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Ein Landkreis weit vorne: So bewaffnet ist Franken

Studenten haben über 500 Behörden angefragt - Zahlen unterscheiden sich - 23.02.2021 15:24 Uhr

Auch Sportschützen müssen ihre Waffen daheim in einem tresorähnlichen Waffenschrank vor unbefugtem Zugriff schützen.

03.03.2020 © Archivfoto: Patrick Pleul/dpa


Es ist erschreckend, zumindest finden das die Journalismus-Studenten der Universität Leipzig, die herausfinden wollten, wie viele Waffen es in Deutschland gibt. Zwar existiert seit einigen Tagen ein Register - nur wirklich belastbare Zahlen gibt es offenbar nicht. Um an Fakten zu kommen, mussten die Studenten in Kooperation mit dem Podcast-Radio Detektor.fm in aufwendiger Kleinstarbeit alle 541 Waffenbehörden Deutschlands abfragen. Zuvor hatte das eigentlich für das Nationale Register zuständige Bundesverwaltungsamt die Auskunft verweigert.

Konkret geht es um alle sogenannte kleine und große Waffenscheine in Deutschland, die bis Ende 2019 beantragt wurden. Waffenbesitzkarten werden vor allem für Jäger und Schützen ausgestellt. In der Öffentlichkeit getragen werden dürfen sie damit aber nicht - dafür wäre ein Waffenschein nötig, der aber nur sehr selten ausgestellt wird. Mit der kleinen Version der Berechtigung dürfen Schreckschuss- und Gaspistolen getragen werden.

Autoren sehen klares Stadt-Land-Gefälle

Die Unterschiede in Deutschland, wie die Studenten herausgefunden haben, sind gewaltig. "Auf dem Land gibt es verhältnismäßig mehr Waffen als in der Stadt", sagen die Autoren. Das gilt auch für Franken. Eine Deutschlandkarte, die die Studenten ins Netz gestellt haben, zeigt: Etwa der Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim gehört mit 178 Schusswaffen auf 1000 Einwohner zu den bewaffnetsten der Republik. Im Landkreis Bamberg sind es 125, in Forchheim 117, in Ansbach und Weißenburg-Gunzenhausen 115.


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In den Städten gibt es deutlich weniger Waffen. In Nürnberg und Fürth rechnen die Autoren mit 51 Berechtigungen auf 1000 Einwohner, in Erlangen sind es sogar nur 45. Deutschlandweit die wenigsten Waffen gibt es in der Hauptstadt Berlin (14). Grundsätzliche sei der Privatbesitz im Osten der Republik weniger. Die Autoren erklären sich das mit der DDR, in der Waffen deutlich stärker reglementiert waren.

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Doch wie belastbar sind die Zahlen? Teils seien die Meldungen aus den Innenministerien und den kommunalen Waffenbehörden unterschiedlich. Einiges lasse sich mit Stichtagen erklären - aber eben nicht alles. "Unterschiede über mehrere tausend Waffen erklärt das nicht", heißt es auf Detektor.fm. "Offizielle Statistiken über privaten Schusswaffenbesitz sind also nicht nur schwer zu bekommen, sondern auch noch unzuverlässig.


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Unklar bleibt auch, wie hoch die Dunkelziffer der illegalen Waffen ist. Das "Small Arms Survey", ein internationales Projekt, rechnet mit knapp zehn Millionen unregistrierten Gewehren und Pistolen in Deutschland.

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