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Dienstag, 15.10.2019

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Bürgermeister muss vollen Einsatz bringen _ auch in Dormitz

Ein Vormittag mit dem Gemeindeoberhaupt Holger Bezold — Warum er die Hauptamtlichkeit für wichtig und richtig hält - 26.01.2019 14:30 Uhr

Es fehlt an Platz für die Mittagsbetreuung, zeigt Rektorin Susanne Krieger in Hetzles Nicky Weber, Gertrud Werner und Holger Bezold (v. li.). © Fotos: Dieter Köchel


"Setzen Sie sich doch noch einen Augenblick hin", deutet eine Mitarbeiterin der Verwaltungsgemeinschaft auf einen Sessel im Flur. "Der Bürgermeister führt gerade noch ein Gespräch." Fünf Minuten später geht die Tür auf und mit strahlendem Lächeln kommt Holger Bezold auf den Besucher zu. Es ist 9.05 Uhr. Seit eineinhalb Stunden sitzt der Bürgermeister in seinem Amtszimmer, führt Telefonate, hat erste Besprechungen mit Mitarbeitern hinter sich und Papiere zur Vorbereitung auf die Gemeinderatssitzung am Abend vor sich.

"Jetzt kommt gleich ein Elternbeirat der Schule zum Gespräch; ich hoffe, das stört Sie nicht," sagt er fast entschuldigend. Aber nein, ich wollte ja einen Vormittag lang sehen, was der ehrenamtliche Bürgermeister von Dormitz so um die Ohren hat. Um 9.30 Uhr klopft Sven Rohtla an und wird ins Amtszimmer gebeten. Die Außensportanlagen der Schulen seien nicht in Ordnung. "Wir haben keine passende Anlage für die Bundesjugendspiele. Problem in Dormitz: Die Laufbahn liegt im Überschwemmungsgebiet. Dort ist der Belag mittlerweile abgetragen. In Hetzles weist die Laufbahn Risse auf, außerdem sei der Absprungbalken an der Weitsprunganlage falsch herum montiert, bemängelt Rohtla. Der Weg zum FC Dormitz sei für die Grundschüler zu weit. Deshalb bat Rohtla, dass die Anlage in Hetzles wenigstens provisorisch repariert und funktionstüchtig gemacht werde. Bezold sicherte ihm zu, sich der Sache anzunehmen.

Kaum ist der Elternbeirat weg, erhebt sich der Bürgermeister. Ortstermin in den Schulen von Hetzles und Dormitz mit der Schulverbandsvorsitzenden Gertrud Werner, Rektorin Susanne Krieger und Geschäftsleiter Nicky Weber. Es fehlt Platz für die Mittagsbetreuung und es ist absehbar, dass im nächsten Schuljahr noch mehr Kinder einen Mittagsplatz benötigen. "Ihr braucht bloß aufstocken, dann haben wir das Problem gelöst", frotzelt Kleinsendelbachs Bürgermeisterin Gertrud Werner in Richtung Bezold. "Wenn Ihr das zahlt", kontert der.

Und Nicky Weber fasst das Problem zusammen. Selbst wenn die Regierung einen Raumbedarf von 200 Quadratmetern anerkennen würde, gäbe es die Frage: Wo? An beiden Schulhäusern fehlen Räume. Die Mehrhäusigkeit der Schule sei hier ein Hemmschuh.

Am Abend will Holger Bezold das Thema im Gemeinderat ansprechen und mit seinen Ratsmitgliedern nach einer Lösung suchen.

Gerade zurück im Rathaus, pocht es an der Tür. Olaf Drescher, im Bauamt zuständig für technische Fragen, will mit dem Bürgermeister einiges abklären. Es geht um kleinere Anschaffungen wie einen Kühlschrank oder einen Bürostuhl, aber auch um eine geplante Straßensperrung im Kreis ERH, die wegen der angedachten Umleitungstrasse auch Konsequenzen für die VG Dormitz haben wird.

"Wir sind schon auf die Mithilfe unserer Bürgermeister angewiesen", betont Drescher. Holger Bezold nickt dankbar und ergänzt, dass er, wenn er noch seinem Beruf nachgehen würde, weder die Ortstermine noch die Absprachen hätte wahrnehmen können. Oder aber dafür einen halben Tag Urlaub nehmen müssen. Es sei ja nachvollziehbar, dass ein Arbeitgeber, der einen für Vollzeit bezahlt auch eine Vollzeit-Leistung will.

Solange er ganztags im Beruf tätig war, habe er daher in aller Regel sein Amt als Bürgermeister erst nach 16 Uhr antreten können, zu einer Zeit in der die VG-Mitarbeiter, die ohnehin "am Limit arbeiten", schon fast am Ende ihres Arbeitstages angelangt seien. Da sei ein Austausch im Gespräch kaum möglich. Die Kommunikation "hat oft über Zettel und /oder E-Mails stattgefunden", beschreibt Bezold.

Das hält er für unbefriedigend. "Wir sind ein Dienstleistungsbetrieb, in dem Verwaltung und Bürgermeister gefragt sind", erklärt er. Ob es Besuche bei der Regierung von Oberfranken wegen Fördermitteln für gemeindliche Projekte sind, Gespräche mit Ingenieurbüros, Hochwasserschutz, Verkehrsprojekte, Ausbau der Kinderbetreuung, ISEK oder Gespräche mit Bürgern, die ihre Anliegen bei ihm los werden wollen: Die Aufgaben seien umfangreicher denn je. Dazu komme, dass ein Bürgermeister die Gemeinde ja voranbringen wolle. "Ich will Visionen entwickeln und ihre Umsetzung betreiben." Das fordere den vollen Einsatz.

Nur wenige Bürgermeister im Landkreis Forchheim sind bis Ende letzten Jahres neben ihrem Amt einem Vollzeit-Job nachgegangen, weiß Bezold. Er war einer davon, ist jedoch nach über vier Jahren im Amt überzeugt: "Das geht nicht zusammen." Nicht zuletzt deshalb hat der Gemeinderat von Dormitz im November 2018 mit zehn gegen fünf Stimmen beschlossen, ab 2020 einen hauptamtlichen Bürgermeister zu bestallen, egal ob der Holger Bezold heißt oder anders.

Der Trend, auch in Gemeinden zwischen 2000 und 3000 Einwohnern wie Dormitz geht eindeutig zur Hauptamtlichkeit von Bürgermeistern, auch wenn die Gemeindeordnung erst ab 5000 Einwohnern die Hauptamtlichkeit vorschreibt. Die Ablehnung der Hauptamtlichkeit durch die CSU (wir berichteten) sei nicht zeitgemäß. Im Übrigen würden ja die Mehrkosten für den berufsmäßigen Bürgermeister auch durch die entsprechende Arbeitszeit abgegolten. "Aber", sagt Bezold, "zweimal 40

Stunden pro Woche geht halt nicht."

Es ist gleich 13 Uhr; da kommt Elke Elm aus dem Sekretariat ins Zimmer. Es gibt noch offene Fragen zur Einweihung des neuen Feuerwehrfahrzeugs. Ob der Herr Bürgermeister gerade Zeit hätte. Hat er. Jetzt schon.

"Ich will Visionen

entwickeln und umsetzen"

DIETER KÖCHEL

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