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Corona-Tote in Bayern: Signifikante Übersterblichkeit im Freistaat

Neue Daten des Landesamtes für Statistik belegen: Die Auswirkungen der Pandemie sind eindeutig - 29.03.2021 13:03 Uhr

"Die Zahlen zu den Sterbefällen der vergangenen Monate sind eindeutig", sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bei der Vorstellung der statistischen Sonderauswertung für das Jahr 2020.

29.03.2021 © Timm Schamberger/dpa


So lag die Zahl der Sterbefälle im Freistaat im November 2020 knapp zwölf Prozent, im Dezember 2020 sogar gut 35 Prozent über dem Durchschnittswert der Jahre 2016 bis 2019.

„Die Zahlen der vergangenen Monate sind eindeutig und lassen keinen Zweifel an der Gefährlichkeit des Coronavirus“, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bei der Vorstellung dieser Sonderauswertung. „Insbesondere auf regionaler Ebene während der ersten Welle im Frühjahr sowie zu Beginn der zweiten Welle stellen wir für 2020 eine deutlich erhöhte Sterblichkeit fest“, erklärte der Minister.

Die Frage der Sterblichkeit müsse allerdings auch vor dem Hintergrund der allgemeinen Bevölkerungsentwicklung betrachtet werden. Immerhin wuchs die Einwohnerzahl des Freistaates zwischen 2016 und 2019 um über 280.000 Personen.

Schwankende Sterbezahlen berücksichtigen

Zudem schwanken die Sterbezahlen innerhalb einer gewissen Bandbreite – in dem oben genannten Zeitraum etwa zwischen 129.500 und 134.800 pro Jahr. Verantwortlich dafür können zum Beispiel ausgedehnte Hitzeperioden im Sommer sein, die zu einer höheren Sterblichkeit bei alten Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen, oder schlimme Grippe-Wellen wie zuletzt im Winter 2017/2018.

Dennoch komme den Zahlen aus dem Landesamt für Statistik gerade jetzt eine besondere Bedeutung zu, betonte Herrmann. „Denn nur auf der Grundlage sicherer und aktueller Daten könne die Staatsregierung die richtigen Entscheidungen treffen, um die Menschen im Freistaat bestmöglich zu schützen. „Aber auch im Hinblick auf die Corona-Leugner und die Verschwörungstheoretiker sind diese Zahlen außerordentlich wichtig“, meinte der Innenminister. Denn dank der Daten der Statistik-Fachleute aus Fürth „können wir kruder Fiktion mit Fakten begegnen“.

Zahlreiche Tote in den Hotspots

Bereits Ende 2020 hatte Herrmann deshalb bei einer außerplanmäßigen Pressekonferenz vorläufige Zahlen aus dem laufenden Kalenderjahr präsentiert. Schon bei den Daten von Januar bis einschließlich September 2020 wurde deutlich, wie Sars-CoV-2 die Sterbezahlen in Hotspots in die Höhe schießen ließ.

So lag beispielsweise in den Landkreisen Rosenheim, Traunstein, Wunsiedel, Tirschenreuth, Rottal-Inn, Amberg-Sulzbach und Neustadt an der Waldnaab die Zunahme der Sterbefälle im April 2020 jeweils bei über 50 Prozent – im Kreis Tirschenreuth sogar bei plus 135 Prozent, im Kreis Rosenheim bei plus 86 Prozent und im Kreis Wunsiedel bei plus 61 Prozent.

Auch auf Landesebene bewegten sich die Sterbefallzahlen deutlich über den Daten der vier Vorjahre, als die erste Welle der Pandemie in Bayern ihren Höhepunkt erreicht hatte. So wies der April 2020 laut den Erhebungen der Fürther Statistik-Fachleute ein Plus von 21,5 Prozent gegenüber dem Schnitt der Vorjahre aus.

Fataler Trend hat sich bei der zweiten Welle fortgesetzt

Dieser Trend hat sich laut Herrmann Ende 2020, mit Beginn der zweiten Welle, deutlich fortgesetzt und zeichnet sich – nach den derzeit noch nicht vollständigen Daten – auch für die ersten Wochen des Jahres 2021 ab. Bereits jetzt seien im Januar 2900 Verstorbene mehr registriert worden als im Vorjahreszeitraum. Dabei ist die Grippesaison aufgrund der Infektionsschutzmaßnahmen in diesem Jahr praktisch ausgefallen.

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Und zu denken geben die Statistiken auch bei Betrachtung der Altersgruppen. „Die Zahlen belegen, dass bei Menschen höheren Alters das Risiko, an Covid-19 zu sterben deutlich größer ist als bei Jüngeren“, erklärte Herrmann. Weise die Statistik bei den unter 60-Jährigen noch keine Auffälligkeiten auf, sei die erhöhte Sterblichkeit bei Menschen zwischen 60 und 79 Jahren deutlich

„Sowohl im April 2020 als auch Ende 2020/Anfang 2021 überstieg die Zahl der Todesfälle den Schnitt der vergangenen Jahre signifikant“, erklärte Herrmann. Am deutlichsten sei der Anstieg aber bei den Menschen über 80 Jahren. So lag die Zahl der Verstorbenen in dieser Altersgruppe im April 2020 laut den LfSt-Daten knapp 30 Prozent, mit Beginn der zweiten Welle im November um fast 20 Prozent und im Dezember um fast die Hälfte über dem Schnitt der Vorjahre.

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Erfreulich ist laut Herrmann jedoch, dass sich in der Gruppe der über 80-Jährigen eine Stabilisierung abzuzeichnen scheint. Die bislang gemeldeten Zahlen für Februar 2021 von 6889 Sterbefällen könnten in etwa auf dem Niveau der Vorjahre liegen.

„Sollte sich dieser positive Trend infolge der voranschreitenden Impfungen bestätigen, wäre dies ein großer Schritt in die richtige Richtung“, sagte der Innenminister und zeigte sich auch für die Zukunft optimistisch: „Ich bin mir sicher, die Zunahme der Zahl an geimpften Personen wird sich weiter positiv auf die Sterbefallzahlen auswirken. Impfungen sind der Schlüssel zur Normalisierung unseres Alltags.“

André Ammer Region und Bayern E-Mail

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