An vielen Bahnhöfen mangelt es an Radstellplätzen

8.8.2019, 06:00 Uhr
An vielen Bahnhöfen mangelt es an Radstellplätzen

© Harald Sippel

Allmählich, so scheint es, wird das Fahrrad endlich als Verkehrsmittel ernst genommen. Wer den CO2-Ausstoß senken und den Autoverkehrskollaps in den Städten verhindern will, kommt um das Rad nicht herum. Aber, wohin mit dem Ding, wenn es in Massen auftritt? Zum Beispiel an den Bahnhöfen?

In Erlangen gehören die Hundertschaften kreuz und quer auf dem Bahnhofsvorplatz abgestellter Fahrräder seit ewigen Zeiten zum vertrauten Stadtbild. Als müsste der Ruf von der fränkischen Fahrradstadt allen Neuankömmlingen eindrucksvoll vor Augen geführt werden.

Kampf gegen Dauerparker

Dabei war das Abstellen der Fahrzeuge hier lange Zeit eigentlich komplett verboten; jetzt ist dies immer noch zumindest das Dauerparken von Rädern. Die Stadtverantwortlichen führten den Kampf gegen das Ignorieren dieser Verbote mit wechselnder Intensität. Wahrscheinlich, weil man gleichzeitig wusste, dass die Angebote, die man stellplatzsuchenden Radlern machte, nicht ausreichend und nicht attraktiv genug sind.

Ganz ähnlich ist das auch in kleineren Städten der Region. Egal, ob in Roth, Treuchtlingen, Neumarkt, Forchheim oder Bad Windsheim – ordentliche, überdachte Abstellplätze sind Mangelware oder befinden sich in finsteren Winkeln so weit weg vom Bahnhof, dass sie nicht gern benutzt werden. Auch weil es an diesen Orten oft genug zu Vandalismus oder Fahrraddiebstählen kommt. Stattdessen ketten Pendler ihre Räder dann mehr oder weniger wild an Zäune, Laternen oder Bäume. Und die eigentlich umweltfreundlichen Fahrzeuge werden im öffentlichen Raum plötzlich zum allgemeinen Ärgernis.

Um die Situation zu verbessern, haben das Bundesumweltministerium und die Deutsche Bahn Ende vergangenen Jahres gemeinsam ein Programm aufgelegt, das unter dem Motto "bike + ride" die Schaffung von 100.000 neuen Stellplätzen bis Ende 2022 in Aussicht stellte. Die erste Zwischenbilanz fällt ernüchternd aus. Bisher wurden aus vier Bundesländer gerade mal zehn Anträge für insgesamt 2700 Abstellplätze beim Ministerium eingereicht. An vielen anderen Orten verhandeln Kommunen noch mit der Bahn über geeignete Örtlichkeiten.

Womit eines der größten Probleme der Stellplatzbereitstellung an Bahnhöfen schon benannt wäre. "Der Raum ist überall knapp", sagt Achim Sing, Sprecher des Bayerischen Städtetags. Und für die Kommunen sei es meist kein Vergnügen, erst mal mühsam herausfinden zu müssen, wer bei der Bahn überhaupt ihr Ansprechpartner ist. "Da ist es meistens schon nicht ganz einfach zu klären, welcher der vielen Bahntöchter welche Grundstücke gehören." Wobei Sing betont: "Zuständig für die Bereitstellung geeigneter Fahrradabstellplätze ist eigentlich die Bahn selbst."

Ein Hinweis, für den Albrecht Steindorff vom Kreisverband Nürnberg und Umgebung des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) immer wieder dankbar ist. Denn bei der Bahn erinnere man sich an die eigene Zuständigkeit nicht sehr gern. "Wo in Sachen Fahrradstellplätze wirklich etwas passiert, ist das immer kommunalen Initiativen zu verdanken", sagt Steindorff. Das sei auch in Nürnberg nicht anders gewesen, wo vor dem Südausgang des Bahnhofs am Nelson-Mandela-Platz für 1,6 Millionen Euro (der Freistaat trägt die Hälfte) gerade die Errichtung eines Fahrradparkhauses mit rund 400 Plätzen begonnen hat.

Eine Zahl, die nach Überzeugung des ADFC nicht ausreicht. Der Bedarf liege in jedem Fall in vierstelliger Höhe. Albrecht Steindorff bedauert außerdem, dass das Parkhaus zwar Ladestationen für E-Bikes vorsieht, aber nicht im großen Stil als Fahrrad-Servicestation geplant und mit Reparaturbetrieben und ähnlichen Einrichtungen kombiniert ist.

Lernen kann man in dieser Hinsicht immer noch von Holland. In dem Fahrradland sind Parkhäuser mit Servicestationen weit verbreitet. Auch wenn man dort, wie Steindorff weiß, "mancherorts trotzdem an Kapazitätsgrenzen stößt".

Relativ gut gelöst ist das Fahrrad-Parkproblem laut ADFC aber auch in einigen deutschen Städten. In Bayern gilt Augsburg als einigermaßen vorbildlich. Und in Bamberg, das seit längerem einen höheren Fahrradanteil am Gesamtverkehrsaufkommen vorweisen kann als Erlangen, wurde bereits vor sieben Jahren Bayerns erstes Fahrradparkhaus eröffnet. Dummerweise aber auf der falschen, wenig angefahrenen Bahnhofseite.

Zwei Räder im Einsatz

Ausreichende Stellplatzangebote gibt es dennoch so gut wie nirgends. Was auch daran liegt, dass zahlreiche Pendler gleich mehrere Fahrräder im Einsatz haben. Mit einem fahren sie an ihrem Wohnort zum Bahnhof, mit dem anderen am Arbeitsort vom Bahnhof zur Berufsstelle.

Dass die Bereitstellung von sicheren und überdachten Stellplätzen für die Radfahrer nicht kostenfrei sein kann, akzeptiert man auch beim ADFC. Eine Jahresgebühr von 80 bis 100 Euro im Jahr hält Albrecht Steinhoff für tragbar. Der Traum der Radler-Lobby wäre es freilich, wenn die Parkhausgebühr mit ins Jahresticket der VGN eingepreist würde.

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