Elektrischer Crossover

Volvo C40 Recharge: Schwede unter Strom

Ulla Ellmer

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31.10.2021, 13:50 Uhr
Als Elektroauto kann es sich der Volvo C40 leisten, auf einen Kühlergrill zu verzichten.

Als Elektroauto kann es sich der Volvo C40 leisten, auf einen Kühlergrill zu verzichten. © Hersteller

Während von politischer Seite noch darüber diskutiert wird, wann dem Verbrennungsmotor das letzte Stündlein schlagen soll, schaffen viele Automobilhersteller bereits Fakten. So auch Volvo: Die Agenda der Schweden sieht vor, dass ab 2025 die Hälfte der Modellpalette rein elektrisch fährt, läuft alles nach Plan, übernimmt fünf Jahre später der E-Antrieb ganz.

Nach der strombetriebenen Version des Kompakt-SUVs XC40 stellt Volvo jetzt dessen coupéhaften Crossover-Ableger C40 Recharge vor, der gleichzeitig das erste ausschließlich elektrisch angebotene Modell im Portfolio markiert und enge Verwandtschaft zum Polestar 2 pflegt, wie der sportliche Bruder ist auch der C40 aus der CMA-Plattform konstruiert. Gemäß des Eigenanspruchs der Marke nimmt der neue einen Platz im Premium-Bereich ein, wo er es mit Konkurrenten wie Audi Q4 Sportback, Ford Mustang Mach-E oder Tesla Model Y zu tun bekommt. Die Positionierung im Oberhaus schlägt sich auch auf im Preis nieder: Die zum Marktstart angebotene „1st Edition“ kostet mindestens 62.050 Euro, inbegriffen ist neben umfangreicher Ausstattung auch ein Care-Paket, das dann Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung sowie Wartung und Verschleiß-Vorsehung inkludiert. Auch zwei Abo-Modelle gibt es, die Monatsgebühr beträgt ab 699 Euro.

Zwei Elektromotoren

Für den Antrieb zeichnen gleich zwei E-Motoren verantwortlich, einer an der Vorder-, der andere an der Hinterachse installiert, daraus ergibt sich Allradantrieb. Die Systemleistung beträgt 300 kW/408 PS, an Drehmoment produziert der C40 üppige 660 Newtonmeter. Günstigere Frontantriebsvarianten sollen folgen.

Die Dachschräge sieht gut aus, schränkt aber die Kopffreiheit im Fond und die Sicht nach hinten ein.

Die Dachschräge sieht gut aus, schränkt aber die Kopffreiheit im Fond und die Sicht nach hinten ein. © Hersteller

Einmal mehr stellen wir auf unserer ersten Ausfahrt fest, wie schön elektrisches Fahren ist: Mit kraftvollem Elan geht es in dem 2,2-Tonner voran, Überholvorgänge und Zwischensprints bereiten keine Sorge, ebenso leise wie entspannt cruisen wir durch die Stadt und übers Land, das Fahrwerk trägt uns gleichermaßen sicher wie komfortabel.

Den Standardsprint von 0 auf 100 km/h bewältigt der C40 in 4,7 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wiederum ist wie bei allen Volvos auf 180 km/h begrenzt, der sogenannte Care Key erlaubt es, die Spitze noch weiter herabzuregeln – beispielsweise dann, wenn der C40-Besitzer seinen Wagen einem Fahranfänger anvertraut.

444 Kilometer mit einer Akkuladung

Als Energiespeicher verbaut Volvo einen Akku mit 75 kWh Nettokapazität, nach WLTP-Norm sollen damit 444 Kilometer Reichweite drin sein, die Einschätzung des Bordcomputers blieb etwa 50 Kilometer unter diesem Wert. Der Normverbrauch wird mit 22,3 bis 20,7 kWh/100 km beziffert. Zum Zwecke der Rekuperation steht nur eine einzige Stufe bereit, sie ermöglicht „One Pedal Driving“, der E-Auto-Interessierte weiß inzwischen, was das ist – beim Lupfen des Fahrpedals ergibt sich eine Verzögerung, deren Stärke vor allem in der Stadt das aktive Bremsen nahezu obsolet macht. Leider lässt sich der entsprechende Modus nur umständlich über den großen, senkrecht installierten Touchscreen und da über ein Untermenü aktivieren. Das hat uns nicht überzeugt, ebensowenig wie der Verzicht auf ein Head-up-Display.

Als Info-Zentrale dient ein großer, hochkant installierter Touchscreen.

Als Info-Zentrale dient ein großer, hochkant installierter Touchscreen. © Hersteller

Dafür funktioniert das neue, Android-basierte Infotainment umso besser, es reagiert hellhörig auf den Zuruf „Hey Google“ und stellt die üblichen Anwendungen wie Google Maps oder Google Assistant bereit. Der C40 Kunde bekommt ein unbegrenztes Datenvolumen spendiert, das hat unter anderem den Vorteil, dass Software-Updates unkompliziert „over the air“ durchgeführt werden. Gleichzeitig ermöglicht das cloudbasierte Netzwerk einen Informationsaustausch mit anderen Fahrzeugen und vermittelt so Warnungen vor Gefahrenstellen wie Glatteis. Überhaupt fällt die Sicherheitsausstattung umfangreich aus. Das automatische Notbremssystem beispielsweise ist auch auf Fußgänger, Fahrrad- und Motorradfahrer gefasst, ein weiteres System erkennt, wenn die Mittellinie der Fahrbahn überfahren wird und lenkt den C40 bei Gegenverkehr zurück auf den rechten Weg.

Komplett lederfrei

Weil zur Öko-Denke vieler Elektroauto-Fahrer und -Fahrerinnen auch eine Abneigung gegen tierische Produkte gehört, hat Volvo das Interieur komplett lederfrei gestaltet. Die kleidsame Dachschräge knabbert etwas an der Kopffreiheit der rückwärtigen Passagiere, dafür packt der Kofferraum ein anständiges Maß weg, ergänzend zu den 413 bis 1205 Litern im Rücken gibt es einen 31-l-„Frunk“ unter der Fronthaube, der beispielsweise das Ladekabel aufnimmt.

An der 11-kW-Wallbox bedient sich der C40 dreiphasig und mit bis 11 kW, an der Gleichstrom-Schnellladestation lädt er mit bis zu 150 kW, binnen 37 Minuten soll der Akku von zehn auf 80 Prozent befüllt sein.

Zunächst ließ Volvo wissen, dass der C40 ausschließlich online bestellt werden könne. Neuen Entwicklungen zufolge sollen Kauf oder Leasing aber auch direkt beim Händler möglich sein.

Volvo C40 Recharge in Kürze:

Wann er kommt: Im November 2021

Wen er ins Visier nimmt: Audi Q4 Sportback, Tesla Model Y, Ford Mustang Mach-E etc.

Was ihn antreibt: Zwei Elektromotoren mit jeweils 150 kW/204, Systemleistung 300 kW/408 PS. Batteriekapazität 75 kWh netto

Was er kostet: 1st Edition ab 62.050 Euro

Was noch folgt: Weniger leistungsstarke Versionen mit Frontantrieb

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