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Arcaden-Flut: Warum Ehrenamtliche so wichtig waren

Gute Zusammenarbeit zwischen THW und der Feuerwehr - 03.01.2017 18:05 Uhr

Die Keller in den Arcaden standen fast zwei Meter unter Wasser, weil ein Rohr geplatzt war. Feuerwehr und THW waren mit Pumpen und Saugern im Großeinsatz. © Klaus-Dieter Schreiter


Die Ehrenamtlichen des THW waren von Feuerwehr-Einsatzleiter Christian Seitz sofort alarmiert worden, nachdem klar war, dass größere Pumpen benötigt werden, um den Wassermassen Herr zu werden. "Frühzeitig das THW zu holen, hat sich schon bei anderen Einsätzen bewährt", sagt dazu Stadtbrandrat Friedhelm Weidinger.

Wie gut die Zusammenarbeit zwischen den hauptamtlichen Feuerwehrleuten und den ehrenamtlichen Kräften von THW und Feuerwehr in Erlangen ist, wurde bei dem Großeinsatz in den Arcaden besonders deutlich. Da wurden gemeinsam Schläuche und die schweren Pumpen in den Keller geschleppt, das THW baute eine Stromversorgung auf, und nach fast fünf Stunden Arbeit wurde gemeinsam alles wieder rückgebaut.

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Erlanger Arcaden unter Wasser: Großer Schaden nach Rohrbruch

Riesiger Wasserschaden in den Erlangen Arcaden: Dort standen die Fluten im Keller fast zwei Meter hoch. Feuerwehr und THW waren mit Pumpen im Großeinsatz. Geplatzt war ein zehn Zentimeter dickes Rohr der Klimaanlage. Bemerkt wurde der Schaden von den Sicherheitsleuten, nachdem das Wasser in einem Laden im Kellergeschoss unter der Tür hindurch lief. Da aber standen die tieferen Versorgungsräume schon unter Wasser.


Insbesondere für die THW-Helfer war der Einsatz nach der Rückkehr aber noch lange nicht beendet. Denn das Nass, das durch ihre Pumpen und Schläuche gefördert worden war, ist Salzwasser gewesen.

"Dann kommen wir in die Miesen"

Darum mussten bei eisiger Kälte und Schneefall im Hof der Unterkunft an der Zimmermannsgasse von Hand nicht nur alle Schläuche gespült, sondern auch die aus Aluminium bestehenden Schlauchkupplung und Armaturen sorgfältig gereinigt werden. Denn Salzwasser greift das Aluminium an und kann das teure Material leicht vollkommen unbrauchbar machen.

Ein THW-Helfer muss nach einem Einsatz eigentlich wieder zu seinem Arbeitsplatz gehen, an dem er seinen Lebensunterhalt verdient. Ist er jedoch länger als vier Stunden gefordert – in diesem Fall waren es sogar insgesamt rund acht Stunden – darf er zu Hause bleiben. Dann erwartet sein Arbeitgeber jedoch vom THW die Erstattung der Kosten, und das kann insbesondere bei hoch qualifizierten Mitarbeitern teuer werden für das THW.

Denn der Arbeitgeber möchte die realen Kosten erstattet haben, während das Bundesinnenministerium eine Pauschale von 19 Euro pro Stunde festgelegt hat. Die Differenz muss der Ortsverband selbst tragen. "Dann kommen wir in die Miesen", erläutert Johannes Wendland, der Chef einer Bergungsgruppe ist.

Ansonsten wird ein THW-Helfer mit fünf (!) Euro pro Stunde verrechnet. Die Feuerwehr rechnet nach der Gebührensatzung der Stadt ab. Bei ihr kostet ein Ehrenamtlicher 14 Euro, ein Hauptamtlicher zwischen 33 und 47 Euro. Für die Gerätschaften gibt es wieder eigene Verrechnungssätze.

Übrigens: Wer die Feuerwehr ruft, weil Menschen oder Tiere in Gefahr sind oder ein Brand ausgebrochen ist, muss die Einsatzkosten nicht tragen. Das gilt auch dann, wenn ein Fehlalarm aus gutem Glauben ausgelöst wird, beispielsweise wenn jemand Staub oder Wasserdampf für Rauch hält und die Feuerwehr alarmiert.

Insgesamt 19 Ehrenamtliche THW-ler aus den Fachgruppen Wasserschaden / Pumpen und Elektroversorgung und 25 haupt- und ehrenamtliche Feuerwehrleute waren in den Arcaden im Einsatz. Die gute Zusammenarbeit mit der Feuerwehr, aber auch mit dem Centermanagement, hebt auch Johannes Wendland hervor.

Technisch gesehen sei es für das THW allerdings nur "ein mittlerer Einsatz" gewesen, auch wenn der Aufwand besonders für das Auge der Öffentlichkeit groß gewesen sei, meint er. "Wer auch mal in den Arcaden Schwimmen will, kann bei Interesse gern bei uns mitmachen", sagt er scherzhaft, aber mit einem ernsten Hintergrund. Denn das Erlanger THW kann Nachwuchs gut gebrauchen. 

Klaus-Dieter Schreiter

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