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DJK-SpVgg Effeltrich kämpft wieder ums Überleben

Es geht gegen den Abstieg: Die Tischtennisspieler starten in die Drittliga-Saison - 27.09.2019 18:30 Uhr

Alles für diese zwei Einheimischen: Damit Marius Zaus (vorne) und Alexander Rattassep hier hochklassig Tischtennis spielen können, geht der Verein an seine Grenzen. © Ralf Rödel


Die Namen, sagt Jürgen Weninger, kann er schon aussprechen. Zumindest fast. Wie es genau klingt, wenn ein Ägypter sich tiefkehlig unter "Ghallab" vorstellt, kann sich der Franke dann doch noch nicht ganz vorstellen. Das Rätseln aber hat bald ein Ende. Heute kommt Aly Ghallab erstmals nach Effeltrich, um morgen für den dortigen Sportverein an der Platte alles zu geben.

"Mein ganzes Leben besteht aus Tischtennis"

Seit Jahren spielen Sportler aus dem Ausland hier. Zum Beispiel Martin Guman und Martin Jaslovsky. Im Vergleich zu Aly Ghallab allerdings hatten sie eine kürzere Anreise, beide kommen aus Bratislava. Bis zuletzt haben die Slowaken eine Fahrgemeinschaft gebildet, nun ist Jaslovsky weg. Nach sieben Jahren bei der DJK wechselte er ins Reserve-Team des TSV Bad Königshofen. Das ist nicht nur schade für Martin Guman, der seinen Spiel- und Fahr-Freund verliert. Es ist auch schade für die Mannschaft, der nun Qualität und Erfahrung fehlen werden.

Ausgleichen soll das Aly Ghallab aus Ägypten. In den kommenden drei Monaten trainiert und lebt der U21-Afrikameister in der Tischtennis-Schule in Bad Aibling, zum Spielen kommt er nach Effeltrich. Dort freuen sich alle wieder, dass nach einer langen Pause die Saison beginnt. Das gilt nicht nur für die Spieler. Es gilt für die gesamte Tischtennis-Abteilung, die einen Drittliga-Spieltag erst zu dem macht, was es am Ende ist: mehr als hochklassiges Tischtennis.

Die DJK setzt, anders als manche Konkurrenten auf diesem Niveau, auch auf Eigengewächse. Teammanager Jürgen Weninger ist das sehr wichtig. Er ist, wenn man so will, ja selbst eins. "Ich habe hier selbst in der ersten Mannschaft angefangen. Wir waren eine Studenten-Clique und haben uns gegenseitig gepusht", erinnert sich der 45-Jährige. "1995 war das, neun Ligen weiter unten." Seither hat sich einiges verändert. Nur Weninger, der auch Trainer ist und ein Tischtennis-Fachgeschäft betreibt, ist immer noch da. "Mein ganzes Leben besteht aus Tischtennis", sagt er. Seit mehr als 20 Jahren.

"Für uns ist es eigentlich eine Liga zu hoch"

Die Aufregung vor einer neuen Saison ist riesig. "Wir sind gespannt, wo wir stehen", sagt Weninger. "Unser Gegner hatte ja schon ein Spiel." Versbach ist vor zwei Wochen mit einem 6:1 gegen Grünwettersbach in die Runde gestartet. Beide Teams sind für Effeltrich direkte Konkurrenten im Abstiegskampf. Richtig etabliert in der dritten Liga hat sich die DJK immer noch nicht. Das, meint Weninger, gehe einfach nicht. "Für uns ist es eigentlich eine Liga zu hoch. Jedes Jahr, in dem wir hier überleben, ist ein Riesenerfolg."

Seit 20 Jahren engagiert dabei: Jürgen Weninger.


Die finanziellen Rahmenbedingungen seien "mit Abstand" die schlechtesten der Liga. Die Suche nach weiteren Sponsoren ist schwierig. Alles auf einen großen Geldgeber setzen, würden Weninger sowieso nie. "Wenn alles von einem abhängig ist und der keine Lust mehr hat, dann bricht alles zusammen." Die Abteilung, so scheint es, ist am Maximum angelangt. Eine Entwicklung sieht der Teammanager dennoch: bei seinen Spielern. "Es ist toll, wie sich die Jungen weiterentwickeln."

Marius Zaus und Alexander Rattassep sind seit vielen Jahren im Verein. "Wir werden nie nur mit auswärtigen Spielern antreten, damit wir besser sind", sagt Weninger. "Wenn Marius und Alex nicht hier wären, würden wir keine dritte Bundesliga spielen. Wir machen das für sie, damit sie uns vor Ort erhalten bleiben." Insbesondere Zaus hätte schon genügend Angebote gehabt. Doch er bleibt in seiner Heimat. Bis so ein guter Spieler wieder im eigenen Nachwuchs heranwächst, könnte es dauern. "Er ist ein Top-100-Spieler in Deutschland. Dafür reicht Fleiß alleine nicht aus", sagt Weninger.

Zwar gibt es einen Unterbau. Der Sprung in die dritten Liga ist dennoch gewaltig, was man schon an Alexander Rattassep sieht, der sich auch manchmal schwer tut. Robin Bort ist aktuell das größte Talent im Verein. Seit einiger Zeit aber werfen ihn Verletzungen und Krankheiten zurück. Eigentlich hätte der 14-Jährige langsam den Schritt in die zweite Erwachsenen-Mannschaft gehen sollen. In vier, fünf Jahren wäre er vielleicht bereit für die dritte Liga. Die besten Kuchen für die Heimspiele backt jetzt schon seine Mutter.

Frau, Freundin, alle werden in die Halle kommen

Sie ist eine von vielen, die sich in der Tischtennis-Abteilung ehrenamtlich engagieren. "Wir haben einige Trainer und Helfer", sagt Weninger. "Da geht es auch um die Halle und den Essensverkauf. Da sind viele Leute dabei, die das mittragen. Und das machen sie eben auch nur, weil unsere eigenen Leute mitspielen." Jürgen Weningers Frau hilft ebenfalls mit, ihr Sohn, die Freundin von Alexander Rattassep. Sie alle werden am Samstag in die Halle kommen.

Auch Martin Guman ist wieder fit. Er war eine Woche lang mit einem eingeklemmten Nerv im Krankenhaus. "Wir haben extrem gezittert", sagt Weninger, "doch seit ein paar Tagen trainiert er wieder". Die DJK kann in Bestbesetzung antreten. In der Rückrunde wird dann wieder Yutaka Kashiwa zum Team dazustoßen. Wegen seines Studiums in Japan kann er nur ein paar Wochen im Ausland verbringen, in denen will er den Effeltrichern wie im Vorjahr helfen, die Klasse zu halten. Diesen Namen kann Jürgen Weninger übrigens schon perfekt aussprechen.

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