Donnerstag, 17.10.2019

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Bau einer Jugendfarm: Erlangen hilft im Libanon

"Oase der Freude": Stadt vertieft Projektpartnerschaft, Florian Janik war zu Besuch - 17.09.2019 06:00 Uhr

Die Kinder in der Schule von Wahat Al-Farah freuten sich, als sie vor kurzem Besuch aus Erlangen bekamen: Oberbürgermeister Florian Janik (Mi.), rechts von ihm Silvia Klein (Stadt Erlangen), Eva Kneissl (Umweltstation Jugendfarm) und Tobias Ott (Stadt Erlangen), ganz rechts Loulou Rouayheb, Leiterin von Wahat Al-Farah. © Stadt Erlangen/Tobias Ott


Es waren intensive fünf Tage. Und sie wirken nach. Das wird sofort deutlich, wenn man mit Oberbürgermeister Florian Janik derzeit über seine Reise in den Libanon spricht, die er gemeinsam mit einer kleinen Erlanger Delegation Anfang September unternommen hatte.

Wahat Al-Farah – auf Deutsch: Oase der Freude – heißt die Organisation in der nordlibanesischen Kommune Bkeftine, die eine Schule für 55 Kinder mit geistiger Behinderung sowie eine Werkstatt mit Arbeitsmöglichkeiten für 95 geistig behinderte Menschen bietet. Bei dem Besuch gelang es dem Erlanger Stadtoberhaupt, die kommunale Projektpartnerschaft zwischen Erlangen und der nordlibanesischen Kommune Bkeftine auf die nächste Ebene zu heben.

Denn das Ganze war ein Arbeitsaufenthalt mit durchaus ehrgeizigem Programm. Am Ende steht nun fest: "Wir bauen eine Jugendfarm in Bkeftine", erklärt Janik. "Wir haben die Reise genutzt, um vor Ort die Rahmenbedingungen abzustecken." Und das bedeutete, mit vielen Menschen zu sprechen, vom Bürgermeister von Bkeftine über den Präsidenten der nahe gelegenen Universität Balamand bis hin zur libanesischen Innenministerin. Jetzt sei man sich sicher, "dass es ein tolles Projekt wird", sagt Janik.

Doch zurück zu den Anfängen. Durchgeführt wird die Projektpartnerschaft im Rahmen der vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ins Leben gerufenen Initiative "Kommunales Know-how für Nahost". Ziel des BMZ ist es, Fluchtursachen zu bekämpfen, indem man Kommunen in Nahost stärkt.

Der Libanon ist neben Jordanien und der Türkei eines der drei wichtigsten Erstaufnahmeländer syrischer Geflüchteter. "Erlangen wollte sich engagieren", erklärt OB Janik. Es kam in einem ersten Projekt-Schritt zum Fachaustausch im Bereich Behindertenarbeit und Inklusion. Beteiligt daran waren Akteure aus Erlangen und Bkeftine, konkret neben der Stadt die Lebenshilfe Erlangen sowie die Jugendfarm und auf libanesischer Seite die Organisation Wahat Al-Farah.

Über seine Reise in den Libanon spricht Florian Janik auch im Podcast "Horch amol". Bitte drücken Sie zum Hören auf Play: 

Horch amol: Janiks Baumgeheimnis

Den Kontakt zur "Oase der Freude" vermittelt hatte Professor Georges Tamer, Inhaber des Lehrstuhls für Orientalische Philologie und Islamwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität. Finanziert wird das Projekt vollständig über das BMZ. Mit dem Plan, eine Jugendfarm – die "Wahat-Farm" – in Bkeftine zu bauen, wird sich die Stadt Erlangen nun für das sogenannte "Schnellstarterpaket 2" bewerben. Entstehen wird dabei eine vor Ort einmalige Einrichtung, denn tiergestützte Pädagogik gibt es im Libanon noch nicht.

Die künftige "Wahat-Farm" wird für Kinder mit und ohne Behinderung offen sein und soll somit der Ausgrenzung von Menschen mit Behinderung entgegenwirken. Die Stadt Erlangen leiste auch einen Beitrag zur Stabilisierung der Aufnahmekommunen syrischer Geflüchteter im Libanon, so Oberbürgermeister Janik. In dem Land mit einer Fläche halb so groß wie das Bundesland Hessen leben zirka 4,5 Millionen Menschen, hinzu kamen bis zu 1,5 Millionen Syrer, die durch den Bürgerkrieg zur Flucht gezwungen waren. "Wir unterstützen zu uns Geflohene", sagt OB Janik. "Dazu passt, dass wir dort die Zivilgesellschaft stärken."

ek VON EVA KETTLER

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