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Säuglingsfund in Wallenfels: Kripo geht von acht Toten aus

Obduktion kann Tage dauern - Bewohnerin noch nicht aufgetaucht - 13.11.2015 20:39 Uhr

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Grausiger Fund: Babyleichen in Wohnhaus entdeckt

Am Donnerstagnachmittag hat die Polizei im oberfränkischen Wallenfels im Landkreis Kronach in einem Einfamilienhaus die Überreste von acht Säuglingen gefunden. Die Mutter der Kinder hat ein Geständnis abgelegt.


Feststeht: Eine Anwohnerin aus Wallenfels hat am Donnerstagnachmittag, gegen 16 Uhr, in der Wohnung sterbliche Überreste eines Säuglings gefunden und sofort den Notruf gewählt. Die Beamten fanden dann nach ihrem Eintreffen in einem Zimmer weitere Säuglingsleichen, Kripo und Staatsanwaltschaft Coburg gingen zunächst von vermutlich sieben an der Zahl aus. Die Leichen wurden am späten Donnerstagabend abtransportiert.

Am Freitagnachmittag fanden Kriminalbeamte bei den weiteren Durchsuchungen der Wohnräume nochmals ein totes Neugeborenes. Wie auch bei den anderen sieben Säuglingen waren die sterblichen Überreste in Tücher und Plastiktüten gewickelt.

Ermittlungsgruppe "Schlossberg"

Die Ermittlungsgruppe "Schlossberg" der Kripo hat noch am Donnerstagnachmittag Unterstützung von Spezialisten der Spurensicherung und der Rechtsmedizin aus Erlangen bekommen. In der Nacht blieb es weitgehend ruhig in dem Ort, der Einsatz war offiziell in den Abendstunden beendet worden.

Eine am Freitag begonnene Obduktion sollte weitere Fakten liefern - das aber kann dauern: Die Leichen sind in einem derart schlechten Zustand, dass ein Ergebnis nicht vor Anfang nächster Woche zu erwarten ist. Oberstaatsanwalt Martin Dippold sagte, man wisse zum jetzigen Zeitpunkt nicht einmal, ob die Kinder nach der Geburt am Leben waren.

Die frühere Bewohnerin des Anwesens, eine 45-jährige Frau, konnte noch nicht erreicht und befragt werden. Ob sie als dringend tatverdächtig gilt, wollte eine Sprecherin zunächst nicht sagen. "Nach ihr wird zumindest gesucht als mögliche Mutter der Kinder." Die Polizei hielt sich zu den persönlichen Details der Frau zunächst bedeckt. Zuvor hatten mehrere Medien über das möglicherweise heikle familiäre Umfeld berichtet.

"Es sind noch sehr viele Personen zu befragen und es erfolgen auch weitere Durchsuchungsmaßnahmen", sagte eine Polizeisprecherin. Dabei soll vor allem das Anwesen selbst noch genauer unter die Lupe genommen werden. "Unter Umständen kommen auch noch andere Objekte dazu." Es werde jetzt alles, was möglich sei, so zeitnah wie möglich gemacht.

Betroffenheit in Wallenfels

In Wallenfels selbst herrschte am Freitag große Betroffenheit. Man traure um die Kinder, die nicht leben durften, sagte Bürgermeister Jens Korn (CSU). Ob es eine Trauerfeier oder einen Gottesdienst geben werde, sei noch offen. Man wolle sich hier mit den örtlichen Kirchengemeinden absprechen.

In den vergangenen Jahren sorgten Funde von Babyleichen in Deutschland immer wieder für Aufsehen. So machte nur einen Tag zuvor ein Mann in Landshut einen schrecklichen Fund: Er entdeckte im Kofferraum des Autos seiner Tochter eine Babyleiche in einem Plastiksack. Die Ermittler gehen davon aus, dass die 22-Jährige ihre Schwangerschaft verheimlicht und den Säugling nach der Geburt getötet hat.

Dieser Artikel wurde am 13. November um 20.38 Uhr aktualisiert.

 

 

psz/mst/dpa E-Mail

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