Prozess wegen Terrorverdachts

Brisanter Fund bei Terrorverdächtiger aus Leinburg: Patrone stammt aus Polizeibeständen

27.5.2021, 11:24 Uhr
Bei einem Aufmarschs der rechtsextremistischen Kleinpartei

Bei einem Aufmarschs der rechtsextremistischen Kleinpartei "Der III. Weg" in Bamberg im März 2020 war Susanne G. aus Leinburg als Ordnerin tätig. © Jonas Miller

Als ein Spezialeinsatzkommando (SEK) im März 2020 frühmorgens die Wohnung einer Heilpraktikerin in Leinburg stürmt, machen die Polizisten eine seltsame Entdeckung. Über dem Bett von Susanne G. hängt eine Hakenkreuzfahne, an der Wand lehnt ein Gemälde von Rudolf Heß. Neben der Tür finden sie griffbereit einen Schlagstock.

Bilder der Zimmer sind jetzt im Saal des Oberlandesgerichts München zu sehen, als sich die 55-jährige Susanne G. wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat, wegen mutmaßlicher geplanter Anschläge auf Kommunalpolitiker wie den Landrat des Nürnberger Landes und den Bürgermeister von Schnaittach und auf eine Moschee verantworten muss.

Neben einem Tomahawk, Messer, Pistolen und sogar einem Revolver findet das Einsatzkommando auch eine Patrone in der Wohnung, die aus Polizeibeständen stammen könnte. Es handelt sich, so sagt es ein Ermittler vor dem Richter, um eine „polizeitypische“ Pistolenpatrone, Kaliber 9 mal 19 Millimeter, die normalerweise von Spezialeinsatzkräften verwendet werde. Sie sei aber auch in geringen Mengen in zivilem Umlauf.


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Wie sie in die Wohnung gekommen sein könnte, weiß niemand. Auch ist bislang nicht bekannt, dass sie das SEK beim Einsatz verloren haben könnte. Fehlende Munition würde dort auffallen, heißt es. Die Patrone stammt aus dem Jahr 2001, diese Serienbestände werden aktuell offenbar nicht mehr verwendet.

Susanne G. (sitzend, Mitte) muss sich vor dem Oberlandesgericht München derzeit wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat verantworten. Sie wird von Wolfgang Nahrath (3.v.r.) und Nicole Schneiders (r.) verteidigt, die bereits im NSU-Prozess Angeklagte vertreten haben.

Susanne G. (sitzend, Mitte) muss sich vor dem Oberlandesgericht München derzeit wegen der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat verantworten. Sie wird von Wolfgang Nahrath (3.v.r.) und Nicole Schneiders (r.) verteidigt, die bereits im NSU-Prozess Angeklagte vertreten haben. © Sven Hoppe, dpa

Bei der Auswertung des Mobiltelefons der Heilpraktikerin fällt auf, dass sie in mehreren Chatgruppen im Internet Kontakt zur rechtsextremistischen Kleinpartei "Der III. Weg" unterhielt, der sie mehrere Jahre angehörte. Die Ermittlungsbehörden registrierten einen regen Austausch mit dem Stützpunktleiter Nürnberg-Fürth.

Aber auch mit "Wolle" und "André" kommunizierte sie eifrig: "Wolle" ist der Spitzname von Ralf Wohlleben, der der NSU-Terrorzelle um Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe die Waffe besorgte. Bei "André" soll es sich um André Eminger handeln, der ebenfalls zum direkten NSU-Umfeld zählte.