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Comic-Journalismus im Stadtmuseum in Erlangen

Gezeichnetes Zeitgeschehen: Die sehenswerte Schau zum Thema - 10.06.2018 11:30 Uhr

Pussy Riot und mehr: Victoria Lomasko blickt in „Zeich(n)en der Zeit“ auf die Politik und den Alltag in Russland. © Fotos: Harald Sippel


"Ich glaube nicht an die Objektivität, wie sie in amerikanischen Journalismus-Schulen gelehrt wird. Ich glaube an die Fairness. Wenn du Sachen siehst, die deinen Überzeugungen widersprechen, dann musst du sie zeigen." Joe Sacco ist seit vielen Jahren wohl der bekannteste Vertreter des "Comic-Journalismus’".

Anfang der 90er Jahre hielt er sich in Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten auf. Weil das dort Erlebte ihn nicht mehr losließ, widmete er Palästina ab Januar 1993 eine Reihe von Geschichten. Nach seinen Aufenthalten im Nahen Osten reiste Joe Sacco in die bosnische Enklave Goražde. Auf den Covern der Bücher, die danach erschienen, blickt Sacco den Lesern stets etwas naiv direkt ins Gesicht. Er bekennt sich zur Subjektivität und rückt immer wieder die Geschichten einzelner Menschen in den Mittelpunkt.

In der sehenswerten Schau "Zeich(n)en der Zeit — Comic-Reporter unterwegs" sind unter anderen seine Original-Zeichnungen über die Kehrseite des intensiven Ölsandabbaus in Kanada und die Zerstörung der Umwelt zu sehen.

Saccos Arbeiten bilden zusammen mit einem Blick in die Geschichte der "Bildnachrichten" und der Zeitungs-Illustrationen den Auftakt zu einer Ausstellung, die sich vor allem mit aktuellen Tendenzen beschäftigt. Dennoch werden die Wurzeln dieser Art von Berichterstattung über das Zeitgeschehen bloßgelegt. Etwa die Bilder, die die "Bleiwüsten" in den Zeitungen um 1800 auflockern sollen. Immer mehr werden diese Darstellungen aber Hilfsmittel zur Auflagensteigerung. Das Publikum schauderte, wenn es das Attentat an Elisabeth "Sisi" von Österreich-Ungarn in voller Dramatik miterleben konnte.

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Es zitterte, wenn die Titanic mit einem Eisberg kollidierte, und es lachte, wenn sich Karikaturen über die Obrigkeit lustig machten. Interessant zu sehen, wie das Erlanger Tagblatt in den 50er und 60er Jahren die luftig-lockeren Zeichnungen von Bernhard Postner zur Bebilderung von Rezensionen einsetzte. Eine Tradition, die der Erlanger Zeichner Michael Jordan ein wenig in die Gegenwart rettete. Seine Gerichtszeichnungen (während der Verhandlungen ist Fotografieren verboten) vom Reemtsma-Prozess schafften es in die Wochenzeitung Die Zeit.

In den Fokus rückt im ersten Stock die aktuelle Szene mit bekannten Namen wie Guy Delisle, Ulli Lust, Victoria Lomasko oder (neben Online-Projekten) Print-Magazine wie Strapazin. Ausführlich wird zudem das vom "Deutschen Comicverein" initiierte und von der "Bundeszentrale für politische Bildung" geförderte Reportage-Projekt zum Phänomen der Zuwanderung, "Alphabet des Ankommens", präsentiert. Eine Ausstellung, die zeigt, welche Möglichkeiten diese Art der künstlerisch-dokumentarischen Auseinandersetzung mit den großen Themen der Gegenwart bietet.

Die Ausstellung ist bis 26. August zu sehen. Geöffnet: Di.—Mi. 9—17, Donnerstag 9—20 (ab 17 Uhr freier Eintritt), Fr. 9—17, Sa./So. 11—17 Uhr.

Stefan Mößler-Rademacher Redaktion Erlanger Nachrichten, Leiter der Kulturredaktion E-Mail

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