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Freitag, 18.10.2019

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Ärger über Chaos nach Bahnhofs-Sperrung in Erlangen

ICE wurde evakuiert - Etliche Fahrgäste versuchten, auf Busse auszuweichen - 20.09.2018 12:36 Uhr

Nach einem Notarzteinsatz am Gleis wurde der Erlanger Bahnhof am Donnerstagmorgen komplett gesperrt. © Klaus-Dieter Schreiter


Der ICE 1503 aus Berlin, der um 7.52 Uhr ab Erlangen fahren sollte, hat kurz vor der Einfahrt in den Hauptbahnhof in Höhe des derzeit gesperrten Gerbereitunnels eine Person überfahren, die sich auf den Gleisen befand. Der Zugführer leitete eine Notbremsung ein und kam mit dem vorderen Zugteil am Bahnsteig vier zum Stehen. Notarzt und Feuerwehr waren zur Bergung und Rettung der verunglückten Person, die jedoch vor Ort starb, eingesetzt.

Daraufhin wurde der gesamte Bahnhof gesperrt, Züge in beide Richtungen verkehrten nicht mehr. Neben den S-Bahnen waren auch Regionalbahnen betroffen. Viele Fahrgäste versammelten sich vor dem Bahnhof und wussten nicht weiter. Die Passagiere im ICE wurden evakuiert, das konnte über den vorderen Zugteil geschehen, der am Bahnsteig zum Stehen gekommen war.

Ärger über fehlenden Schienenersatzverkehr

Den Reisenden wurde per Lautsprecherdurchsage mitgeteilt, dass die nächste Verbindung in Richtung Nürnberg mit dem Bus der Linie 30 von den Arcaden möglich sei. Da diese Haltestelle etwa 300 Meter vom Bahnhof entfernt ist, war es für Reisende mit Gepäck nicht gerade einfach, dorthin zu gelangen. Entsprechend orientierungslos standen dann auch viele auf dem Bahnsteig, wurden aber sogleich die Treppe hinunter in die Unterführung geschickt. Dort mussten sie sich durchfragen, wie sie zur entsprechenden Bushaltestelle gelangen könnten. An den Arcaden gingen die Probleme dann aber weiter, denn selbst für Erlanger ist es oft schwer, den richtigen Busbahnsteig in Richtung Nürnberg zu finden. Zudem fahren die Linienbusse von Erlangen nicht bis zum Hauptbahnhof Nürnberg. Auch knapp eine Stunde nach dem Vorfall ertönte diese Lautsprecherdurchsage noch. Bei vielen Reisenden kam die Vermutung auf, dass ab Erlangen vermutlich überhaupt kein Schienenersatzverkehr eingerichtet worden war.

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Sperrung nach Notarzteinsatz: Züge im Erlanger Bahnof standen still

Am Donnerstagmorgen sorgte ein Notarzteinsatz an einem Gleis im Erlanger Bahnhof für lange Wartezeiten für Pendler und Reisende. Der Bahnhof wurde zeitweise komplett gesperrt. Im Laufe des Vormittags wurden die Gleise dann wieder freigegeben. Neben den Passagieren des S-Bahn-Verkehrs waren auch Fahrgäste der Regionalzüge aus Sonneberg und Jena von den Verzögerungen betroffen.


Die Deutsche Bahn hatte hingegen um 9.44 Uhr online die Information veröffentlich, dass ein Schienenersatzverkehr zwischen Forchheim und Vach eingerichtet wurde. Auf Anfrage von nordbayern.de gab ein Sprecher am Donnerstagmorgen jedoch zu, dass dieser anfangs nur "sporadisch" war. Der Grund: Viele Busse waren um diese Uhrzeit gerade als Schulbusse im Einsatz, laut Bahn war es ein "denkbar schlechter Zeitpunkt", um einen stabilen Schienenersatzverkehr einzurichten.

So fuhr am Anfang nur ein Bus, dies wurde allerdings auch gar nicht per Lautsprecherdurchsage mitgeteilt. "Bei einem Bus macht das leider keinen Sinn, der ist ja ohenhin sofort voll", hieß es dazu. Laut Bahn befanden sich später allerdings vier Busse als Schienenersatzverkehr im Einsatz, was per Durchsage auch mitgeteilt wurde. Diese fuhren vom Busbahnhof gegenüber des Bahnhofs ab. "Uns ist aber klar, dass das nicht ausreichend war", so ein Sprecher der Deutschen Bahn.

Anmerkung der Redaktion: Generell berichten wir nicht über Selbsttötungen. Da der Vorfall allerdings zur Sperrung des gesamten Hauptbahnhofes und einem Chaos für viele Reisende geführt hat, war das öffentliche Interesse in diesem Fall groß. Deshalb haben wir entschieden, darüber zu berichten.Wenn Sie sich selbst betroffen fühlen, kontaktieren Sie bitte umgehend die Telefonseelsorge. Unter der kostenlosen Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 erhalten Sie 24 Stunden am Tag Hilfe und Beratung. Alternativ könne Sie sich auch an den Krisendienst Mittelfranken unter der Tel.-Nr. 0911 4248550 wenden. Durch die Möglichkeit von Hausbesuchen in ganz Mittelfranken und durch persönliche Gespräche (ohne Wartezeit und Terminvergaben) ergänzt der Krisendienst das Angebot der Telefonseelsorge.

kds/ als E-Mail

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