Montag, 23.11.2020

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Eine Halle für Hannah?

Erlangen diskutiert, wie eine Weltmeisterin zu ehren ist - 06.11.2003

Noch vor den Olympischen Spielen 2004 soll die Schwimmhalle des Erlanger Röthelheimbads in Hannah-Stockbauer-Halle umbenannt werden. Schon jetzt grübelt die Politik, wie sie die 21-Jährige im Fall einer Goldmedaille in Athen ehrt.

10.02.2011 © Fengler


Seitdem schweigt Hannah Stockbauer zu diesem Thema, bereitet sich im US-amerikanischen Flagstaff auf die neue Saison vor, und im Gästebuch auf ihrer Homepage wird darüber diskutiert, ob sich die 21-jährige Nürnbergerin für den Playboy ausziehen soll. Die Diskussion um den neuen Hallennamen wird in der Universitätsstadt von den Politikern geführt, auch nachdem der Stadtrat der Umbenennung und einer Bürgermedaille für Stockbauers Trainer Roland Böller, der in der Nachbargemeinde Bubenreuth wohnt, bereits zugestimmt hat.

„Was machen wir denn, wenn Hannah heiratet?“, hat eine Stadträtin der Grünen Liste gefragt. „Das ist ja lächerlich“, antwortet Balleis. „Heute kann man ja seinen Namen auch dann behalten.“ Bürgermeister und Sportreferent Gerd Lohwasser sieht darin ebenfalls kein Problem: „Und wenn es so wäre und sie dann Hannah Huber hieße: Ihre Titel hat sie mit dem Namen Hannah Stockbauer erreicht.“

Was passiert, sollte sie eines Tages des Dopings überführt werden? „Ich kenne ihr Elternhaus und ihren Trainer und kann mir das deshalb nicht ansatzweise vorstellen“, meint Lohwasser. Ist die 21-Jährige nicht zu jung als Namensgeberin für eine Halle? Als Gegenbeispiele führt Lohwasser das Fritz-Walter-Stadion in Kaiserslautern und die Gunda-Niemann-Halle in Erfurt an: „Es ist also kein Novum in der Geschichte des Sports.“ Außerdem: Wie könnte man Stockbauer, die für die SSG 81 Erlangen startet, sonst ehren, als ihre Trainingshalle nach ihr zu benennen? „Sie steht ja schon fünf bis sechs Mal im Goldenen Buch“, meint Lohwasser.

Zu viel Druck?

Gisela Niclas, die Fraktionsvorsitzende der Erlanger Stadtrats-SPD, stellt sich jedoch die Frage: „Üben wir so nicht viel zu viel Druck auf die Hannah aus?“ Gerne hätte sie diese Frage in aller Ruhe und nicht öffentlich diskutiert, doch — und das ärgerte sie am meisten — der CSU-Oberbürgermeister habe viel zu schnell geplaudert: „Das war wieder ein typischer Balleis: Erst was gesagt und dann nachgedacht.“ Dafür hat sich der Rathauschef inzwischen mehrfach entschuldigt: „Das war sicher etwas voreilig.“ Und auch Lohwasser wirbt nachträglich um Verständnis: „Der OB war in einer besonderen Stimmung, es war ein tolles Wetter, das Bad war geöffnet, Hannah kommt in der Kutsche zum Empfang — und dann hat er es eben versprochen.“

Andere Ideen gäbe es viele: Gisela Niclas hätte sich etwa gewünscht, das Frankenhofbad zu retten statt zu schließen: „Das wäre die angemessene Ehrung gewesen.“ Und was meinen die Mitarbeiter vom Röthelheimbad? „Wir haben darüber kaum diskutiert“, sagt Betriebsleiter Josef Dutzel. „Hauptsache ist, das Bad wird nicht auch geschlossen und wir behalten unsere Arbeitsplätze.“ Markus Kaiser

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