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"A Series of Life": Fotokünstlerin in der kunst galerie

Louisa Marie Summer zeigt aus dem Leben gegriffene Fotoarbeiten in Fürth - 11.03.2019 09:10 Uhr

Die Münchner Fotografin vor ihren Arbeiten bei der Ausstellungseröffnung am Königsplatz. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, dann warst du nicht nah genug dran. Robert Capa, der legendäre Fotoreporter, hat das gesagt. Louisa Marie Summers geht mit ihrer Kamera stets exakt so dicht an ihre Motive, dass es intim wird. Doch niemals überschreitet die junge Fotografin die unsichtbare Linie, die sie zum Eindringling machen würde. Die Menschen, die sie auf ihren Bildern zeigt, sind deshalb ganz bei sich. Sie nehmen – und das ist ein großer Wert – in den weitaus meisten Fällen keinen Kontakt auf mit der fremden Frau, die vor ihnen steht. Sie nehmen sie allenfalls wahr, bleiben aber ansonsten ungestört bei ihrem Tun.

Wahrscheinlich ist genau das der Grund, weshalb Summers Arbeiten so authentisch sind. Da ist zum Beispiel der Junge, der vor einem beleuchteten Globus selbstvergessen mit einer Action-Puppe spielt. Oder das Mädchen, das sich beim Warten auf die U-Bahn in sein Smartphone vertieft hat. Der Zuschnitt der Aufnahmen, das Licht, die Arrangements sind von auffallender Perfektion. Umso faszinierender bleibt die selbstverständliche Natürlichkeit, mit der die Dargestellten agieren.

Ohne Scheu

"Für mich ist das Spannende an der Fotografie, Sachen zu sehen und zu entdecken", sagt Louisa Marie Summer. "Situationen aus dem Leben" will sie ergreifen, dafür lädt sie sich, wenn nötig, auch schon mal selbst bei Leuten ein. Eine charmante Herangehensweise, die zum Beispiel prima funktionierte, als die 35-Jährige auf der norwegischen Insel Halsnøy als Artist in Residence zu Gast war. "Das war dort kein Problem, man kam so über den Zaun ins Gespräch und dann habe ich einfach gefragt, ob ich im Haus fotografieren darf." Eine Bitte, die kaum je abgelehnt wurde. Den norwegischen Werftbesitzer, den sie auf diese Weise porträtierte, erfüllte ihr Wunsch unübersehbar mit Stolz.

In Katar gestaltete sich die Kontaktaufnahme etwas schwieriger. In der kunst galerie zeigt Summer unter anderem auch eine Serie mit dem Titel "Behind the Veil", hinter dem Schleier. Es sind Porträts von Frauen, die schmale Einblicke in ihre Welt erlauben, die fremd erscheinen mag. Aus dem türkischen Ankara hat sie ebenfalls "Frauenbilder" mitgebracht, die von Vielfalt und Entwicklungen sprechen. Auch dies sind wieder Arbeiten, die einen ganz eigenen Raum zwischen dokumentarischer und künstlerischer Fotografie belegen.

Starke Emotionen

Elemente der kritischen Bildreportage wechseln sich in dieser Schau mit Landschaftsaufnahmen ab, die Stimmungen vermitteln und umgehend starke Emotionen auslösen.

Louisa Marie Summer, die aus München stammt, lebt nach Jahren in New York seit kurzem in Berlin. In ihrer Heimatstadt studierte sie Fotodesign und legte dann den Master of Fine Arts in Photography an der Rhode Island School of Design im amerikanischen Providence ab. "Ich habe früh die Spiegelreflexkamera meines Vaters für mich entdeckt und Fotografie schon für meine Facharbeit in der Schule eingesetzt", erinnert sie sich. Ihre Leidenschaft führte direkt in den Beruf und brachte ihr bis heute bereits zahlreiche Auszeichnungen ein.

Die Fotografien, die sie nun bis 21. April in Fürth zeigt, sind geprägt von einem Stil, der auf die denkbar beste Weise frei von Klischees ist. Statt erwartungsgemäßen Wunschbildern präsentiert Louisa Marie Summer vor allem sehr persönliche Seiten von Menschen, die nicht zuletzt geformt wurden von dem Ort, an dem sie leben. Für den Betrachter eröffnen sie die Chance, in ungezählte Geschichte einzutauchen und für einen Wimpernschlag mittendrin zu sein.

ZBis 21. 4. mittwochs bis samstags 13-18 Uhr, sonntags 11-17 Uhr, am 12. 3., 14 Uhr, Dialogführung für Menschen ab 55 Jahren; kostenlose 16-seitige Broschüre 

SABINE REMPE

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