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Carsharing auf dem Land: So funktioniert es in Franken

Mitfahrer-Bänke, geteilte Autos und Busse bei Bedarf - 29.01.2017 10:00 Uhr

In Nürnberg gibt es seit vergangenem Jahr erste Carsharing-Stationen. © Michael Matejka


Sich das Auto mit Fremden teilen? Carsharing ist ein (noch) ungewöhnlicher Gedanke – zumindest abseits der Metropolen. In ländlichen Regionen fehlt meist die kritische Masse an Menschen, die bereit sind, zugunsten eines Gemeinschaftsautos auf ihr eigenes Gefährt zu verzichten.

Umso überraschender ist eine Initiative aus Oberasbach im Landkreis Fürth. Vor fünf Jahren von Tim Parth ins Leben gerufen, zieht die Idee Kreise, über die Grenzen der 17 000-Einwohner-Stadt hinaus. Auch in Zirndorf, Stein und im Markt Roßtal melden sich Interessenten.

Mitglieder des dafür eigenes gegründeten Vereins "Landauto Carsharing" zahlen neben dem Sprit 1,20 Euro pro Stunde und 38 Cent pro Kilometer, Nicht-Mitglieder 20 Prozent mehr. An zwei zentralen Standorten wartet der fahrbare Untersatz: In Oberasbach und Zirndorf. Weitere Standorte, darunter im Markt Roßtal und in Stein, sind in Planung.

Geteiltes Auto

Die Idee des geteilten Autos greift auch in Weißenburg und Treuchtlingen um sich. Auf extra ausgewiesenen Parkplätzen beider Bahnhöfe stehen Mietautos zur Verfügung, die mit einer App direkt buchbar sind.

Die Autotür lässt sich mit einer Mitgliedskarte für einmalig 49,90 Euro öffnen, der Schlüssel ist im Handschuhfach deponiert. Zwischen 8 Uhr und 22 Uhr kostet die Autostunde fünf Euro, danach 1,50 Euro, inklusive Benzin. Der Wagen kann auch für einen Tagespreis von 50 Euro gemietet werden. Mit der Karte kann das Angebot von "Flinkster", einer Kooperation mit der Deutschen Bahn, deutschlandweit genutzt werden.

In Weißenburg unterstützte die Stadt die Idee anfangs finanziell. In Absberg soll es in der kommenden Campingsaison direkt am Brombachsee das Auto zum Leihen geben. Wolfgang Fliegel, Geschäftsführer eines Autohauses, stellt den fahrbaren Untersatz. Für ihn ist das Autoteilen das "beste Modell für den ländlichen Raum". Gerade für junge Leute, die sich kein eigenes Auto leisten können oder wollen, sei das ein guter Einstieg in die Mobilität.

"Das Modell wird besser angenommen, als anfangs gedacht. Zuerst muss es aber in die Köpfe der Menschen rein." Es ist ein kleines Pflänzchen, das wächst.

So sieht es mit E-Mobilität in der Region aus

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Daten: Kraftfahrbundesamt, Stand: Jeweils 1. Januar des genannten Jahres, Grafik: Viola Bernlocher

Perspektiven im öffentlichen Nahverkehr

Noch Zukunftsmusik ist die Bahnstrecke zwischen Gunzenhausen und Nördlingen, zumindest für den Personenverkehr. Über die Weichen fahren bisher nur Museumsbahnen und der Güterverkehr. Ob die Bahn die Strecke Nürnberg - Gunzenhausen einmal durchgängig befährt, hängt vom Geld ab. Ohne kommunale Zuschüsse, machte die Bahn klar, bleibt es beim zwingenden Umstieg zwischen der Noris und Gunzenhausen.

Im Kreis Roth reifen Überlegungen, die S-Bahn über Roth hinaus bis nach Hilpoltstein zu verlängern. Frühestens ab 2030 könnten Pendler dann umsteigefrei mit der S 2 nach Nürnberg reisen.

Näher in der Zukunft liegt die Fertigstellung des viergleisigen Streckenausbaus des S-Bahn-Netzes zwischen Nürnberg und Forchheim. Bis Ende 2018 soll das Projekt abgeschlossen sein und damit im Berufsverkehr einen 20-Minuten-Takt ermöglichen.

Den Ausbau fasst die Bahn auch bis nach Bamberg ins Auge, allerdings nicht vor 2020. Dann dürften noch ein paar weitere Jahre vergehen, bis eine der wichtigsten Verkehrsachsen der Region genutzt werden kann.

Streit um Umgehungsstraße

In den Sternen steht auch eine Umgehungsstraße, die den Landkreis Forchheim in Befürworter und Kritiker teilt. Die Stadt Forchheim will die 6,9 Kilometer lange Ostspange als Weiterführung ihrer Südumgehung. Die Bevölkerung in den anliegenden Landgemeinden sieht das mit 38,4 Millionen Euro kalkulierte Projekt kritisch, wegen des befürchteten Eingriffs in die Natur. Die Umgehung soll durch das Wiesenttal führen.

Zwar ist das Projekt im Bundesverkehrswegeplan 2030 in den vordringlichen Bedarf aufgenommen, angesichts des Investitionsstaus ist allerdings fraglich, wann oder ob die Straße tatsächlich kommt.

Sicher ist hingegen, dass der geplante Tunnel in Ebermannstadt nicht kommt. Für 90 Millionen Euro sollte er den Durchgangsverkehr, der sich mitten durch die Stadt am Tor der Fränkischen Schweiz schlängelt, vermindern. Allerdings wurde der Plan aus der Feder des Staatlichen Bauamts im Bundesverkehrswegeplan nicht in Erwägung gezogen. Von Alternativen ist noch keine Rede.

In den Startlöchern steht hingegen auch im Kreis Forchheim eine Carsharing-Initiative, getragen von der Genossenschaft "Bürger-für-Bürger-Energie". Ab Ende Februar geht es in Neunkirchen am Brand mit dem geteilten E-Auto los — für vier Euro in der Stunde, Mitglieder zahlen drei Euro. Auch in der Kreisstadt Forchheim soll sich das Angebot etablieren.

Tunnel unter der Altmühl?

Auch die B2-Umgehung von Dietfurt in Mittelfranken ist wegen Naturschutzgebieten im Altmühltal und der Nähe zu einem Treuchtlinger Wohngebiet umstritten. Eine mögliche, wenn auch unwahrscheinliche Option ist eine Untertunnelung der Altmühl.

Einigkeit herrscht hingegen beim Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, jedenfalls im Kreis Forchheim. Im Oberland der Fränkischen Schweiz, im 2000-Seelen-Dorf Egloffstein, soll ein neuer Busbahnhof entstehen, um auch für Touristen die entlegenen Orte besser zu erschließen. Die Fahrt mit dem Bus soll mit ausgedehnten Fahrtzeiten auch bis in den Abend hinein möglich sein. Einen Antrag der Grünen fassten die Kreispolitiker mit Wohlwollen auf.

Sogar von Haustür zu Haustür fahren lassen können sich die Bürger in den Gemeinden Ipsheim, Dieterheims, Baudenbach, Gutenstetten, Diespeck und Neustadt/Aisch. Allerdings kostet der Service einen Extra-Zuschlag.

Für gewöhnlich hält der eine Stunde zuvor bestellte Rufbus bis in den frühen Abend selbst dort, wo es bisher noch keine Haltestelle gab. Die Senioren fahren damit zum Arzt, Jugendliche zum Sport-Training. Tragfähig machte das Angebot erst die kommunale Zusammenarbeit "NeuStadt und Land". Diese kommunale Allianz ist Teil des "Integrierten ländlichen Entwicklungskonzept", gefördert vom Amt für ländliche Entwicklung.

Jahrhundertprojekt Stadt-Umland-Bahn

Ein Jahrhundertprojekt, dessen Umsetzung schon seit Jahren diskutiert wird, ist die schienengebundene Stadt-Umland-Bahn (StUB). Das sogenannte L-Netz ist momentan die Variante der StUB, deren Realisierung am wahrscheinlichsten ist. Dabei führt eine Nord-Süd-Verbindung von Nürnberg-Wegfeld bis zum Erlanger Hauptbahnhof und schließlich bis nach Herzogenaurach.

Die östliche Verzweigung über Neunkirchen am Brand (Landkreis Forchheim) nach Eschenau (Landkreis Erlangen-Höchstadt) ist mittlerweile vom Tisch. Sollte die StUB ab 2025 fahren, würden die Gesamtkosten (Stand 2015) wohl etwa 297 Millionen Euro betragen.

Nur vom strahlenden Sonnenschein abhängig ist der nach eigenen Angaben älteste Solarmobil-Verein Deutschlands in Erlangen. Seit 1985 erproben die Mitglieder Autos, die sich mit Solarmodulen in Bewegung setzen. Schon 1986 setzten sie damit Deutschlands erstes straßenzugelassene Solarmobil auf die Straße. Der Verein will auch in Zukunft Mobilität mit der Kraft der Sonne möglich machen.

Dieser Beitrag erscheint im Rahmen unserer Themenwoche "Die Zukunft der Mobilität". Lesen Sie auch: "Radler-Stadt: Was Nürnberg von Holland lernen kann"

Diese Recherche unterstützten Harald Ehm, Patrick Lauer, Georg Körfgen, Rainer Groh, Patrick Shaw, Benjamin Huck und Wolfgang Grebenhof. 

Patrick Schroll

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