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Die deutsche Sprache ist stets präsent

Zum elften Mal organisiert die Bürgerstiftung in Kooperation mit der Uni ihr jährliches Sommercamp - 22.08.2016 20:30 Uhr

Frucht oder Nicht-Frucht? Das ist hier die Frage. Tomaten und Himbeeren haben Samen. Beide gehören somit zu den Früchten. Die samenlose Kartoffel dagegen ist definitiv keine Frucht. © Evelyn Beck


Sechs Wochen Sommerferien bedeutet für viele Kinder sechs Wochen Pause von der deutschen Sprache. Damit sprachlich und sozial benachteiligte Kinder auch während der Ferien mit deutschen Vokabeln versorgt werden, organisiert die Bürgerstiftung in Kooperation mit Studierenden der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) ein zweiwöchiges Sommercamp zur Förderung der Jungen und Mädchen.

„Wie forschen Forscher?“, lautet das diesjähriges Motto des außerschulischen Bildungsprojekts. Im Mittelpunkt steht die Arbeit von Biologen, Sprachwissenschaftlern und Historikern, die die Teilnehmer im Alter von acht bis 13 Jahren in täglichen Unterrichtsstunden kennenlernen. Unter den fast 60 Schülern sind dieses Jahr auch 20 aus Flüchtlingsunterkünften, die in Absprache mit ihren Betreuern ausgewählt wurden.

„Neue Situationen erfordern neue Ideen“, sagt Monika Gorbahn, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Bürgerstiftung Nürnberg. Eine Premiere ist auch die Helfertätigkeit von vier unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, die die studentischen Lehrkräfte bei der Organisation des Camps unterstützen. „Die vier haben von uns Hilfe erhalten und unterstützen uns nun im Gegenzug bei unserer Arbeit“, berichtet Gorbahn.

Vor allem die sprachlichen Fähigkeiten der Jugendlichen, die zusätzlich als Camp-Köche tätig sind, seien eine große Hilfe, ergänzt Evelyn Beck, Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Didaktik des Deutschen als Zweitsprache an der FAU und Koordinatorin des Sommercamps. Die fließend Deutsch sprechenden Flüchtlinge hätten eine Vorbildfunktion für die Kinder, die vorwiegend aus arabisch- und russisch- sprachigen Ländern sowie der Türkei kommen.

Die interaktiven Experimente, die den sprachlichen Austausch initiieren, wurden im Laufe des letzten Sommersemester von Nürnberger Lehramtsstudenten konzipiert. Sie sollen bei den Jungen und Mädchen die „Lust am Lernen wecken und sie spielerisch an die deutsche Sprache heranführen“, sagt Inge Weise, Vorstandvorsitzende der Bürgerstiftung.

Mit Zollstock und Stethoskop

Anhand von Zollstock, Waage und Stethoskop müssen die Kinder beispielsweise den Inhalt einer Black-box erraten. Mit Hilfe des aus den „Pitch Perfect“-Filmen bekannten Becher-Songs erlernen die Schüler die deutsche Grammatik und Silbentrennung und im Biologie-Unterricht werden sie über den Unterschied von Frucht und Nicht-Frucht aufgeklärt. So wecken die Experimente die Neugier der Kinder und erweitern gleichzeitig ihren Wortschatz.

Ein Konzept, das funktioniert, so Simone Keller „Was ihnen am Anfang noch schwergefallen ist, macht ihnen jetzt sehr viel Spaß“, sagt die Lehramtsstudentin.

Seit elf Jahren ist das Projekt fester Bestandteil des Nürnberger Ferienprogramms. Ermöglicht durch das Engagement der Ehrenamtlichen und diverse Spenden, kostet die zweiwöchige Ganztagsbetreuung nur 50 Euro pro Kind. Dass ihr Geld gut angelegt ist, davon dürfen sich die Eltern am Ende der zwei Wochen bei einer kleinen Ausstellung selbst überzeugen.

Aber nicht nur die Eltern und Betreuer sind zufrieden, auch den Kindern bereitet das Sommercamp großen Spaß. „Man lernt Wörter, die man im normalen Unterricht noch nicht gelernt hat“, sagt eine kleine Teilnehmerin. „Seit heute weiß ich auch was Hieroglyphen sind.“ 

ASTRID KORMANN

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