Die Kunst als Befreiung der Fantasie

9.3.2012, 00:00 Uhr
Der Nürnberger Künstler Klaus D. Engelke in seiner Ausstellung.

Der Nürnberger Künstler Klaus D. Engelke in seiner Ausstellung. © Harald Hofmann

Pan ist im griechischen Mythos der Naturgott der entfesselten Erotik, die in der Bilderfolge nicht zu kurz kommt. Tatsächlich aber erzählt Engelkes gezeichneter Film in Bildern die Geschichte ihres Verlustes. Die Unschuld des Fleisches verliert sich in Maskeraden und Verkleidungen, bis schließlich noch das Militär aufmarschiert.

Die komplizierte Anatomie der miteinander verwobenen Körper erinnert mit ihren Körperverschränkungen an die hochartifiziellen Arrangements des Manierismus. Zugleich aber ist die lineare Härte der Zeichnung unverkennbar dem Comic verpflichtet, seiner reduzierten Sinnlichkeit ebenso wie seiner unmittelbaren Erzählweise. Die prononcierte zeichnerische Virtuosität hat etwas endgültig Fertiges an sich, das durchaus im Gegensatz zu den anderen Arbeiten der Ausstellung steht.

Die plastischen Objekte nämlich zeichnen sich durch den spielerischen Umgang mit den Ausgangsmaterialien aus, die immer nur vorläufig sind und in jedem einzelnen Objekt eine neue und individuelle Wirklichkeit gewinnen. Das ironische Spiel mit den Materialien und ihren Bedeutungen lässt keinen Zweifel daran, dass auch diese Wirklichkeit nur Simulation ist. Denn die Stoffe, Kunststoffe, technischen und alltäglichen Reste, Modeschmuckstücke, Federn, Fäden und Knöpfe lassen sich als solche problemlos identifizieren. In der Assemblage der jeweiligen Skulptur entwickeln sie eine eigenwillige Poesie, die ihre Wirklichkeit der Fantasie des Betrachters öffnet.

Eine originelle Idee ist Engelkes Konzeption des Leporellos als eigenständige Kunstform. Der Leporello verbindet das Motiv des Einzelbildes mit dem der zusammenhängenden Bilderzählung: Man kann die Bilder wie ein Buch durch Umblättern lesen, oder ausgezogen als Film. Er vereinigt zwanglos Zeichnung und Malerei und eröffnet darüber hinaus sogar Möglichkeiten der plastischen Gestaltung.

Das durch Goyas Radierungen berühmte Motiv vom „Schlaf der Vernunft“ wird auch von Engelke als Folge von strengen Handzeichnungen entwickelt. Sein „Nachtstück“ dagegen entfaltet in der Bilderfolge die Geburt einer rein farbigen Abstraktion. Der Leporello „Blaubarts Burg“ vereint Gegenständliches und Abstraktion, Malerei und plastische Gestalt mit dem Element der zeitlichen Veränderung: Wenn man den Leporello auseinander zieht, entfalten sich die Bilder in den Raum, eine alte Technik des Papierschnittes, die nicht umsonst in Kinderbüchern überlebt hat: als Befreiung der Fantasie von alltäglichen Zwängen. Zum Künstlergespräch am 24. März (14 Uhr) werden alle Leporellos geöffnet zu sehen sein.

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