Denkmalprämierung 2020: Das sind die Preisträger aus Neustadt an der Aisch und Bad Windsheim

18.3.2020, 15:27 Uhr
An der Schwarzenberger Straße in Scheinfeld liegt neben dem ehemaligen Landgericht in Scheinfeld ein neobarockes, zweigeschossiges Mansardwalmdachgebäude mit geohrten Fensterrahmungen und Gurt- und Traufgesims aus dem Jahr 1907. Obwohl dieses als ehemaliges Gefängnis bezeichnet wird, erweckt es nicht den Eindruck eines solchen Baus. Es gibt heute keine Räume mehr, die sich als Arrestzellen eignen würden. Lediglich ein abgemauerter Gefängnishof ist erhalten. Text: Philipp Eichenmüller
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Scheinfeld, Schwarzenberger Str. 28: ehem. Gefängnis

© Julia Krieger

Das Gebäude wird schon seit längerem für Wohnzwecke genutzt. Seit den 1980er Jahren hat man es mehrfach durch Ein- und Ausbauten verändert. Der Sohn der damaligen Besitzers und heutiger Eigentümer des Anwesens hat das  Haus nun durch umfangreiche Maßnahmen wieder in seiner Struktur bereinigt, saniert und modernisiert. 
So wurde die Fassade nach Befund wieder instandgesetzt, neue Holzfenster nach historischem Vorbild eingefügt sowie Natursteinbauteile wie Fenstergewände und Gesimse saniert. Auch die Dachdeckung wurde erneuert und die Fledermausgauben repariert, wobei hier neue, auch von der Seite her belichtete Dachgauben eingebaut wurden. Das Einfügen neuer Holztüren nach historischem Vorbild sowie die sorgfältige Instandsetzung der bemerkenswert intakten historischen Einfriedung runden die umfangreichen Maßnahmen im Außenbereich ab. Text: Philipp Eichenmüller
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Scheinfeld, Schwarzenberger Str. 28: ehem. Gefängnis

© Julia Krieger

Im Inneren gab es bis auf die bauzeitliche Treppe, die aufgearbeitet wurde, kaum noch historische Ausstattung. Daher wurde hier eine neue Treppe innerhalb der Wohnung eingesetzt und der Keller saniert. Die Räumlichkeiten wurden modernisiert und das Dachgeschoss unter Wahrung seines Bestandes ausgebaut, so dass hier ein neuer freundlich-heller Raum entstanden ist.
Durch besten Materialeinsatz – auch bei neuen Zutaten wie den Holzfenstern, Dachgauben und Holztüren – hat das Haus erheblich an Attraktivität gewonnen. Die umfangreichen Sanierungsmaßnahmen haben sowohl ein ortgeschichtlich wichtiges Zeugnis gesichert als auch für eine erhebliche Bereicherung des Straßenzugs gesorgt. Text: Philipp Eichenmüller
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Scheinfeld, Schwarzenberger Str. 28: ehem. Gefängnis

© Julia Krieger

Mit dem heutigen „Museum Markt Erlbach. Geschichte und Handwerk“ in der Hauptstraße hatten der Heimatverein des Ortes sowie die hinzugezogenen Architekten und Restauratoren ein besonderes Objekt grundlegend instand zu setzen. Bei dem stattlichen, giebelseitig etwas zurückgesetzt von der Straße stehenden Fachwerk-Satteldachbau handelt es sich nämlich um das älteste, auf dem Lande gelegene Pfarrhaus Süddeutschlands. Der zweigeschossige Bau mit schmuckem Fachwerkobergeschoss und -giebel mit Andreaskreuzen und K-Streben bildet dabei zusammen mit Kirche und Torhaus ein prägendes Ensemble am Eingang zum historischen Ort, der bereits seit 1314 Marktrecht besitzt. Text: Philipp Eichenmüller
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Markt Erlbach, Hauptstraße 2a: Museum Markt Erlbach. Geschichte und Handwerk

© Julia Krieger

Das ehemalige Pfarrhaus der Marktgemeinde stammt in seinem Kern noch aus dem 15. Jahrhundert und lässt sich mittels Dendrochronologie auf das Jahr 1443 beziehungsweise 1696 für einen späteren Umbau und Erneuerung datieren. Im Jahre 1910 fast abgerissen, wurde der Bau ab 1970/71 in die Hände des Heimatvereins übergeben, der es im Jahr 2000 schließlich erwerben konnte und hier über Jahrzehnte hinweg sehr engagiert zahlreiche Teilbereiche renovierte. 
Bei einer jüngeren Maßnahme wurden jedoch im Bereich des Dachstuhls gravierende Schäden festgestellt, die in Eigenleistung nicht mehr behoben werden konnten. Außerdem entsprach die brandschutztechnische Ausstattung nicht mehr den aktuellen Vorschriften. Man entschied sich daher diesmal zu einer grundlegenden Instandsetzung des gesamten Gebäudes, die auch eine Überarbeitung des Museumskonzeptes mit einschloss. 
Als besondere Herausforderung entpuppte sich bei den Voruntersuchungen der marode Dachstuhl, dessen Balkenlage aufgrund der zahlreichen Veränderungen in mehr als 500 Jahren zunächst etwas unübersichtlich erschien und bei dem man etliche stark verrottete Hölzer ersetzen musste. So konnten die Schäden an der Tragkonstruktion behoben werden, die bereits zum Absenken einiger Decken geführt hatten. 
Neben der Neudeckung des Daches mit gleichzeitiger Aufsparrendämmung wurde auch die gesamte bauliche Substanz einer Brandschutzertüchtigung unterzogen, jedoch stets unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Gesichtspunkte. 
Die hohe finanzielle Belastung konnte der Heimatverein naturgemäß nicht selbst stemmen. Dank der Bereitschaft der Marktgemeinde, die ungedeckten Kosten der Maßnahme zu übernehmen, konnten die Planungen überhaupt in Wirklichkeit umgesetzt werden. Wie in den Jahrzehnten zuvor, brachten die Vereinsmitglieder auch diesmal wieder enorme Eigenleistung, mehr als 5000 Stunden, in die Maßnahme ein, um ihr Museum wieder zu einem Schmuckstück der Marktgemeinde zu machen. Text: Philipp Eichenmüller
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Markt Erlbach, Hauptstraße 2a: Museum Markt Erlbach. Geschichte und Handwerk

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Eine bemerkenswerte juristische Regelung betrifft die evangelisch-lutherische Kirche St. Nikolaus in Krassolzheim, eine kleine Chorturmkirche aus dem 15. Jahrhundert. Die Gemeinde Sugenheim, zu der Krassolzheim gehört, ist verantwortlich für alle Kirchtürme auf Gebiet, die Langhäuser selbst jedoch liegen in der Baulast der Kirchengemeinden. Diese Regelung stammt vermutlich noch aus einer Zeit, als die Kirchturmuhr die wichtigste Zeitansage im Dorf war. Text: Philipp Eichenmüller
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Sugenheim-Krassolzheim, St. Nikolaus

© Julia Krieger

Da die letzten Sanierungsmaßnahmen des Turms mit seinem Fachwerkgeschoss von 1696 im Jahr 1949 stattfanden, war dieser zuletzt in keinem guten Zustand mehr. Die Statik war gefährdet, die Spitze aus dem Lot geraten und das Fachwerk angegriffen.
Nach einer Befunduntersuchung hat die politische Gemeinde eine fachgerechte Sanierung in Angriff genommen. Erst währenddessen zeigte sich, dass die Schäden in wesentlich größerem Ausmaß vorlagen und die Maßnahmen immer umfangreicher wurden.
So wurden zum Beispiel in der ersten Turmebene ein Sprengwerk eingesetzt, die Statik instandgesetzt, Balken und Fachwerk  erneuert. Zudem hat man über der Glockenstube das Sterngebälk großflächig erneuert, den Boden neu gebrettert sowie das Dach neu gedeckt. Auch Fensteröffnungen wurden neu erstellt. Zu weiteren Punkten der umfangreichen Turm-Sanierungsmaßnahme zählen die Instandsetzung der Holzkonstruktion der Turmgeschosse, die Vergoldung der Kirchturmkugel, Überarbeitung der Wetterfahne und des Uhrwerks, die Erneuerung der Schalläden und der Regenrinne sowie die Sanierung des Fachwerks. Text: Philipp Eichenmüller
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Sugenheim-Krassolzheim, St. Nikolaus

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Die Kirchengemeinde hat sich dieser Maßnahme angeschlossen und am Langhaus Maßnahmen durchgeführt. Sie hat das Schiff außen saniert, indem feuchter Außenputz entfernt wurde sowie Risse und Schäden an der Werksteinen behoben wurden. Außerdem hat sie Fenster und Türen neu streichen lassen, Reparaturen an der Statik des Gebälks vorgenommen sowie die Dachhaut stellenweise repariert.
Durch die gelungene und gute Zusammenarbeit von Gemeinde und Kirchengemeinde, die das Projekt auch durch Spendenaktionen unterstützt hat, kann St. Nikolaus nun wieder im neuen Glanz erstrahlen. Text: Philipp Eichenmüller
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Sugenheim-Krassolzheim, St. Nikolaus

© Julia Krieger

Was ein aufgeschlossener und engagierter Denkmaleigentümer nach Fachberatung und Begleitung durch die Denkmalbehörden erreichen kann, zeigt das Beispiel Hauptstraße 35 in Ickelheim.
An dominanter Stelle eines geschützten Gebäudeensembles stehend, zeigt sich der zweigeschossige Krüppelwalmdachbau mit Fachwerkobergeschoss, Eckquaderung und Hausteinrahmungen heute wieder als Schmuckstück des Ortes. 
Die einjährige Maßnahme an dem 1842 errichteten und inschriftlich datierten Gebäude umfasste neben der Fassadensanierung auch die Neueindeckung des Daches mit Biberschwanzziegeln. Dabei wurde auch der rückwärtige Stallanbau mit Veranda – beide neueren Datums – farblich dem Vorderhaus angeglichen und das Fachwerk im Stallbereich saniert. Auf restauratorische Farbbefunde konnte man nicht zurückgreifen. Man konnte aber auf historischen Aufnahmen Details ausmachen, die für die Sanierung herangezogen wurden. So zeigen die Photographien auf einer Postkarte etwa aus dem Jahr 1910 eine markante Eckbossierung, die im Erdgeschoss stark angegriffen noch vorhanden, im Obergeschoss mit seinem aufgeblendeten Fachwerk jedoch abgängig war. Im Rahmen der Sanierung wurde der noch erhaltene Teil im Erdgeschoss aufgearbeitet und im Obergeschoss entsprechend mit Putz neu aufgetragen, ebenso die Bänderung der Geschossgliederung. 
Ebenfalls nach historischer Vorlage wiederhergestellt wurde der straßenseitige Treppenaufgang, der neu aufgemauert und mit einer passenden Haustüre versehen wurde. Er ersetzt einen einfachen metallenen Aufgang jüngeren Datums. 
Des Weiteren entfernte man unpassende Rollladenkästen und brachte Fensterläden an, die historischen Vorbildern nachempfunden sind. 
Stimmige Details wie Außenleuchten und Kupferverblechungen runden das Bild einer gelungenen Sanierung ab, so dass das Anwesen Hauptstraße 35 nun den gesamten Straßenzug der Ickelheimer Haupstraße aufwertet. Text: Philipp Eichenmüller
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Bad Windsheim-Ickelheim, Hauptstraße 35

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