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Badminton in Erlangen: Mehr als nur Federball

In der Region gibt es viele Badminton-Klubs, erstklassig war aber nur einer - 03.11.2016 15:00 Uhr

Spielt seit elf Jahren Badminton: Verena Müller vom SC Uttenreuth liebt ihren Sport. Hobby-Spieler mit Vorurteilen aber zockt sie auf der Wiese ab. © Foto: Klaus-Dieter Schreiter


Badminton spielen kann doch jeder. Das bisschen Federball hin und her schlagen. So schwer ist das doch nicht.

Ist es vielleicht doch.

„Ist es ganz bestimmt“, sagt Verena Müller. Die 19-Jährige spielt beim SC Uttenreuth in der Frauen-Mannschaft. „Das Vorurteil höre ich oft. Aber dann sage ich immer, dass wir doch mal zusammen auf die Wiese gehen können.“ Und dann hat fast keiner mehr eine Chance. „Es fängt schon bei der Lauf-Technik an“, sagt Müller.

Als Achtjährige hat sie mit Badminton begonnen. „Meine Eltern haben das auch gespielt. Aber sie haben mich nicht dazu gezwungen. Mir hat es einfach Spaß gemacht.“ Drei Jahre hat sie viel gespielt, auch mit ihren Eltern im Garten. Dann kam immer mehr Training hinzu. „Es geht um Koordination, Schnelligkeit und Schlagsicherheit.“

+++Infos Badminton-Länderspiel in Erlangen+++

Es kommt eben nicht nur darauf an, den Federball irgendwie zurück zu bringen, „sondern wie man ihn trifft“. Wenn man möglichst schnell am Ball ist, „hat man als Spieler die freie Auswahl, lang, kurz, einen Schmetterball. Sonst kann man ihn nur rüberfischen und dann kommt er direkt wieder zurück.“

In der Uttenreuther Bezirksliga-Mannschaft ist Müller die Jüngste. „Der Niveau-Unterschied zwischen Jugend und Erwachsenen-Bereich war schon deutlich. Es wird auf zwei Gewinnsätze gespielt. Im dritten Satz geben die Erwachsenen immer noch alles und sind konzentriert, während bei Jugendlichen schon die Ausdauer nachlässt.“

Gespielt werden immer Herren- und Damen-Einzeln, Doppel und Mixed. Dabei können sich die Sportler spezialisieren. „Ich kann zum Beispiel überhaupt nicht Mixed spielen“, sagt Müller. In der Jugend hat sie einige Male bei Bayerischen Meisterschaften teilgenommen. „Profi-Sport ist aber nichts für mich.“

Frühe Förderung für Jugendspieler

Anders war das bei Fabian Freund. Er hat ebenfalls beim SCU mit Badminton begonnen, ist dann in der Jugend aber zum ESV Flügelrad gewechselt. „In Erlangen gibt es keine derartige Förderung.“ Die Bedingungen am Leistungsstützpunkt in Nürnberg seien hingegen sehr gut. Daran arbeitet Freund auch heute mit. Er ist Mitglied des Jugendausschusses des Badminton-Verbands im Bezirk Mittelfranken.

„Der Schwerpunkt liegt in Nürnberg. Dort schauen wir, dass wir Kinder so früh wie möglich fördern.“ Es gibt schon Turniere für die U 11. „Außerdem sichten wir in Grundschulen.“ Generell sei Badminton im Kommen, vor allem seit Olympia. „Da kamen Spiele im Fernsehen.“ Für Freund ist es ein perfekter Sport. „Man braucht Kraft und Bewegung, spielt als Team oder im Einzel.“

Glorreiche Zeiten vor 30 Jahren

Die glorreichen Zeiten des Erlanger Badmintons liegen jedoch ein paar Jahre zurück. Einmal, in der Saison 1986/87 spielte ein Team unter den Besten Deutschlands. Die SGS Erlangen war vor 30 Jahren in die erste Bundesliga aufgestiegen. Peter Nielsen war als Sportwart dabei. „In der Oberliga, damals die zweitbeste Liga, waren wir Meister.“ Daher durfte die SGS am Aufstiegsturnier teilnehmen.

„Ein ganzer Bus ist damals nach Worms gefahren.“ Die Erlanger hatten es geschafft, nach einem Jahr aber war der Spuk wieder vorbei. „Bei uns waren alle Amateursportler“, sagt Nielsen. Zu den Besten zählte Rolf Rüsseler, unter anderem auch deutscher Vize-Meister.

Fast gelang der SGS der direkte Wiederaufstieg, doch als Meister verlor das Team das Aufstiegsturnier. „1988 wurde die zweite Liga gegründet“, sagt Nielsen. Fünf Jahre spielte die SGS noch dort, dann ging es abwärts. 1996/97 war das Badminton-Team des TV 1848 kurz zweitklassig. Aktuell spielt die SGS in der Bayernliga als Aufsteiger eine gute Saison.

In die Bundesliga aber hat es kein Erlanger Team mehr geschafft. „Und dennoch profitieren wir von damals“, sagt Nielsen. Die Badminton-Vereine hatten sich beim Bau der Emmy-Noether-Halle für eine höhere Decke eingesetzt. „Damit das der Norm für Bundesliga und Länderspiele entspricht.“

Ein Spektakel wie das nächsten Donnerstag wäre sonst also gar nicht möglich gewesen. Die Erlanger Badminton-Gemeinde freut sich jedenfalls riesig darauf. Alle in dieser Geschichte genannten Personen werden dabei sein. Die Autorin inbegriffen. 

KATHARINA TONTSCH

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