300 Jahre Theater Erlangen werden lebendig

2.6.2019, 18:00 Uhr
Performance-Künstlerin Sandra Leupold trifft beim „Projekt 1719“ auf der Bühne des Markgrafentheaters auf Sopranistin Olivia Stahn und ihre Mitmusiker.

Performance-Künstlerin Sandra Leupold trifft beim „Projekt 1719“ auf der Bühne des Markgrafentheaters auf Sopranistin Olivia Stahn und ihre Mitmusiker. © Erich Malter

Irgendwas muss doch dran sein an den Theorien über die Sonische Forschung, die Florian Hümmer vor rund einer Stunde vorgestellt hat. Also, dass die Klangwellen der Musik und der Gespräche, die im Markgrafentheater über drei Jahrhunderte erklangen, ihre Spuren hinterlassen haben müssen.

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Schließlich treffen diese irgendwo auf Materie und verändern diese, bevor die Schallwellen zurückgerufen werden – oder so ähnlich. . . Deshalb könne man auch ins Holz der Ränge des Barock-Theaters hineinhören. Und tatsächlich: Zum Finale von "Projekt 1719. Elefanten in Erlangen – eine Spurensuche" erklingt nun hinter der Wand auf der Bühne Gesang.

Eine Frau nähert sich unsicher und tastend. Die Spannwand fällt und dahinter befinden sich – in barocken Kostümen – die Sopranistin Olivia Stahn, Cembalo-Spielerin Mira Lange und Cellist Martin Seemann. Sie werden von der Performance-Künstlerin Sandra Leupold bestaunt und mit dem Handy gefilmt. Schließlich kommt es nicht oft vor, dass eine "Spurensuche" – und das soll der Abend rund um die Eröffnung 1719 ja sein – so erfolgreich verläuft.

Beim Projekt des Instituts für Theater- und Medienwissenschaft der FAU mit dem Erlanger Kulturamt und dem Theater wird das Publikum zunächst von Isi Kunath mit Cocktails und mit Schokolade überzogener Ananas – im Foyer wird die exotische Frucht aus der historischen Botanischen Sammlung der FAU wie auf einem kleinen Altar präsentiert – in Feierlaune versetzt.

Florian Hümmers launiger Vortrag setzt die Vorfreude fort, ehe das Schattenspiel "Twofold/Zweimalig" von Eva Meyer-Keller für langatmige Momente sorgt. Originell der "Auftritt der Elefanten". Regisseurin Lindy Annis formt hier mit Studentinnen nach der berühmten Homann-Darstellung mit den beiden Rüsseltieren ein "Tableau vivant", ehe Sandra Leupold den Barock-Klang des Hauses entdeckt. Fazit:

Ein Abend, der gerne etwas kompakter und flotter hätte ausfallen können. Ansonsten gilt der fromme Wunsch des Ton-Forschers für den Weg zur Garderobe: "Bleiben Sie kurz stehen und sprechen Sie ins Holz." Eben: Wer weiß, vielleicht wird in 300 Jahren wieder dran gelauscht.

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