Samstag, 14.12.2019

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Druck von oben: Trinkwasser in Fürth wird günstiger

Kartellbehörde forderte eine Preissenkung - Strom und Erdgas werden teurer - 20.11.2018 06:00 Uhr

Der Wasserpreis der infra gefiel der Kartellbehörde nicht. © Archivfoto: Scherer


Dem Mann kam der Trinkwasserpreis des Fürther Versorgers zu hoch vor. Die Fürther mussten mehr zahlen als etwa die Nürnberger oder Erlanger. Inzwischen darf er sich in dieser Sache im Recht fühlen. Aufgrund seiner Beschwerde sah sich die Kartellbehörde im bayerischen Wirtschaftsministerium die Wasserpreise der infra genauer an und leitete schließlich ein Verfahren wegen des "Anfangsverdachts auf das Vorliegen eines Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung" ein. Die Trinkwasserpreise in Mittelfranken seien tendenziell hoch, sagte ein Sprecher des Ministeriums auf FN-Nachfrage. Bei anderen Versorgern in der Region aber habe kein solcher Anfangsverdacht bestanden.

Nachdem sich infra-Vertreter bei einem Erörterungstermin im März kooperativ zeigten, wurde das Verfahren eingestellt. Das Unternehmen habe sich verpflichtet, die Trinkwasserpreise ab 1. September zu senken – von damals 2,12 Euro (netto) pro Kubikmeter um 20 Cent auf 1,92 Euro (netto), so der Sprecher.

In ihrem aktuellen Kundenmagazin gibt die infra die Nachricht gerne weiter, dass Wasser jetzt weniger kostet – die Vorgeschichte allerdings bleibt unerwähnt: "Zum 1. September konnte die infra die Arbeitspreise für Trinkwasser senken", heißt es da in einem Interview mit Martin Grimmeisen, verantwortlich für den Energieeinkauf und -vertrieb. Und: "Was uns besonders freut: Von der Anpassung profitieren praktisch alle Einwohner der Stadt Fürth."

Ein Haushalt mit einem Verbrauch von 120 Kubikmetern werde knapp 27 Euro im Jahr sparen. Möglich werde dies, so Grimmeisen weiter, weil die Sanierung der Fernwasserleitung aus Allersberg verschoben wurde. Zudem habe man die Effizienz verbessern und beim Unterhalt der Wasseranlagen sparen können.

"Es klingt härter, als es ist"

So erfreulich das Ergebnis ist – manche werden ins Grübeln kommen: Was wäre gewesen, wenn die Kartellbehörde nicht eingeschritten wäre? Und haben die Bürger seit 2015 - damals wurden die Preise stark erhöht - für eine Sanierung gezahlt, die gar nicht erfolgte?

Dass gegen die infra ermittelt wurde, klinge "härter, als es eigentlich ist", sagt Grimmeisen auf FN-Nachfrage. Er betont ebenso wie Geschäftsführer Marcus Steurer: Die infra hätte den Trinkwasserpreis zeitnah ohnehin selbst reduziert. Dieser werde immer für eine bestimmte Zeitspanne kalkuliert, erklärt Grimmeisen. Weil die Sanierung der Fernwasserleitung verschoben wurde, war die infra zwischen 2015 und 2018 mit weniger Ausgaben konfrontiert als gedacht. Dies hätte man bei der nächsten Kalkulation berücksichtigt, versichert er.

Dass man im eigenen Kundenmagazin die Kartellbehörde überhaupt nicht erwähnt, sei "normales Marketing", findet Steurer. Natürlich versuche man, sich positiv darzustellen. Und: Nachdem die FN bereits über das Verfahren berichtet hatten, habe man keine Notwendigkeit gesehen, es zu thematisieren.

Anders als beim Wasser ändern sich die Tarife für Strom und Erdgas fast jedes Jahr. In den vergangenen 15 Monaten haben sich die Einkaufspreise für Strom verdoppelt, so Grimmeisen. Die Netzentgelte seien zwar gesunken, die Steigerung könne man damit aber nicht kompensieren. Die Folge: Der Strompreis erhöht sich für Kunden im Tarif "basisstrom" um 1,20 Cent pro Kilowattstunde (brutto). Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 kWh zahlt also 3,50 Euro mehr im Monat.

Länger gebunden

Gute Nachrichten gibt es für Menschen, die sich mit dem Tarif "fürthstrom 19" länger gebunden haben: Der Strom wurde frühzeitig beschafft, der Energiepreis ist hier bis 31.12.2019 festgelegt. Wegen der niedrigeren Netzentgelte zahlen die Kunden im neuen Jahr 1,79 Cent pro Kilowattstunde weniger. Bis 30. November 2018 gibt es Restkontingente.

Auch die Beschaffung von Erdgas ist teurer geworden, die infra hebt daher die Preise an. Ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 18 000 kWh zahlt im Basistarif 14,70 Euro mehr im Monat.

Wer sich auf Vergleichsportalen umschaut, wird auch für 2019 günstigere Anbieter für Strom und Erdgas finden – selbst dann, wenn er Tarife seriös vergleicht, das heißt: bei möglichst identischen Vertragsbedingungen und Qualitätsstandards. "Viele Wettbewerber sind im ersten Jahr sehr günstig, im langfristigen Vergleich können wir mithalten", sagt Grimmeisen dazu. Für die infra spreche zudem, dass die Gewinne nicht in die Hände von Aktionären fließen, sondern "zurück an die Stadt". Sie ermöglichen regionales Engagement und tragen zur Aufrechterhaltung des Bäderbetriebs und des Nahverkehrs bei.

Claudia Ziob

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