Bilder von der «Magie des Inneren im Äußeren»

12.5.2009, 00:00 Uhr

© Bernd Böhner

Tatsächlich sind die Nackten der Nürnberger Malerin auf den Zusammenhang von Kopf und Körper reduziert. Schon Arme und Beine scheinen sich zu weit von diesem Mittelpunkt der Existenz zu entfernen. Hände und Füße schließlich sind dem Bewusstsein dieses in sich ruhenden Traumvolks vollends entfremdet: Sie kommen nur noch in Andeutungen vor.

Volumina der Körper

Liz Bayerlein beschäftigt sich mit den Volumina der Körper, die ohne Hinweis auf Skelett und Muskulatur nur durch die Außenhaut geformt und zusammengehalten sind. Von ihrer Umwelt sind sie bis auf Andeutungen vollständig isoliert, in sich selbst versunken.

Durch die kunstvolle Lasurmalerei, die sich auf dem Kontrast von Kontur und Hintergrund entwickelt, treten die Körper von innen erleuchtet hervor, wie auf einem Röntgenbild, das aber keine physiologischen Hinweise gibt.

Ballonartig schwebend

Trotz ihrer entspannt lastenden Haltung erscheinen diese Körper von der Erdenschwere befreit, ballonartig schwebend und statt der Innereien wie mit einem leuchtenden Gas gefüllt. Die Körper leuchten aus sich selbst, ohne äußere Lichtquelle, sie entwickeln den «großen Glanz von innen», den Rilke als wesentlich für das Menschenbild bezeichnet hat.

Die bei weitem interessanteste Ergänzung der Körper ist der Kopf, der allein durch eine Binnenzeichnung strukturiert ist. Die Gesichter spiegeln in Augen, Mund und Frisur jene Individualität, die in den Körpern nur als Haltung gegenwärtig bleibt. Dieser Zusammenhang macht verständlich, warum Liz Bayerlein bei ihren Bildern auf das konkrete Modell angewiesen ist, das auch in den Titeln gegenwärtig bleibt, obwohl sie auf jede Portrait-Ähnlichkeit verzichtet.

Florierender Fitnesskult

In der gesellschaftlichen Wirklichkeit hat der alte Krieg des Kopfes gegen den Körper offensichtlich Konjunktur, wie der florierende Fitness- und Schlankheitskult beweist. Liz Bayerleins Nackte haben ihn beigelegt: Auch ihre Dicken sind im Paradies der Unschuld angekommen.

Um ihre Vorstellung einer Welt illuminierter Körper zu realisieren, braucht die Malerin offensichtlich das große Format. Im kleinen Format gelingt die Transparenz nicht. Die Farbflächen sind kompakt vermalt, als handle es sich um Vorskizzen für das wirkliche Bild. KURT JAUSLIN