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Baukunstbeirat der Stadt Erlangen kritisiert Kino-Pläne

Expertengremium ist mit mehreren Details der Entwürfe unzufrieden - 15.02.2021 12:30 Uhr

Die Lammlichtspiele planen einen Erweiterungsbau auf dem Gelände einer ehemaligen Schreinerei in der Schulstraße.

14.02.2021 © Archivfoto: Mößler-Rademacher


Lob und Tadel liegen oft nicht weit auseinander Elisa Coburger, Chefin der Lammlichtspiele, und ihr Geschäftspartner Peter Zwingmann wären ganz zufrieden mit Ersterem und könnten vermutlich auf den Tadel verzichten. Doch, wir alle wissen es, die Wirklichkeit ist eine andere, vor allem wenn es um ein ambitioniertes Bauprojekt mitten in der Erlanger Altstadt geht. Hier plant das Duo Coburger/Zwingmann schon seit längerem den Bau eines Kinos in der Schulstraße und will damit auch "einen Beitrag leisten, die Erlanger Altstadt attraktiver zu machen", so Elisa Coburger gegenüber unserer Zeitung.

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Das Gebäude, das dort umgewandelt werden soll, ist eine ehemalige Schreinerei, deren Besitzer sich bereits in den Ruhestand verabschiedet haben. Die Pläne sehen dabei vor, die bestehende Garage abzubrechen und die ehemalige Schreinerei bis zur Grundstücksgrenze zu verlängern. Das Dach soll zu Gunsten einer großzügigen Dachterrasse mit mobiler Leinwand rückgebaut werden.

Teile der Stadtmauer freilegen

Im Erdgeschoss wollen Coburger/ Zwingmann außerdem einen Kinosaal mit 74 Sitzplätzen einrichten, der über ein kleines Foyer mit Kasse erschlossen wird. Der Zugang zur Dachterrasse erfolgt über einen gläsernen Aufsatz mit Treppe.

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Mit dem Dachgarten verfolgen beide Kinomacher den Ansatz, historisch belegte und teilweise noch vorhandene Gärten an der Stadtmauer zu ergänzen. Von der Seite Fuchsenwiese soll, heißt es weiter, die prägnante Stadtmauerstruktur erhalten bleiben. "Wir wollen beispielsweise die bislang verputzte Stadtmauer freilegen und mithelfen, die gesamte Straße aufzuwerten", sagt Coburger.

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So weit, so gut, oder vielleicht doch nicht? So gibt es von Seiten des Baukunstbeirat (BKB) grundsätzlich Lob für das Projekt. "Das Vorhaben (… ) wird durch den Baukunstbeirat begrüßt" und sei an sich "sehr unterstützenswert", heißt es zum Beispiel im Protokoll des BKB. Gleichzeitig spart der Baukunstbeirat nicht mit Tadel.

"Retrolook" der 60er-Jahre

So heißt es in dem Protokoll wörtlich: "Der vorliegende Entwurf weist jedoch gestalterisch wesentliche Mängel auf. Vom Bestand werden einzelne Zitate erhalten, jedoch wird dieser komplett überformt. Hierzu wird sich einer Gestaltsprache bedient, die eher auf einen ,Retrolook‘ der 60er Jahre schließen lässt." Die Proportionen von Erdgeschoss und gläsernem Aufsatz mit Vordachkonstruktion bewertet der Baukunstausschuss als "unausgewogen, die Dimensionen zum Beispiel der Attika im Obergeschoss würden nicht mit den baulichen Erfordernissen übereinstimmen.

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Das grundsätzliche Problem der Planung liegt für den Baukunstbeirat aber in der Gestaltung und der Größe des Glasaufbaus im Bereich der Dachterrasse. "Dieser sollte als untergeordnetes Bauteil wirken, wird jedoch durch seine Höhe von zirka 3,50 Meter, vermutlich wegen der Aufzugsüberfahrt, und dem Vordach unnötig betont.

Ein solches Bauteil muss durch eine behutsame Detaillierung überzeugen, die jedoch den vorgelegten Planunterlagen nicht zu entnehmen ist." Der Baukunstausschuss befürchtet darüber hinaus Auswirkungen auf Nachbarschaft und Altstadt durch Lichtimmissionen aus Glasaufbau und Leinwandfläche, die letztlich nicht beherrschbar sind.

Beratungstermin wird empfohlen

Der Baukunstbeirat empfiehlt deshalb der Bauherrin, zusammen mit dem planenden Architekturbüro und einem Beiratsmitglied einen gemeinsamen Beratungstermin zu vereinbaren, um die strittigen Punkte beseitigen zu können.

MARKUS HÖRATH

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