E-Autos, neue Getriebe

Automatik wird Standard: Darum sind die Tage der Handschaltung gezählt

19.10.2022, 14:55 Uhr
Jahrzehntelang Standard war der Schalthebel rechts vom Fahrersitz. Auch mit dem Einzug der Elektroautos wird er künftig kaum noch gebraucht.
 

© BMW AG/dpa Jahrzehntelang Standard war der Schalthebel rechts vom Fahrersitz. Auch mit dem Einzug der Elektroautos wird er künftig kaum noch gebraucht.  

Per Hand schalten oder Automatik – fast ein Glaubenskrieg. Während viele das Spiel mit Gang und Kupplung je nach Routine für kompliziert oder zumindest unkomfortabel halten, ist es für die anderen der Inbegriff einer sportlichen Gangart. Manche Autohersteller setzen immer weniger auf rein manuelle Schaltgetriebe. Mercedes etwa hat angekündigt, ab 2023 ganz darauf zu verzichten.

Der Siegeszug der Doppelkupplungsgetriebe

Spätestens seit der Einführung der Doppelkupplungsgetriebe und deren Siegeszug bis zu den Kleinwagen ist das Handschaltgetriebe auf dem absteigenden Ast. Die E-Autos tragen ebenfalls dazu bei.

Ein Doppelkupplungsgetriebe ist vereinfacht ausgedrückt ein automatisiertes Schaltgetriebe, das die Gänge wahlweise ganz alleine und oder per Zug an einer Wippe oder einem Hebel sehr schnell wechseln kann. Es kommt ebenfalls ohne Kupplungspedal aus, weswegen es auch viele einfach als Automatik wahrnehmen.

Dass es überhaupt diesen Lagerkampf und beide Varianten gibt, liegt an den spezifischen Eigenschaften der Getriebe: Die Handschaltung gilt nicht nur als sportlichere, sondern auch sparsamere Lösung, die niedrigeren Verbrauch ermöglicht, während der Automatik per se mehr Komfort vor allem im dichten Verkehr aber auch eine geringere Effizienz unterstellt wird. "Doch diese pauschalen Urteile gelten längst nicht mehr, die Automatikgetriebe haben kräftig aufgeholt", so Peter Kerkrath von der Sachverständigen–Organisation KÜS.

Vor allem Doppelkupplungsgetriebe schalten schneller als jeder Rennfahrer. Nicht umsonst sind sie längst auch bei Sportwagen wie McLaren, Ferrari, Aston Martin oder Porsche erste Wahl.

Automatik verbraucht kaum noch mehr Sprit

"Der Verbrauchsnachteil ist ebenfalls immer weiter zurück gegangen", so der Experte. Die Zeiten, als beim Durchschnittsverbrauch eines Modells zwischen der Version mit Handschalter und Automatik gerne mal ein, zwei Liter lagen, seien jedenfalls längst passé.

"Deshalb blieb neben dem Marketingversprechen der vermeintlichen Sportlichkeit zuletzt nur noch das Kostenargument", so Kerkrath. In der Herstellung sind Schaltgetriebe allerdings weniger aufwändig und entsprechend billiger.

© Dani Heyne/Opel Automobile GmbH/dpa-tmn

Oft haben die Autobauer den Preisvorteil an die Kunden weitergegeben. Doch in Zeiten weiter sinkender Einbauraten lohnt sich die parallele Entwicklung zusehends weniger.

"Seitdem die Hersteller jede einzelne Modellvariante aufwändig testen und homologieren müssen, versuchen sie, die Vielfalt im Modellprogramm weiter zu reduzieren", erläutert Mercedes–Vertriebschefin Britta Seegers. Viele Ausstattungen werden in Paketen oder Lines gebündelt und manche Optionen wie die Handschaltung bleiben ganz auf der Strecke.

Auch andere mustern nach und nach aus

Auch Volkswagen will nach einem Bericht der Branchenzeitung Automobilwoche bis 2024 das Schaltgetriebe ausmustern. BMW zum Beispiel bietet in der neuen Generation eher rationaler Autos wie des 2erActive Tourer ebenfalls nur noch Automatikgetriebe an.

Die Hersteller sparen aber nicht nur Geld mit dieser Entscheidung, sondern auch Platz – und das wiederum kommt den Kunden zu gute. Große Schaltknüppel und Schaltgassen auf dem Mitteltunnel weichen oft einem griffigen Stummel. "Daneben passt dann ein weiterer Becherhalter, eine kabellose Ladeschale fürs Smartphone oder eine andere Ablage", erläutert ein Entwickler von Opel.

Schaltgetriebe oder Automatik – eine Zeit lang mag diese Frage die Autofahrer noch entzweien. Doch in absehbarer Zeit hat sich diese Entscheidung erübrigt. Denn wenn es bald nur noch elektrische Neuwagen gibt, kommen die in der Regel ganz ohne Schaltung aus. Dieser Trend hält übrigens auch bei Motorrädern Einzug, bei Rollern ist er schon längst etabliert.

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