Baiersdorfer Störche sind gerade heimatlos

11.2.2016, 12:13 Uhr

© Foto: privat

In der Tat hat man den Störchen das Nest, das sie 2015 mit Eifer gebaut haben, wieder genommen. Jedoch, so der Erlanger "Storchenvater" Michael Zimmermann, der Mast, auf dem Meister Adebar und seine Frau im vergangenen Jahr nisteten, sei ja ohnehin nur ein Ausweichquartier gewesen.

Denn die beiden Störche seien von ihrem angestammten Horst auf dem Restaurant "Storchennest" vertrieben worden. Schuld daran sei der Kran im Baugebiet alte Mälzerei gewesen. Der habe die Störche bewegt, sich einen anderen Unterschlupf zu suchen.

Fündig geworden sind sie 2015 neben dem Bahnhof. Dort standen zwei Masten, einer der Deutschen Bahn, einer der Telekom. Die Störche begannen laut Zimmermann, auf beiden Masten wie wild zu bauen, auf dem höheren Telekom-Masten und dem niedrigeren Bahn-Masten.

Auf dem Bahn-Masten hat sich am Rand ein großer Ast verfangen. Diesen Ast haben die Störche mit Zweigen umwickelt wie mit einem Schal. So entstand eine Art Schaltasche, in der die Störche ihre Eier gelegt und die Brut großgezogen haben. Sie hörten aber nicht auf zu arbeiten und konstruierten darüber noch eine Art Penthouse, ein zweites Stockwerk.

Ein Passant sei stehen geblieben und habe sich bewundernd geäußert: "Sage mir keiner, das sei Instinkt, das ist eine Ingenieursleistung", so Zimmermann angetan. Das half freilich nichts, denn die Störchin, Carmen die stolze Spanierin, hat ihr Leben an einem Bagger, der für die Bahn arbeitete, ausgehaucht.

Schlimme 20kV-Leitung

Für viel schlimmer freilich hält Michael Zimmermann die 20kV-Leitung, die am Bahnhof vorbei zwischen Erlangen und Forchheim gespannt ist. Das sei ein wahre "Todesleitung" für Störche. Insgesamt seien hier in den vergangenen Jahren schon acht Störche ums Leben gekommen. Dem abzuhelfen gebe es letztlich nur eine Lösung, erklärt Zimmermann: die Leitung der Regnitz Stromverwertung (RSV) als Kabel in die Erde zu legen. Mehrfach sei er diesbezüglich schon bei den zuständigen Erlanger Stadtwerken vorstellig geworden — bisher vergeblich.

Das abgebaute Nest auf dem Bahn-Masten hingegen bereitet dem Storchenvater kein Kopfzerbrechen. "Wir haben den Horst auf dem Restaurant Storchennest letztes Jahr saniert", erzählt er. Ende Februar müsse der Kran seine Tätigkeit einstellen. Dann könnten die Störche wieder ihre alte Wohnung mitten in der Stadt beziehen.

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