodell mit 110 kW/150 PS sowie E-Boost-Versionen mit 170 kW/231 PS

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