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Ein Gastarbeiter Gottes wird Baiersdorfer

Der aus Indien stammende Mathew Kiliroor ist seit 20 Jahren Hausherr in der Katholischen Pfarrkirche St. Josef. Inzwischen ist er auch Seelsorger in Möhrendorf und Bubenreuth. - 27.08.2019 18:35 Uhr

Pfarrer Mathew Kiliroor hat sich von Anfang an wohl gefühlt in der Meerrettichstadt, heute ist er praktisch ein Baiersdorfer. © Foto: Heinz Reiß


Man pflegt auch in der Stadt des Meerrettichs gern so seine Eigenheiten und dies habe er natürlich im damals 2400 katholische Seelen zählenden Baiersdorf auch vorgefunden. Aber an der Unterstützung aus der Pfarrei, dem Pfarrgemeinderat und der Stadtverwaltung habe es ihm letztlich nie gemangelt. Mit ihm, dem Thomas-Christen aus Kerala/Südindien, kam ein Hauch von Weltkirche nach Baiersdorf.

Als er 1999 nach Baiersdorf kam, betreute er mit Hagenau 2400 Gläubige und sein Arbeitspensum reichte weit über einen acht Stunden Tag hinaus. Heute ist Kiliroor in einem Alter, in dem der normale Bürger seinen Ruhestand genießt, aber durch den notwendig gewordenen Seelsorgebereich Erlangen Nordost hat sich die Zahl seiner Seelen fast verdreifacht. Kiliroor ist mit 72 Jahren voller Tatkraft, er ist akademisch gebildet und mit Herzenswärme ausgestattet, er ist einfach ein Pfarrer "zum Anfassen". "Bürostunden", so erklärt er lächelnd, "habe ich nicht. Ein Anruf genügt und jeder kann zu mir kommen, wann immer es geht." In 20 Jahren hat Kiliroor auch viele Kontakte geknüpft und so manchen Baiersdorfer Bürger auf seinem letzten Weg begleitet.

Neben seinen seelsorgerischen Tätigkeiten hat Kiliroor den früheren Kindergarten St. Josef saniert und in eine Kindertagesstätte mit einer Kinderkrippe umgewandelt. Auch in Hagenau wurde das Gemeindezentrum als Kindertagesstätte umgestellt und in Bubenreuth arbeitet er seit 2012 an der Totalsanierung des Kindergartens St. Marien. Sein kleines Hobby ist der Pfarrgarten, hier beweist der Gottesmann, dass er auch einen grünen Daumen hat.

Seit 1972 Priester

Pfarrer Mathew Kiliroor wurde 1947 in Kainady in Kerala (Indien) geboren. Drei Schwestern und drei Brüder leben mit ihren Familien in Kerala. Nach dem Abitur und Vorbereitungsstudium, sowie siebenjähriger philosophischer und theologischer Ausbildung im Regional-Priesterseminar in Vadavathoor (Kottayam) wurde Kiliroor 1972 durch die Handauflegung vom damaligen Erzbischof Mar Antony Padiyara zum Priester geweiht.

Nach einer vierjährigen Kaplanszeit im Bischofshaus in Changanacherry wurde er Redakteur des Amtsblattes, Manager der St. Joseph Orphanage Press and Bookstall, Notar am Ehegericht, Zensor Librorum und Vizedirektor für Diözesan-Caritas. Anschließend schickte ihn der Erzbischof für ein Weiterstudium an das Coady International Institute der St. Francis Xavier University, Nova Scotia (Canada).

Nach seiner Rückkehr wurde er als Direktor für die Caritas beauftragt. Nebenamtlich begleitete er die Pfarrei Holy Family in Manila. 1982 begann Kiliroor das Studium zum Doktor der Theologie an der Katholischen Universität Leuven (Belgien) und schloss dies mit der Promotion 1988 ab.

Während des Studiums entstand der Kontakt zum Erzbistum Bamberg. Hier reifte die Idee eines pastoralen Kooperationsprogramms zwischen seinem "indischen" Bistum Changanacherry und dem "fränkischen" Bistum Bamberg. Es begann 1988 mit zwei Priestern in Troschenreuth und Willersdorf. Nach elf Jahren Dienst in der Pfarrei St. Martin Troschenreuth kam Kiliroor 1999 nach Baiersdorf. Erzbischof Karl Braun ernannte ihn zum Erzbischöflichen Geistlichen Rat und 2014 verlieh ihm Papst Franziskus den Ehrentitel "Monsignore". Kiliroor ist somit "Ehrenkaplan Seiner Heiligkeit". Momentan betreut Kiliroor zwölf Priester seines Heimat-Erzbistums und 143 indische Schwestern, die in diesem Kooperationsprogramm im Erzbistum Bamberg seelsorgerischen und pflegenden Dienst tun.

Auf die Frage, wie es denn mit 72 Jahren weitergeht, antwortet er mit einem Lächeln: "Mein Bischof meinte, dass ich noch ein paar Jährchen machen könnte!" "Nun, wenn ich gesund bleibe, mache ich es gerne, denn ich bin mittlerweile hier in Franken verwurzelt."

Am Dienstag 17. September besucht ihn sein neuer indischer Bischof Joseph Perumthottam. Die beiden werden sich viel zu erzählen haben und wie die EN erfahren haben, wird er ihn fränkisch verköstigen. Vielleicht erzählt er ihm auch von dem kleinen Jungen, welcher zu ihm sagte: "Dich habe ich schon in der Kirche gesehen, Opa. Was machst Du eigentlich wenn Du nicht in der Kirche bist?"

Am Sonntag, 1. September, 9.30 Uhr findet in St. Josef ein Pfarrgottesdienst statt und der Pfarrgemeinderat will im Namen der ganzen Gemeinde für seine 20-jährige Tätigkeit Danke sagen. Einen Geschenkvorschlag gibt es auch schon. Es wäre schön, wenn alle kommen würden, denn eine volle Kirche wäre das schönste Danke für Kiliroor. 

HEINZ REISS

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