Erdogans Referendum: Grüne Halle wird zum Wahllokal

25.3.2017, 05:56 Uhr
In der Grünen Halle in Fürth können in der Region lebende Türken zwei Wochen lang über das Verfassungsreferendum ihres Landes abstimmen. Das Nürnberger Generalkonsulat hofft auf einen reibungslosen Ablauf.

© Hans-Joachim Winckler In der Grünen Halle in Fürth können in der Region lebende Türken zwei Wochen lang über das Verfassungsreferendum ihres Landes abstimmen. Das Nürnberger Generalkonsulat hofft auf einen reibungslosen Ablauf.

Gewählt wird in der Grünen Halle in Fürth, wo eine straffe Organisation für einen reibungslosen Ablauf sorgen soll.

"Çikiþ" steht auf einer großen grünen Tafel mitten in der Grünen Halle in Fürth. Das Schild mit dem türkischen Wort für "Ausgang" weist hier auf einen Fluchtweg hin. Ab Montag werden hier in der ehemaligen Markthalle in der Fürther Südstadt in Deutschland lebende Türken darüber abstimmen, ob Präsident Recep Erdogan in der Türkei das Präsidialsystem errichten darf, auf das er seit Jahren hinarbeitet. Es sei gut für die Türkei, sagen Befürworter. Das "Nein"-Lager sieht darin eine Schwächung des Parlaments und fürchtet, Erdogan und seine Nachfolger im Amt des Staatspräsidenten könnten zu viel Macht auf sich vereinen – eine Flucht aus der Demokratie sozusagen.


+++ Referendum: Die wichtigsten Fragen und Antworten +++


Politische Bewertungen darf man am Freitagnachmittag in der Halle nicht erwarten. Das Generalkonsulat hat die Medien eingeladen, sich einen Eindruck von der Organisation der Abstimmung zu machen. Nayil Inal, Sekretär im Generalkonsulat an der Regensburger Straße im Nürnberger Stadtteil St. Peter, stellt gleich klar, dass das Konsulat zur Neutralität verpflichtet ist und er deswegen nur technische Fragen beantwortet.

Auch Generalkonsul Yavuz Kül bleibt offiziell. Ob die Diskussionen um die Auftritte türkischer Politiker in Europa und Erdogans Nazi-Vergleiche zur Mobilisierung des einen oder anderen Lagers geführt haben könnten? "Kein Kommentar."

Bei der Parlamentswahl im November 2015 hätten über 25 000 Türken im Wahllokal des Konsulats – damals auf dem Nürnberger Grundig-Gelände an der Beuthener Straße – abgestimmt. Der Konsul rechnet damit, dass es diesmal eine ähnliche Beteiligung – vielleicht zwischen 40 und 50 Prozent – geben wird. In der Grünen Halle ist man jedenfalls auf alles vorbereitet: "Wir haben hier ein Wartesystem wie am Flughafen eingerichtet, damit wir nicht im Chaos versinken", sagt Inal und weist auf die mäandernden roten Absperrbänder, innerhalb derer sich dann eine einzelne Warteschlange bilden soll.

Souverän erklärt der 29-Jährige Schritt für Schritt den Ablauf der Abstimmung: An Werktagen werden die Wahlberechtigten ihre Stimmzettel in vier, an Wochenenden sogar in sechs Urnen werfen können. Alles soll möglichst reibungslos von der Bühne gehen. Dass es diesmal nur über Ja oder Nein abzustimmen gilt, werde die ganze Sache noch beschleunigen, glaubt Inal.

Vertreter der Parteien, die bei der jüngsten Wahl die meisten Stimmen erhielten, schicken Beobachter. Am 9. April endet die Abstimmung für die Auslandstürken, die Urnen werden dann nach München gebracht und von dort nach Ankara geflogen. Ausgezählt wird alles aber erst am Ostersonntag, wenn auch die Wahllokale in der Türkei geschlossen haben. Erst dann zeigt sich, ob die Türken sich – wie Erdogans Anhänger meinen – für die starke Türkei entschieden haben oder – nach Meinung der Gegner – für den Fluchtweg aus der Demokratie.

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